Erst im vergangenen Jahr sind nur ein paar Schritte weiter Stelen für die drei jungen Männer auf dem Berliner Mauerweg errichtet worden, den Mitinitiator Michael Cramer (Bündnis90/Die Grünen) gestern vor zehn Jahren am alten Grenzturm offiziell eröffnet hat.
Das Umfeld ist bepflanzt, es gibt ein grünes Klassenzimmer für den Unterricht im Freien, eine Feuerstelle, ein Insektenhotel, eine Ecke für Imker und Bienen, eine weitere für das Gedenken an die Maueropfer. Auch der Turm der Deutschen Waldjugend hat seinen früheren Schrecken verloren, mehr noch – eine kontrafaktische Aura ist entstanden. Der Turm und seine Gegend erklären sich nicht mehr von selbst. Es gibt immer weniger Leute, die ihn als das identifizieren können, was er mal war: ein Wachturm, von dem aus potenzielle DDR-Flüchtlinge ins Visier genommen werden konnten. Wer heute auf dem Turm steht, fühlt sich auf einer Aussichtsplattform, schaut auf die hohen alten Frohnauer Bäume, sieht davor etwas kleinere und überall grüne Umgebung.
Damit nicht in Vergessenheit gerät, wie es dort vor kaum mehr als einer Generation ausgesehen hat und was es bedeutete, hat Marian Przybilla jetzt mit Hilfe von Mitarbeitern der Beschäftigungsgesellschaft Novareg und mit einfachen Mitteln einen weiteren Gedenkort eingerichtet. Sieben hölzerne Aufsteller hat er dafür bauen lassen. Darauf sind Fotografien zu sehen, die das Umfeld vor, während und nach der Mauerzeit abbilden.
Die Fotos aus den Fünfziger-Jahren stammen von der Berliner Landesbildstelle und zeigen den Blick nach Bergfelde. Einen Zaun gab es damals auch schon. Bilder des Fotografen Bodo Kamenski aus den Sechziger-Jahren sind dabei, und weitere aus der Zeit, als die Naturfreunde Marian Przybilla und Helga Garduhn das Umfeld gerade für die Naturschutzzwecke „erobert“ hatten. Der doppelreihige Zaun mit Stacheldraht und die Laternen, die das kalte Licht auf den Grenzstreifen warfen, sind im Bildhintergrund zu erkennen.
Neu aufgerichtete, etwa drei Meter hohe originale Mauer-Zaunsegmente stellen das Größenverhältnis zwischen dem Zaun und denjenigen, die hinüber wollen, her. Die Schulklassen, die regelmäßig herkommen, können sich das dann besser vorstellen, sagt Marian Przybilla. Denn sie sollen wisssen, dass es hier mal anders war. Erwachsene auch.