1400 Kilometer sind Lydia und Daniel Richter aus Birkenwerder Anfang der Woche gefahren, um Spenden in das westdeutsche Hochwasser-Katastrophengebiet zu bringen. „Es war anstrengend, aber gut“, bilanziert Lydia Richter die 18-stündigen Tour. Sie hatte eine private Spendenaktion in Birkenwerder initiiert.

Zahlreiche Spenden

Die 44-Jährige hatte kurz nach der Katastrophe über „Facebook“ zu privaten Spenden aufgerufen. Aus vielen Orten in Oberhavel trafen schnell die Spenden in Birkenwerder ein: Hygieneartikel, Kleidung, Tiernahrung und Kuscheltiere füllten innerhalb weniger Tage den Lagerplatz der Richters, die einfach und unkompliziert helfen wollten. Am Ende waren zwei Transporter bis zum Rand gefüllt. Sogar der Beifahrersitz wurde als Stauraum genutzt.
Lydia Richter und ihr Mann Daniel aus Birkenwerder haben Anfang der Woche privaten Spenden, die sie gesammelt haben, in den Ort Hellenthal in der Eifel gebracht.
Lydia Richter und ihr Mann Daniel aus Birkenwerder haben Anfang der Woche privaten Spenden, die sie gesammelt haben, in den Ort Hellenthal in der Eifel gebracht.
© Foto: Jürgen Liebezeit

Komplizierte Aktion

Dass die Sache doch komplizierter wurde, als anfangs gedacht, schreckte sie nicht ab. Denn in den Hochwassergebieten werden aus logistischen Gründen keine privaten Spenden mehr angenommen. Lydia Richter meldete sich in mehreren Gruppen zum Thema Hochwasserhilfe an und schilderte ihr Vorhaben. Tatsächlich meldete sich eine Familie aus Hellenthal in der Eifel. Sie bot an, die Spenden in der Gemeinde an bedürftige zu verteilen.

Acht Stunden Anfahrt

Erleichtert machte sich das Ehepaar am Montagmittag mit zwei Fahrzeugen auf den Weg. Ein Auto stellte ihr Chef Andreas Heinze vom Restaurant Boddensee zur Verfügung, das andere kam vom Schwager. „Da war der Anlasser defekt, aber es hat doch alles gut geklappt“, so Lydia Richter. Nach achtstündiger Fahrt war das Duo in Hellentahl und wurde herzlich begrüßt.
Vor Ort übernimmt diese Familie die Lagerung und Verteilung der Spenden aus Birkenwerder.
Vor Ort übernimmt diese Familie die Lagerung und Verteilung der Spenden aus Birkenwerder.
© Foto: Daniel Richter

Erdrückende Bilder

Unterwegs musste das Ehepaar aus Birkenwerder aber schon erdrückende Bilder verarbeiten. „Überall waren riesige Krater, die Bahngleise lagen voll Geröll, Straßen waren zerstört und an den Fahrbahnrändern türmte sich der Sperrmüll“, berichtet die 44-Jährige. „Viele Familien stehen vor dem Nichts und brauchen dringend Hilfe.“

Oberhavel

Landwirte im Dauereinsatz

Auch in Hellenthal funktioniere die Rettungskette noch nicht richtig, war ihr Eindruck nach Gesprächen mit Betroffenen. „Die Leute sind völlig auf sich allein gestellt und müssen sich selber versorgen.“ Einsatzkräfte vom Technischen Hilfewerk, von der Feuerwehr oder der Bundeswehr habe sie nicht gesehen. Dafür seien die örtlichen Landwirte mit ihren Maschinen quasi rund um die Uhr im Einsatz gewesen.
Nicht mehr passierbar: eine Straßen in Hellenthal
Nicht mehr passierbar: eine Straßen in Hellenthal
© Foto: Daniel Richter

Tragische Geschichten

Daniel und Lydia Richter mussten auch tragische Geschichten hören. So seien im Nachbarort zwei Kinderleichen aus einer Baumkrone geboren worden. In Hellenthal sei ein gehbehinderter Einwohner ums Leben gekommen.
Randvoll waren die Transporter aus Birkenwerder.
Randvoll waren die Transporter aus Birkenwerder.
© Foto: Daniel Richter

Verteilung vor Ort

Kurz nach der Ankunft in Hellenthal wurden die beiden Transporter aus Birkenwerder ausgeräumt. Die Familie brachte die zahlreichen Spenden in ihrer Garage unter. „Die werden jetzt weiterverteilt. Die Ortsansässigen wissen am besten, wer etwas braucht. Viele melden sich aus Scham gar nicht, wenn etwas fehlt. Sie wollen anderen nicht zur Last fallen“, zeigte sich Lydia Richter zufrieden mit der organisatorischen Abwicklung vor Ort.
Nach einer kurzen Kaffeepause ging es dann wieder zurück nach Birkenwerder, wo das Ehepaar am Dienstagmorgen kurz nach 5 Uhr ankam.

Ein Herz für Tiere

„Ich werde es wieder machen“, kündigte sich nach der Spendentour an. Für die 44-Jährige war es nicht die erste Hilfeaktion. In der Vergangenheit hat sich schon für Tierorganisationen in Mazedonien, in der Türkei und in Rumänien Spenden gesammelt. „Leider wird nur gespendet, wenn etwas passiert ist. Dabei sind viele Organisationen auf regelmäßige Unterstützung angewiesen“, so Lydia Richter.
Für die Spenden aus Brandenburg wurde ein Konto eingerichtet: Landkreis Märkisch-Oderland, IBAN: DE39 1705 4040 0020 0662 95, Stichwort: Spenden Hochwasserhilfe 2021
Wie Brandenburg den Unwetter-Opfern hilft, lesen Sie auf einer Themenseite.