Zwischen Häppchen und Rotwein wird Bedauern ausgedrückt. Die meisten Anwesenden hätten Klaus-Dieter Hartung gerne weiter im Amt gesehen. Seine Frau Ute nicht. Sie sei froh, sagt sie unumwunden, erleichtert wohl am Ende für ihn, für seine Gesundheit. "Er hat ja schon ein dickes Fell, aber die jahrelangen Angriffe hinterlassen eben doch Spuren."
Zuvor hat es Hartungs Stellvertreter, Bauamtschef Michael Oleck, übernommen, für die Mitarbeiter zu sprechen. Seine Standhaftigkeit sei das Merkmal an Hartung, das ihn und damit die Stadt in den vergangenen acht Jahren am meisten geprägt habe. "Sie haben bei ganz entscheidenden Themen vehement und unbeugsam Ihren Standpunkt und die von Ihnen vertretenen Grundwerte herausgestellt und gegen Angriffe verteidigt - ohne abzuwägen, ob dies politisch opportun oder klug ist." Vor allem denke er bei dieser Standhaftigkeit an die Asylbewerberproblematik, zollt Oleck Hartung Respekt und Hochachtung. "Hier konnte man diese Standhaftigkeit klar sehen - klar, unvermissverständlich und unbeugsam, wenn in Diskussionen die Menschenwürde von Flüchtlinge angegriffen oder infrage gestellt wurde, klar und deutlich seit dem Tag des Amtsantrittes gegen jede offene oder verdeckte Form des Rechtsradikalismus." Viel Kraft habe Hartung intern in die Umwandlung des Rathauses in eine offene, moderne Verwaltung gesteckt.
Ein Strandkorb steht bereit, er ist das Geschenk der Verwaltung. Er werde gut in den großen Garten passen, sagt Ute Hartung. Viele der bunten Päckchen auf dem langen Tisch enthalten vielleicht passende Lektüre.
Sportliche Ansprüche an den Hohen Neuendorfer melden aber auch seine Mitspieler vom Tischtennis wie Kurt Meinel an. Wenn es irgendwie ging, hat Klaus-Dieter Hartung das Mittwochstreffen der Tischtennisfreunde nie ausgelassen. "Einmal hat er mich schon besiegt", sagt Joachim Siebmann. "Da war er ganz stolz." Zum vorgetragenen Gedicht und weiteren Geschenken der Tischtennisfreunde gehört eine sehr kleine Kelle.
Als Bürgermeister habe er oft 60 bis 80 Stunden die Woche gearbeitet, sagt Klaus-Dieter Hartung. Am 1. März hat er frei. Einen halben Tag. Dann fängt er den neuen Job an, in einer Ingenieurfirma mit 70 Mitarbeitern in Berlin, von denen er eine Handvoll, einschließlich den Chef, seit Jahrzehnten kennt. "Ich will nicht mehr so viel machen", sagt der 59-Jährige. "Aber zu Hause sitzen doch auch nicht." Tiefbau wird wieder sein Gebiet sein, wie vor seiner Zeit als Bürgermeister.
Drei Kilo habe er in seiner Amtszeit zugenommen, sagt Hartung. Das kann sich ändern, wenn er jetzt auch montags für Tischtennis Zeit hat - zumal dann, wenn er mit dieser Mini-Kelle loslegt.
Weg ist Klaus-Dieter Hartung nicht. Vielen sagt er an diesem Nachmittag: "Wir seh'n uns." Ehrenamtliches Engagement kann er sich im Kulturbereich vorstellen. Da hätte wohl seine Frau nichts dagegen, die ihn oft zu Ausstellungen begleitet hat. Auch Kommunalpolitik schließt er für sich gar nicht mal aus.