Die Nachrichten platzen mitten in die Diskussionen um rechte Umtriebe in brandenburgischen Feuerwehren. Im August war in der Landesfeuerwehrschule in Eisenhüttenstadt am Rande eines Lehrganges "Sieg Heil" gerufen und rechtsextreme Musik gespielt worden.
Oberhavels Kreisbrandmeister Frank Kliem nimmt die Brandschützer im Landkreis gegen Pauschalverdacht in Schutz. "Die ganz überwiegende Mehrheit der über 3 000 Feuerwehrleute ist offen und tolerant." Die mit den Flüchtlingen verbundenen "derzeitigen Aufgaben" würden viele nicht als Probleme ansehen, sondern als "Chance in vielerlei Hinsicht". Feuerwehren im Kreis hätten ihre Unterstützung bei der Flüchtlingshilfe angeboten. Man werde heute zudem die von der evangelischen Kirche organisierte Gegenkundgebung in Velten unterstützen. "Wir wollen zeigen, dass wir eine andere Meinung haben als ein einzelner oder einige wenige Feuerwehrangehörige", so Kliem. Er appelliert an die Brandbekämpfer, die Themen zu diskutieren. "Wenn die Masse stark genug ist, sich offen und ehrlich zu äußern, ist es möglich, gerade junge Menschen von demokratischen Grundwerten zu überzeugen."
Den Fall in Marwitz verfolge die Kreisfeuerwehr sehr genau. Dienstrechtliche Konsequenzen muss Maik N. allerdings nicht fürchten. Kliem: "Staatsanwaltschaftliche Ermittlungen allein bilden keinen Grund für Disziplinarmaßnahmen, ebenso wie das Verteilen von Flyern beziehungsweise das Anmelden einer Demonstration als Privatperson." Innerhalb der Marwitzer Wehr habe sich Maik N. bislang nicht parteipolitisch betätigt. "Soweit uns bekannt ist, nimmt der betreffende Feuerwehrangehörige aufgrund seiner beruflichen Tätigkeit relativ selten am Einsatzgeschehen teilt.
Ein bedauerlicher Einzelfall also? Kliem sagt, man habe zwar immer wieder mal, aber relativ selten mit dem Thema zu tun. Der NPD-Kreisverband freut sich auf seiner Facebook-Seite dagegen "über die Heimatliebe vieler Kameraden" und weiß angeblich auch "um diese in diversen Wehren der Region". Als Ende vergangener Woche erstmals über den rechtsradikalen Hintergrund des Feuerwehrmannes berichtet wurde, hagelte es im Internet Kritik - allerdings weniger am Engagement von Maik N., sondern vor allem an den Medien, die es öffentlich machten. Von einer "regelrechten Hetzjagd" gegen eine Person, die "einer nicht verbotenen Partei" beisteht, war unter anderem die Rede. Mittenmang der Oranienburger Vize-Stadtbrandmeister und SPD-Stadtverordnete Jens Pamperin, welcher der Presse vorwarf, die ohnehin schon schwierige Nachwuchsrekrutierung der Wehren zusätzlich zu erschweren. Auf Nachfrage unserer Zeitung, ob ihm nur die Art der Berichterstattung nicht gefallen habe oder er rechtsradikales Engagement von Feuerwehrleuten tatsächlich für unproblematisch halte, teilte Pamperin mit: "Solange niemand gegen das Gesetz verstößt, stört es mich nicht.Wir sind leider auf fast jeden angewiesen, was nicht heißt, dass wir jeden nehmen. Aber wenn jemand der Meinung ist, er muss die Abendspaziergänge besuchen, so ist er noch lange nicht rechts." Derlei Engagement im Namen der Feuerwehr könne er allerdings nicht dulden. Sollte jemand aus den eigenen Reihen einen Abendspaziergang anmelden, würde er ihn zur Rede stellen. In Oranienburg seien ihm rechtsradikale Brandschützer allerdings nicht bekannt.
Der Sprecher der Initiative "Willkommen in Oberkrämer", Leegebruch, Velten (WOLV) und Bürgermeisterkandidat in Oberkrämer, Jörg Ditt (Bündnisgrüne), fordert von der Marwitzer Feuerwehr, "sich ganz klar von solchen Aktivitäten zu distanzieren, sich zu positionieren und ein Zeichen für Integration zu setzen. Politisches Engagement ist grundsätzlich positiv zu sehen. Solches nicht". Die WOLV-Initiative biete der Marwitzer Feuerwehr Gespräche an, um gemeinsam ein Zeichen für Demokratie und Toleranz zu setzen. Es gehe darum, einen Gegenpol zu den Aktivitäten Einzelner zu setzen.
Die Marwitzer Feuerwehr selbst will sich nicht zur Sache äußern und verweist auf die Gemeindeverwaltung als Trägerin des Brandschutzes. Der Oberkrämer Bürgermeister Peter Leys (BfO) erklärte, dass N. weder eine Führungsposition inne, noch mit der Jugendfeuerwehr zu tun habe. "Aus unserer Sicht gibt es keinen Grund zur Besorgnis, die Marwitzer Wehr könnte von rechts unterwandert werden oder ist es sogar schon. Trotzdem werden wir die Sache in Marwitz genau beobachten und gegebenenfalls unverzüglich handeln", so Leys. Wie Kreisbrandmeister Kliem und auch Jörg Ditt sieht er keine disziplinarische Handhabe gegen Maik N. Die Anmeldung des Abendspaziergangs und die Nähe zur NPD seien nicht strafbar. Leys: "Diese Partei ist ja leider noch nicht verboten."