Knie und Schulter: Da macht im OP am Skalpell Andreas Halder so schnell niemand etwas vor. 20 Jahren operiert der Ärztliche Direktor der Sana Kliniken Sommerfeld schon diese beiden entscheidenden und komplexen Gebiete des menschlichen Bewegungsapparats. Nahezu jeden Tag gehört ihm vormittags einer der fünf OP-Säle auf dem weitläufigen Gelände der ehemaligen Lungenheilanstalt. „Seine Steckenpferde“ sind Knie und Schulter, sagt der Mediziner.

Sechster OP und ein Neubau sind geplant

Als der Professor im Januar 2001 mit 35 Jahren die Leitung in Sommerfeld übernahm, standen die Kliniken vor einem existenziellen Wendepunkt: Schließung oder Durchstarten? Um nur das Licht auszumachen, aber war Halder nicht nach Oberhavel gekommen. Zunächst wurde die Zahl der Operationen von 800 im ersten Jahr auf 1200 und dann auf 1500 erhöht. „Wir sind dann richtig in Fahrt gekommen“, sagt Professor Halder rückblickend. Die Krankenkassen drohten nicht mehr, Sommerfeld dicht zu machen. Die Kasse klingelte. 2002 wurde ein dritter OP-Saal eröffnet. Schließlich folgte bis 2010 die komplette Sanierung der Altbauten. OP-Saal Nummer vier und fünf folgten. „Alle Säle sind jeden Tag voll ausgelastet“, sagt Halder stolz, und eine gehörige Portion Selbstbewusstsein schwingen dabei mit. OP-Saal sechs folgt dieses Jahr. Außerdem ist ein Neubau geplant.

Die Klinik operiert an ihrer Zukunft

Und noch etwas hat sich in den vergangenen 20 Jahren geändert, was die Kliniken auf die Erfolgsspur brachte. 21 Tage lang war die Verweildauer nach einer OP 1991. Jetzt sind es fünf, und die Patienten stehen nach dem Eingriff auf. Dass seit 2007/2008 nur noch minimal invasiv, also mit dem kleinstmöglichem Aufwand operiert wird, ist für Halder OP-Alltag: „Ich zertrenne grundsätzlich keine Muskeln mehr.“ Mittlerweile unterstützen auch Roboter seine Arbeit am Patienten. Und an der Zukunft bastelt die Klinik auch mit.

Ziel: Prothesen ambulant einzusetzen

Halder versteht sich als Handwerker, hat nach dem Abitur in Berlin sogar eine Klempnerlehre angefangen, bevor er sich doch für Medizin eingeschrieben hat. Übriggeblieben ist die Lust am Schrauben an Motoren von Oldtimern. Seine Frau, die auch Medizinerin in Hennigsdorf ist, warnt ihn immer. „Gefährde nicht deine Hände!“. Vor allem, wenn er zu Hause die Kreissäge anwirft oder mit Bohrern hantiert.
Zurück zur Zukunft. Ziel in Sommerfeld ist es, künftig auch ambulant Prothesen einzusetzen. Ein gewagter Schritt. „Da sind wir gerade dran“, sagt Halder. Weg von der Reha im Klinikbett, hin zur OP am morgen und einem Tschüss! am Abend. Hüfte to go, sozusagen.

Arzt und Forscher

Halder ist nicht nur Arzt, er ist auch Forscher und Wissenschaftler. Da ist er ganz pragmatisch. So hat er im Laufe der OP-Jahre eigene Implantate entwickelt, weil ihm die Vorgängermodelle nicht gefielen, weil sie nicht gut passten oder kompliziert einzusetzen waren. Jetzt gibt es Halder-Modelle. „Ist doch toll, da steht mein Name drauf.“ Aber nicht nur der Professor freut sich. „Das kommt auch den Patienten zugute“, so der Arzt. Ganz nebenbei lehrt er auch noch an der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg und hat Kontakte zur Medizinischen Hochschule Brandenburg in Neuruppin. Nachwuchspflege.

Birkenwerder wurde 2000 zu klein

Vor Sommerfeld hatte es Halder nach verschiedenen Stationen schon einmal in die nördliche Peripherie verschlagen, in die Asklepios-Klinik in Birkenwerder. „Da konnte ich zwar viel operieren, aber es fehlte die wissenschaftliche Komponente.“ Also verschwand er für zwei Jahre in die USA, um in der Orthopedic Biomechanics Laboratory der Mayo Clinic Rochester, Minnesota, zu forschen. 2000 wurde er Oberarzt in Birkenwerder. Doch nach den USA war ihm „Birkenwerder zu klein geworden“. 2001 folgte der Wechsel in die Sana Kliniken zu wechseln.

Zur Entspannung in den OP

Fit sieht der 55-Jährige, der seinen Geburtstag bei 29 Jahren eingefroren hat, aus. Früher hat er Kampfsport gemacht, jetzt muss einmal die Woche Fitnessprogramm reichen – und das Arbeiten. Der Sprecher der Klinik, André Puchta, hat ausgerechnet, dass der Professor insgesamt schon 45.000 Kilometer über den weitläufigen Campus der Sana Kliniken zurückgelegt hat. Erholung findet er an Knie oder Schulter. Halder: „Das ist für mich entspannend. Operieren ist für mich die schönste Zeit.“ Seine offene Art und die offensichtliche Liebe zu seinem Beruf hat auch privat Früchte getragen. Fünf Kinder hat Andreas Halder. Die drei größeren – alles Mädchen – haben sich ebenfalls für Medizin entschieden. Die beiden Nachzügler wissen es nur noch nicht.