Eine Playmobil-Familie unternimmt eine Urlaubsreise nach England. Das vollgeladene Auto fährt durch eine aus buntem Tonpapier gebastelte Landschaft. Wie bei einem uralten Zeichentrick-Film sieht man deutlich die Übergänge zwischen den einzelnen Bildern. Für das nur wenige Minuten lange Video haben die Schüler etwa 500 einzelne Bilder mit dem Tablet-Computer aufgenommen und dann mithilfe einer App zusammengefügt. Die Geschwindigkeit der Bildwechsel ließ sich dabei beliebig variieren. "Den Film anschließend mit Geräuschen, Musik und Sprache zu vertonen, war eine Herausforderung", berichtet Klassenlehrer Daniel Schumacher. "Man muss das Sprechtempo an die Bilder anpassen. Also entweder hat man zu schnell gesprochen oder der Bildwechsel dauerte zu lange und der Film wirkte abgehackt", beschreibt es Gina Stache. Mit ihren eigenen Stimmen haben die Jugendlichen ihre Playmobil-Figuren synchronisiert. "Sich selbst zu hören, war anfangs sehr komisch. Wir haben dann häufig die Sprachsequenzen gelöscht und nochmal neu aufgenommen", berichtet Adriana Günes. "Zum Glück gab es in jeder Gruppe mindestens einen, der gerne gesprochen hat."
Anfängliche Skepsis sei schnell der Begeisterung gewichen. "Erst dachte ich, sowas brauchen wir nicht. Aber dann hat es doch Spaß gemacht und unsere Lehrer haben uns geholfen", erzählt die 14-Jährige. Über ein Youtube-Video ist Daniel Schumacher, der Deutsch, Geschichte und LER unterrichtet, auf die Idee für das Filmprojekt gekommen und hat es selbst ausprobiert. Zusammen mit seiner Kollegin Mireen Roll hat er beide neunte Klassen beim Erstellen der Filme betreut. "Mit dieser Stop-Motion-Technik hatte ich zuvor noch nie zu tun. Das war echt eine tolle Idee", sagt Mireen Roll. In kleinen Gruppen von vier bis fünf Schülern sind so zehn Filme entstanden. Zwar konnten die Schüler bei der Umsetzung ihrer Kreativität freien Lauf lassen, aber ihr Thema musste zu einem Unterrichtsfach passen. So gehörte das Thema Wiedervereinigung – musikalisch untermalt von David Hasselhoffs "I‘ve been looking for Freedom" – zum Fach Geschichte, der Roadtrip zu Englisch oder das EM-Finale zu Sport. Der Film "Verbotene Liebe" thematisiert eine Beziehung zwischen einer Deutschen und einem Türken und die Vorurteile, auf die sie stoßen. "Das gehört zum Fach LER", erklärt Daniel Schumacher. Als Teilnehmer des Medienfit-Programms des Bildungsministeriums verteilt die Schule für das Projekt sowohl Noten für die Medienkompetenz als auch für das jeweilige Schulfach. Was passiert nun mit den Filmen? "Wir überlegen, angelehnt an die Oscarverleihung, die Filme den siebenten und achten Klassen vorzuführen und die besten drei zu prämieren", sagt Schumacher. Als Preis könnte dann ein Ausflug in den Filmpark Babelsberg winken.

Medienbildung an Schulen


Die Goethe-Oberschule Kremmen ist eine von 50 weiterführenden Schulen in Brandenburg, die 2018 das Programm "Medienfit" gestartet haben, welches vom Landesministerium für Bildung, Jugend und Sport gefördert wird.

Ziele sind die Verbesserung der technischen Ausstattung und der Umgang mit digitalen Medien. Dafür stehen insgesamt 2 Millionen Euro zur Verfügung.

Die Schulleitungen und Lehrer werden zwei Jahre lang professionell beraten und begleitet.

Die Ergebnisse aus den verschiedenen Medienfit-Programmen sind darüber hinaus eine wichtige Grundlage für den Digitalpakt Schule 2019-2024 im Land Brandenburg. wol