Obwohl die Stadt die Zahl der überdachten Abstellmöglichkeiten unmittelbar am Bahnhof vor drei Jahren deutlich aufgestockt hat, reichen die Stellplätze für Fahrräder noch immer längst nicht aus. Die neu geschaffenen Stellplätze auf dem Runge-Campus konnten das Problem ebenfalls nicht entschärfen.
Insgesamt stehen Radlern in der Innenstadt rund 2200 Stellplätze zur Verfügung, etwa genauso viele gibt es derzeit für Pkw. Doch am Bahnhof liegt die Nachfrage bei weitem über dem Angebot– selbst im Winter, wenn viele ihr Zweirad lieber im Keller stehen lassen.
Die SPD/Grüne-Fraktion hatte bereits auf ihrer jüngsten Klausurtagung gefordert, die Zahl der Stellplätze für Radler am Bahnhof aufzustocken. Zahlreiche Städte in Deutschland kämpfen mit der Frage: Wohin mit den Fahrrädern? Dass die Leute, zumal in den Innenstädten, das Auto stehen lassen und besser aufs Rad umsteigen sollen, wird aus Gründen des Umweltschutzes allgemein begrüßt. Auch die Bahn profitiert davon, denn viele ihrer Pendler fahren mit dem Fahrrad zum Zug.
In der Baden-Württembergische Kleinstadt Mecken-beuren gibt es seit einem guten Jahr den „Biketower“. In den 14 Meter hohen Turm können 72 Räder aller Art vollautomatisch eingeparkt werden. Pedelecs lassen sich dort während der Parkdauer bequem mit Solarstrom „auftanken“.
Mit 1333 Stellplätzen auf zwei Etagen ist der Radspeicher neben dem Bahnhof Lüneburg erheblich größer, und dennoch schon längst wieder zu klein. Dort entsteht derzeit ein zweites Fahrradparkhaus mit 800 weiteren Plätzen. Diese sollen im Gegensatz zum Radspeicher – die Tageskarte kostet 80Cent, die Jahreskarte 70Euro – kostenlos sein. Die Investitionskosten von 1,6 Millionen Euro teilen sich das Land Niedersachsen sowie Stadt und Landkreis Lüneburg.
1,7Millionen Euro haben das Land Brandenburg und die Stadt Bernau locker gemacht, um Brandenburgs erstes Fahrradparkhaus unmittelbar am Bahnhof Bernau zu errichten. Spätestens Anfang kommenden Jahres sollen dort auf drei Etagen 600 Räder sicher und geordnet abgestellt werden können.
„Wir brauchen auch ein Fahrradparkhaus in Oranienburg und wollen das zweite in Brandenburg“, sagt Heiner Klemp, der stellvertretende Vorsitzende der SPD/Grüne-Fraktion. „Die Abstellsituation am Oranienburger Bahnhof ist alles andere als zufriedenstellend. Hier sollte im Sinne der vielen Pendler, die derzeit die S-Bahn und nach der Bahnhofssperrung auch wieder die Regionalbahn nutzen, rasch gehandelt werden“, meint Klemp.
„Von heute auf morgen werden wir dort keine Abhilfe schaffen können“, sagt Baustadtrat Frank Oltersdorf (SPD) und verweist auf den nur sehr begrenzt zur Verfügung stehenden Platz. „Das Problem fehlender Fahrradstellplätze haben wir aber erkannt und werden es in die Überlegungen für die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes mit einbeziehen“, versichert er. Im Rahmen der Stadtsanierung sollen die Planungen im kommenden Jahr beginnen und dabei auch die Anbindung der Busse an die Bahn nachhaltig verbessern.
Ganz neue Möglichkeiten würden sich freilich ergeben, wenn das Bahngelände an der Ladestraße, das derzeit nach Bomben abgesucht wird, mit in diese Planungen einbezogen werden könnte. Das würde allerdings voraussetzen, dass der Bahnhofstunnel in Richtung Neustadt verlängert werden müsste. Dies hat die Deutsche Bahn bisher abgelehnt. „Wir bleiben hier aber am Ball und werden dieses Thema bei weiteren Gesprächen mit dem Bahnkonzern erneut zur Sprache bringen“, sagt Baustadtrat Frank Oltersdorf.