Schluß reagiert auf den von der Stadt geplanten Ideenwettbewerb für den sogenannten Fischerkiez. Der Wettbewerb war zwar bereits zum zweiten Mal von den Stadtverordneten verschoben worden, doch besteht grundsätzlich bei einigen Abgeordneten der Wunsch zu einer Umgestaltung. Die CDU-Fraktion spricht beispielsweise von einer "Flaniermeile mit Geschäften und Cafés".
Der Bauausschuss hatte den von der Stadtverwaltung vorgelegten Beschlussantrag für den Ideenwettbewerb am 13. November verworfen, um dem Ansinnen des Architekten und sachkundigen Einwohners Malte Reimer zu folgen und für den Ideenwettbewerb beide Seiten der Havel einzubeziehen – also auch die Brachflächen gegenüber des Schlosses.
Historisch belegt
Nicht berücksichtigt wird bislang, dass es sich bei den Gärten am Fischerweg um stadtbildprägende historische Einrichtungen handele, begründet Schluß und führt den historischen Stich von Daniel Petzold aus dem Jahr 1711 an. Darauf sind die Gärten hinter dem Fischerplatz gut zu erkennen. Weil Oranienburg leider über wenige historisch erhaltene Orte verfüge – auch der alte Speicher sei ja akut bedroht – sollten die Gärten unbedingt erhalten bleiben. Dafür, so Schluß, gebe es auch einen sehr aktuellen Grund: Den Klimaschutz und das Stadtklima, das an heißen Sommertagen durch Gärten abgekühlt werde. "Andere Städte bemühen sich um die Ansiedlung von Gartenprojekten, in Oranienburg sollen innerstädtische Gartenflächen  zu bebauten Filetgrundstücken an der Havel werden", kritisiert Schluß die Pläne der Verwaltung.
Aber selbst der Antrag von SPD und Grünen zur Anerkennung der Ziele des Weltklimarats durch die Stadt Oranienburg fand am Montagabend im Hauptausschuss keine Mehrheit. Beide Fraktionen wollten erreichen, dass künftig alle Entscheidungen der Stadtverordneten bezüglich ihrer Auswirkungen auf CO²-Emissionen sowie die Vereinbarkeit mit dem Klima- und Lärmschutz geprüft werden. Außerdem wollen sie einen Ausschuss "Nachhaltigkeit" etablieren.
In der Stadtverwaltung kommt die Initiative zum Erhalt der Gärten nicht so gut an. "Wir wollen in einem Wettbewerb mit großer Bürgerbeteiligung klären, wie sich der Fischerkiez entwickeln kann. Einfach zu sagen, alles soll so bleiben, wie es ist, halte ich für wenig überzeugend", sagt Stadtsprecher Gilbert Collé. Ein barocker Stadtplan sei als Argument wenig dienlich. Darauf gebe es ja auch keine Radwege, so Collé.

Bürger gärtnern mit

Entlang des Fischerwegs befinden sich Gartenparzellen. An der Havelseite sind die Kleingärtner in einem Verein organisiert. Auf der Ostseite des Wegs verpachtet die Stadt die Flächen kurzfristig, um sie einer späteren Bebauung schnell zuführen zu können.

Stadtsprecher Gilbert Collé sagt, dass die innerstädtischen Flächen jetzt "wenigen Privilegierten" vorbehalten seien.

Der Bürgergarten Oranienburg, in dem derzeit 30 Personen und Gruppen mitgärtnern, liegt ebenfalls in diesem Bereich. Betrieben wird das Projekt bis zum Jahresende vom Evangelischen Bildungswerk. Ein neuer Träger wird noch gesucht. Collé hält deshalb die Online-Petition von Henning Schluß, der den Bürgergarten über das Bildungswerk mitinitiiert hatte, für einen "Marketingtrick". kd