Oranienburg (OGA) Mit einem Fest wollen sich in Oranienburg lebende Syrer am Sonnabend dafür bedanken, dass sie in der Stadt eine Zuflucht vor Krieg und Verfolgung sowie ein neues Zuhause gefunden haben.
Im Büro von Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke wurde am Donnerstag Deutsch, Englisch, Russisch und Arabisch gesprochen. Laesicke empfing zwei in Lehnitz lebende Syrer. Nach der Begrüßung auf Englisch übersetzte Flüchtlingskoordinatorin Elena Wiezorrek von Deutsch auf Russisch. Denn Hani Ghathith spricht die Sprache seit seinem IT-Studium in der Ukraine fließend. Anschließend übersetzte er für seinen Landsmann Ahmad Alhaji Alhamdan ins Arabische. So wurde aus der kurz geplanten Begegnung mit dem Bürgermeister ein längeres Gespräch. Im Namen der 200 hier lebenden Syrer luden Ghathith und Alhamdan den Bürgermeister zum Dankeschön-Fest am Sonnabend ein. Die Geflüchteten möchten sich ab 15 Uhr bei den Oranienburgern für das Willkommen in der Stadt bedanken.
"Wir sind hier gut aufgenommen worden", sagt Ghathith. Jetzt würden die Syrer, die in Notunterkünften in Lehnitz leben, ihre Kultur vorstellen wollen. Es gibt Musik, Tanz, syrisches Essen sowie Bilder aus dem Land, die vor und während des Krieges entstanden sind. Es sei wichtig, dass wir voneinander wissen, sagte Laesicke. Nur so könnten Vorurteile und Ängste abgebaut werden.
Viele Oranienburger hätten längst begriffen, dass von Muslimen und schwarzbärtigen Männern keine Gefahr ausginge. Es sei ihm aber bewusst, dass nicht alle Oranienburger offen und freundlich seien, so Laesicke. Hani Ghathit hatte zusammen mit einem syrischen Freund am Wochenende erlebt, dass er wegen seiner Herkunft am Eingang zu einer Party abgewiesen wurde. "Es wäre schade, wenn Sie deshalb verbittert wären und sich zurückziehen", sagte Laesicke. Das Zusammenleben mit Menschen aus anderen Ländern müsse zur Normalität werden. "Sie gehören zu unserer Stadt dazu. Fühlen Sie sich als Neu-Oranienburger und nicht als Fremde", sagte Laesicke und lud die Syrer ein, das 800-jährige Bestehen der Stadt mitzufeiern.
Am Beispiel der Spätaussiedler, die in den 1990er-Jahren aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland kamen, erläuterte Laesicke, wie frühere Vorbehalte längst einer Normalität im Umgang gewichen seien. Wichtig sei dafür, dass Geflüchtete die deutsche Sprache erlernen und die hiesige Kultur kennenlernten. "Das muss sich entwickeln", bat er um Geduld auf beiden Seiten.
Hani Ghathith, der inzwischen als Flüchtling anerkannt ist und eine Aufenthaltserlaubnis erhielt, floh vor sechs Monaten aus der syrisch-türkischen Grenzregion nach Deutschland. Er spricht inzwischen etwas Deutsch, bewirbt sich um Arbeit und sucht eine Wohnung. Seine Familie soll nachkommen. Er sei überrascht gewesen, wie viele Deutsche Angst vor Arabern hätten. Gleichzeitig hätten viele Muslime Angst vor Neonazis. "Mit unserem Fest wollen wir auch zeigen, dass die Oranienburger keine Angst haben müssen", sagte er.