Von März bis September 2018 hatte die ehemalige Bundeswehrsoldatin in einer damals in Schwante ansässigen Firma das Vertrauensverhältnis zu ihrem Chef ausgenutzt, um Firmengelder auf ihr eigenes und in zwei Fällen auf das Konto ihrer damaligen Lebensgefährtin zu überweisen. Sie verschleierte ihre Tat mittels Sammelüberweisungen. Diese musste der gutgläubige Geschäftsführer zwar mittels TAN bestätigen. Wie er im Zeugenstand am Montag sagte, fasste er aber so viel Vertrauen in seine Mitarbeiterin, dass er deren Zahlungseinträge selten kontrollierte. "Sie war dabei ziemlich fleißig", sagte die Richterin. Teilweise 30 bis 40 Rechnungen habe sie erfunden und ins System eingebucht. Die Beträge, die am Ende auf ihrem Konto landeten, lagen zwischen 2 500 und mehr als 30 000 Euro. Sie schaffte sich damit eine dauerhafte Einnahmequelle.
Das Geld floss laut der Angeklagten in den Hausbau und die Auslösung von Krediten. Am Ende kamen so in einem halben Jahr 318 000 Euro zusammen. "Der große Aufwand würde erklären, warum sie zu ihrer eigentlich Arbeit nicht kam und Lohnauszahlungen ausblieben", so Grit Burzer. Die schludrige Arbeit führte schließlich zu ihrer Entlassung. Der Geschäftsführer habe keine Mitschuld. Damit widersprach die Richterin dem Plädoyer der Verteidigung. Der Rechtsanwalt der Angeklagten sprach davon, dass es in der Firma keinerlei Sicherheitsvorkehrungen gegeben habe. Das habe es seiner Mandantin "sehr leicht gemacht". Die Staatsanwaltschaft wies das von sich: Es handele sich um ein Familienunternehmen. "Dort ist man darauf angewiesen, den Mitarbeitern zu vertrauen und sie nicht minutiös zu überwachen", so die Staatsanwältin. Genau dieses Vertrauen habe die Buchhalterin zu ihrem eigenen Vorteil ausgenutzt. Von Reue habe sie wenig gemerkt. Selbst im Arbeitsgericht – dort kam es zu einem Vergleich – habe sie noch ihren ehemaligen Chef beschuldigt, sie zu der Tat animiert zu haben.
Die Veltenerin sei zwar keine Kriminelle, so die Staatsanwältin. Aber hinter dem Betrug stecke eine "hohe kriminelle Energie". Diese Worte wiederholte die Richterin in ihrer Urteilsbegründung. Die zwei Jahre auf Bewährung seien deshalb "gerade noch angemessen". Die Bewährung erklärte sie mit dem Verweis auf die zwei minderjährigen Kinder der Frau. Zudem sei die 36-Jährige selbst bisher strafrechtlich nicht Erscheinung getreten.
Richterin Grit Burzer bezweifelte aber, ob weiterhin Geld von der Verurteilten an die von ihr betrogene Firma fließen werde. Bisher wurden von ihr und ihrer damaligen Freundin rund 57 000 Euro abgezahlt. Seitdem überweist die momentan arbeitssuchende Frau 100 Euro im Monat an ihren einstigen Arbeitgeber. Richterin Burzer sprach von einem symbolischen Betrag. "Ob dieser nach dem Prozess weiter gezahlt wird, steht in den Sternen", zeigte sie sich wenig optimistisch. Gegen das Urteil kann Revision eingelegt werden, die Kosten des Verfahrens trägt die Steuerfachangestellte.