Nichts ist blöder für einen Feuermann, als nach einem Alarm zum Einsatz in die Wache zu rasen, um dann in der Umkleide hocken bleiben zu müssen und Däumchen zu drehen, weil es keine Fahrer gibt, die das große Einsatzfahrzeug steuern können. „Das kommt leider bei uns vor“, sagt John Wehden. „Wir haben zu wenige Maschinisten.“ Und die würden oft arbeiten, oder seien unterwegs, wenn der Melder losgeht. Wehden: „Dadurch geht Zeit verloren. Zeit, die keiner hat, der die 112 wählt.“

Zu wenig Maschinisten

Hauptsächlich trat das Problem in Flatow auf. Die Kameraden seien dann nach Staffelde ausgewichen und hätten dort die Autos mit besetzt, weil dort ein Fahrer war. „Das war Anfang des Jahres bei einem Einsatz und Ende vergangenen Jahres so“, sagt Wehden. „Aber auch in Staffelde ist es gerade vormittags immer eng mit Maschinisten.“ Dann müssten Führungskräfte das Feuerwehrauto fahren, obwohl „die eigentlich im Einsatz andere Aufgaben haben“.
Doch die 39 Feuerwehrleute aus Staffelde, Groß-Ziethen und Flatow und ihr Chef vom Löschzug 3 der Stadt Kremmen haben sich Gedanken gemacht, wie sie die Misere lösen können. Mit im Boot ist der Förderverein der Feuerwehr, in dem auch John Wehden als Beirat mit im Vereinsvorstand sitzt.
„Wir haben gefragt, wer bereit wäre, einen Führerschein C zu machen“, sagt Wehden. Zehn Kameraden hätten die Hand gehoben. „Sie haben sich freiwillig dazu bereit erklärt, und finanzieren ihn auch aus eigener Tasche.“

Erfolgreicher Spendenaufruf des Fördervereins

Rund 2000 bis 2500 Euro kostet so ein Lkw-Führerschein. Viel Geld. Doch die Feuerwehr sucht nach Lösungen, um die Kasse etwas zu schonen. Eine Fahrschule wurde gefunden, die bei zehn Leuten Rabatt gewährt. Und auch der Förderverein hat sich etwas einfallen lassen. Ganz zeitgemäß über Facebook und ganz altmodisch über Flyer, der in den Briefkästen von Staffelde, Groß-Ziethen und Flatow landete, wurde einen Spendenaufruf gestartet. Mit mehrfachem Erfolg. Schon bald waren 2000 Euro zusammen. Was den Förderverein fast genauso freut: Die Zahl der Mitglieder stieg spontan. „Es gab eine tolle positive Resonanz“, sagt John Wehden.

Positive Nebeneffekte

Dem kann sich die Vorsitzende vom Verein, Elke Schwabe, nur anschließen. „Der Zulauf ist wirklich eine schöne Überraschung.“ Im Februar hatte der Förderverein 40 Mitglieder, jetzt sind es 50. „Es kommen sicher jetzt noch welche dazu. Ich hoffe auch, dass wir noch mehr Spenden erhalten“, sagt Elke Schwabe.
Aber nicht nur der Förderverein profitiert. Auch die Feuerwehr bekommt Unterstützung. „Diese Aktion hat uns potenzielle neue Kameradinnen und Kameraden zugeführt und zwar welche aus dem neuen Staffelder Wohngebiet am Wolfslaker Weg“, freut Löschzugführer Wehden, der gleichzeitig auch Vize-Stadtwehrführer von Kremmen ist. Ein Neu-Staffelder sei bereits dabei. Insgesamt fünf weitere haben „Kontakt zu mir aufgenommen“, so Wehden. „Das ist nicht alltäglich.“
Den Erfolg der Spendenaktion für die zehn Führerscheine führt Wehden auch auf den neuen Vorstand zurück, der seit Februar frischen Wind in den Förderverein gebracht hat. „Die Zusammenarbeit macht richtig Spaß.“ Es sei für ihn auch überraschend, dass viele Außenstehende dabei sind, die mit der Feuerwehr sonst keine Berührung hätten. Im Februar war ein komplett neuer Vorstand gewählt worden. Der alte Vorstand, der seit der Gründung 2005 im Einsatz war, trat nicht mehr an.