Er kommt aus Norddeutschland, sie ist in Berlin-Pankow verwurzelt. Bereiste er als Ingenieur für die Entwicklungshilfe mehr als 50 Länder, arbeitet sie als freie Grafikerin. In ihrem kleinen Kunsthandwerksladen verkauft sie neben ihren Schöpfungen zudem selbst gemachte Chutneys und Fruchtschnäpse.
Einstiges Brachland
Vor elf Jahren hat Jan Kühling das Grundstück am Ruppiner Kanal gekauft. "Ich komme vom Bauernhof, das steckt in meinen Genen", sagt er über das Fleckchen Erde im Luch, das ihn von Anfang an faszinierte. Er brauchte seine Ruhe, restaurierte das Haus, fing mit dem Anbau von Beeren an. "Freunde meinten dann zu mir, du musst hier unbedingt Leute reinlassen und dein Glück teilen."
Katrin Sprenger sah das Potenzial in Kremmen sofort. Seit drei Jahren ist das Ost-West-Paar zusammen. "Das war alles Brachland", sagt sie über die ehemalige Gärtnerei. Sie zeigt auf das kleine Outdoor-Café am Kanal. Seit wenigen Wochen hat es geöffnet. Das Feedback sei motivierend, sagt die 50-Jährige. "Wir wollen mehr und mehr unseren Schwerpunkt nach Kremmen verlagern." Ihr Haus in Pankow will sie behalten. Ganz aufs Land  zu ziehen, könne sie sich als Stadtpflanze noch nicht vorstellen. Das Café-Projekt soll ein Jahr anlaufen. "Unsere Lernphase", sagt Jan Kühling (48). Bis die Toiletten 2020 fertig sind, läuft das Projekt als "Straßenausschank".
Wichtig ist dem Paar: Es werden für die Kuchen und Quiche sowie für die selbst gemachten Fruchtweine und Fruchtmarmeladen nur Bio-Produkte verwendet und solche aus dem nach ökologischen Prinzipien geführten Garten. Wenn Besucher nicht auf bunt zusammengewürfelten Stühlen sitzen und Kaffee trinken, bleiben sie am Beerenfeld stehen. 27 verschiedene Sorten wachsen dort: klassische wie Heidel- und Himbeeren, hinzu kommen Aronia-, Logan- und Maibeeren. Letztere, auch Honigbeeren genannt, werden als erste reife Strauchbeeren schon im Juni geerntet.
Schwieriges Beerenjahr
Einfach sei die Beerenernte in diesem Jahr nicht. Die Johannisbeeren haben die Stare verputzt, die Heidelbeeren sind vertrocknet. Der Frost am 3. Mai tat sein übriges. So tragen auch die Apfelbäume kaum Früchte. Das sei eben die Natur. "Wir sind auch kein Selbstpflücker-Betrieb", sagt Jan Kühling. "Naschen ist aber immer erlaubt." Auf dem Areal gibt es Kirschen, Mangold, Blumenkohl, Kohlrabi und weiteres Gemüse.
Perspektivisch sollen ein Kinderbeet und ein Barfußpfad entstehen, Enten und Kaninchen das Areal bevölkern. "Wir wollen so attraktiv werden, dass es ein Ausflugsziel wird", sagt Jan Kühling. Besonders für Familien. "Unsere Erfahrung ist: Wenn Kinder selbst etwas ernten, wie Tomaten oder Gurken, essen sie das Gemüse, das sie zu Hause, zum Leid ihrer Eltern, verschmähen."