Diese Energie kann also auch dann noch genutzt werden, wenn die Sonne sich längst wieder hinter dicken Wolken versteckt hat oder wie nachts gar nicht scheint. Später folgte der kleinere Bruder mit sieben Metern Länge und einer Langzeitspeicherung von15 Kubikmetern für das Sechsfamilienhaus auf dem selben Grundstück.

Für Woba Oranienburg geht Traum in Erfüllung

Für Woba-Chef Bernd Jarczewski geht mit dem Vorhaben der "Sonnenhäuser" ein Traum in Erfüllung.  "Mit diesem Pilotprojekt betreten wir Neuland und gehen einen ersten wichtigen Schritt hin zur Nutzung von erneuerbarer Energie, der die Zukunft gehört", sagt Jarczewski. Dieser Herausforderung werden sich über kurz oder lang alle Bauherren stellen müssen, ist er überzeugt. Noch dürften aber die energieautarken Mehrfamilienhäuser der Woba eine Seltenheit nicht nur in Oberhavel, sondern im gesamten Bundesgebiet sein.
Gleichzeitig schränkt Jarczewski aber auch ein, dass sich der Bau von "Sonnenhäusern" nur dort rentiert, wo die Sonnenenergie besonders gut "getankt" werden kann. Gutachten hätten ergeben, dass das in der Gartenstraße 14 der Fall sei. Ein 69 Quadratmeter großes Feld von Solarkollektoren auf dem Dach des größeren Hauses wird die Wärmeversorgung der acht Wohnungen zu rund 60 Prozent garantieren. Photovoltaik-Module auf dem Dach und an der Fassade sollen zirka 70 Prozent des benötigten Strombedarfs  sicherstellen. Dafür erfolgt eine Zwischenspeicherung mit Lithium-Ionen-Akkus mit einer Kapazität von 42 Kilowattstunden. Das kleinere der beiden Häuser funktioniert nach dem gleichen technischen Konzept, es ist nur kleiner dimensioniert.
Für ein umweltfreundliches Energiekonzept ist aber auch die monolithische Bauweise mitentscheidend. Die Außenwände werden einschalig gemauert und von innen und außen verputzt. Die hohe Dämmfunktion der Ziegel macht eine zusätzliche Dämmung durch Styropor überflüssig und stellt dennoch einen reduzierten Wärmebedarf im Gebäude sicher.
Das Energiekonzept geht auf das "Sonnenhaus" zurück,  das der Freiberger Experte und Honorarprofessor Timo Leukefeld entwickelt hat. Als  "Sonnenhaus" dürfen nur solche Gebäude bezeichnet werden, bei denen mindestens die Hälfte des Wärmebedarfs für die Raumheizung und die Warmwasserbereitung solar gedeckt wird.
Wenn im Winter nicht genügend Solarenergie zur Verfügung steht, deckt eine Gasbrennwerttherme den nötigen Bedarf. Für das Haus mit acht Wohnungen liegt dem eine Berechnung mit geschätzten 15 6000 kwh Erdgas im Jahr zugrunde. Das wären Kosten von etwa 900 Euro, die auf acht Mietparteien entfielen.  Dank des hohen Solarenergieanteils seien langfristig niedrige Energiekosten zu erwarten. "Das ermöglicht uns, eine planbare und stabile Pauschalmiete, inklusive einer Energieflatrate,  anzubieten", sagt Woba-Geschäftsführer Bernd Jarczewski.
"Die 14 künftigen Mietparteien in unseren Sonnenhäusern brauchen keine Angst vor den Nebenkosten und den aller Wahrscheinlichkeit nach steigenden fossilen Energiekosten zu haben", sagt der Woba-Chef. Als Extra wird es für die Mieter auch noch Ladepunkte für Elektroautos auf dem Gelände geben. "Die Sonne macht es möglich", so Jarczewski.
Rund vier Millionen Euro investiert die Woba in ihre zwei Sonnenhäuser. Die moderne Energietechnik hat natürlich auch ihren Preis, was zu voraussichtlichen Mehrkosten von 1,50 bis
2,50 Euro pro Quadratmeter führt. Bernd Jarczewski war am Mittwoch jedenfalls erleichtert, dass die beiden Speicher aus der Schweiz trotz der aktuellen Coronakrise angeliefert und in die im Bau befindlichen Häuser gesetzt werden konnten. Den größeren Wärmespeicher taufte er auf den Namen "Wobbi 1". Die Bauarbeiten können jetzt fortgesetzt werden. Eine größere Speichertaufe war geplant, sie fiel jedoch Corona zum Opfer.