Lebensmittel in den Müll zu werfen gehört nahezu in jedem Haushalt zum traurigen Alltag. Eine Alternative dazu wird ab Sonntag in Birkenwerder ausprobiert.

Kostenlose Entnahme

Lena Doil eröffnet mit ihren Mitstreitenden einen Lebensmittelschrank, aus dem jeder sich kostenlos bedienen kann. Ebenso können dort Lebensmittel wie Backwaren, Marmeladen, Konserven, Obst und Gemüse, die selber nicht mehr verbraucht werden, deponiert werden. Als grobe Faustregel gilt, dass alles, was man selber noch essen würde, gespendet werden kann.

Alkohol und gesammelte Pilze sind verboten

„Es soll ein Geben und Nehmen sein“, sagt die 29-jährige Initiatorin, die sich ehrenamtlich auf der Plattform Foodsharing.de engagiert. Schnell verderbliche Waren wie Fleisch, Fisch, Milch oder Joghurt sowie selbst gesammelte Pilze sind nicht geeignet. Alkohol und Energie­drinks sind verboten. Das Haltbarkeitsdatum der Spenden darf überschritten sein, solange der Konsum noch ohne Bedenken möglich ist. Das Verbrauchsdatum, das auf einigen Lebensmitteln angegeben ist, muss gültig sein.

Täglich geöffnet

Der Schrank, der keine Kühlfunktion hat, steht wettergeschützt am Eingang der evangelischen Kirche, die das Projekt unterstützt, und ist täglich von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Lena Doil und ihre Helfer kommen täglich vorbei und kontrollieren den Schrank. Zunächst ist eine vierwöchige Testphase geplant. „Dann ziehen wir Bilanz und überlegen, ob und wie es weitergeht“, sagt Lena Doil.
Ihr Ziel ist es, Lebensmittel vor dem Mülleimer zu retten. „Zu sehen, was im Überfluss produziert und am Ende achtlos weggeworfen wird, macht mich traurig“, so die Marketing-Expertin. Sie ist seit zwei Jahren als Lebensmittelretterin in Berlin und Oberhavel unterwegs. Anfangs hat sie die Lebensmittel an Freunde, Bekannte und in der Nachbarschaft verteilt. Inzwischen stehen bei ihr zwei gefüllte Kühlschränke im Keller und einer in der Küche. Als in Birkenwerder die Gruppe der „Foodsaver“, so nennen sich die Lebensmittelretter, auf acht anwuchs, entstand die Idee eines Lebensmittelschranks.

Kirche unterstützt Projekt

In ihrer Kirchengemeinde stieß sie mit ihrer Idee auf Zustimmung. Diesen Sonntag wird der Lebensmittelschrank im Rahmen des Erntedankfestes offiziell eröffnet. Der Gottesdienst beginnt um 14 Uhr. Wer daran teilnehmen möchte, muss sich wegen der Corona-Einschränkungen anmelden (03303 401355, Mail: oeffentlichkeitsarbeit@kirche-birkenwerder.de).

Verschwendung soll reduziert werden

Wer das Projekt über Spenden hinaus unterstützen möchte, kann mit den Initiatoren Kontakt aufnehmen und seine Kontaktdaten im Schrank hinterlegen. Lena Doil hofft, dass der Schrank in Birkenwerder dazu beitragen kann, die Lebensmittelverschwendung in der Region zu reduzieren, und nicht als günstige Entsorgungsmöglichkeit missbraucht wird. Sie glaubt, dass ihr Projekt erfolgreich sein kann, weil immer mehr Menschen respektvoll mit Lebensmitteln umgehen würden. „Das Bewusstsein für mehr Nachhaltigkeit und gegen Verpackungswahn liegt im Trend“, sagt sie.

„Fairteiler“ sauberhalten

Die Vorbereitungen und notwendigen Utensilien haben die „Foodsaver“ übrigens komplett aus eigener Tasche finanziert. Lena Doil hat den Schrank bei eBay gefunden. Er wurde verschenkt. Plastikkisten, Mülleimer, Handfeger, Schippe und andere Kleinigkeiten hat sie selber bezahlt sowie die Informationsflyer zu Hause ausgedruckt. Nutzer werden gebeten, den „Fairteiler“, so wird der Schrank auch genannt, sowie den Eingangsbereich in Ordnung zu halten. Handfeger und Kehrblech sowie ein Mülleimer stehen bereit.