Wenn sich verdiente Gemeindevertreter aus der Kommunalpolitik verabschieden, denkt man vielleicht an einen freundlich-bestimmten Händedruck. An wohlmeinende Worte und einen bunten Blumenstrauß, der überreicht wird. Werner Haberkern jedoch wäre ein solches Brimborium eher unangenehm, wie er sagt. Da erschien es nur konsequent, dass er seiner letzten Gemeindevertreterversammlung vor dem heimischen Computerbildschirm aus beiwohnte.
So fand mit dem Sitzungsjahr der Gemeindevertreterversammlung Mühlenbecker Land auch eine kommunalpolitische Laufbahn ihr Ende, die drei Jahrzehnte umfasste. Mit einem Leben ohne Mandat scheint sich Werner Haberkern wenige Tage später bereits arrangiert zu haben. Wer ihn in seinem Haus am Rande von Feldbach besucht, findet jedenfalls einen entspannten 73-Jährigen vor, der von seinen sieben Enkeln schwärmt und sich auf mehr Zeit mit der Familie freut.

„Ich bin ja nicht raus“

„Und überhaupt“, meint er. „Ich bin ja nicht raus.“ Er könne sich ja auch als Bürger weiter beteiligten. Das Bedürfnis, sich einzubringen und zu gestalten, habe er schließlich immer schon gehabt. Sich innerhalb der SED-Strukturen politisch zu engagieren, kam für den studierten Maschinenbauer allerdings nicht infrage. Überhaupt sei sein Verhältnis zur DDR als bekennender Christ von einer kritischen Distanz geprägt gewesen, wie er erzählt.
Doch ob es nun eine Eingabe war, die er verfasste, nachdem in der Schule seines Sohnes eines nachts der Putz von der Decke krachte. Oder sein Mitwirken in einer lokalen Umweltgruppe, die nicht hinnehmen wollte, dass Mühlenbecker Schweinebetriebe als übel riechende Resterampe für verkochte Essensreste aus Berliner Kantinen dienten. Missstände im Ort einfach ignorieren, das wollte er dann auch nicht.

Eintritt in die Kommunalpolitik in Zuge der Wende

Vor der Übernahme des ersten politischen Mandats musste allerdings erst die Mauer fallen. Der damals 43-Jährige wirkte im Bürgerkomitee mit und wurde 1990 zum Gemeindevertreter für den neuen Amtsbereich Mühlenbeck gewählt, wo er auch als stellvertretender Bürgermeister fungierte. Wider Erwarten, so sagt er, zog er zugleich in den Kreistag ein.
Vieles sei damals Neuland gewesen, erzählt der gebürtige Thüringer mit ausladenden Gesten und nostalgischer Freude. „Wir mussten uns alles anlesen und die Informationen erst einmal selbst heranholen“, erinnert er sich an den Aufbau der Verwaltung im neuen Amtsbereich Mühlenbeck. Das hinderte ihn jedoch nicht daran, erste Projekte in seiner Gemeinde umzusetzen. Darunter auch die Ansiedlung des Berufsförderungswerks in Mühlenbeck. „Mein größter politischer Erfolg“, wie er 30 Jahre später noch sagt. Dicht gefolgt von der ebenfalls in dieser Phase vollzogenen Gründung des Fördervereins für die Mönchsmühle. „Und wenn wir nur die Ruine verwalten“, habe er sich damals gedacht. „Sie ist immerhin der Namensgeber für unseren Ort.“

Politik für die Bürger, nicht für Parteiprogramme

Aus der Bürgerbewegung kommend, habe er sich als Kommunalpolitiker stets mehr den Bürgern als einem Parteiprogramm verpflichtet gefühlt, betont Werner Haberkern. Tatsächlich saß er, bevor er sich zur Kommunalwahl 2008 der damals neu gegründeten Vereinigung der „Freien Wähler“ anschloss, bereits für die Fraktion „Grün und frei“ in der Gemeindevertreterversammlung. 2003 trat er als Bürgermeister-Kandidat der SPD an, musste sich in der Stichwahl jedoch gegen Klaus Brietzke (CDU) geschlagen geben. Eine seiner größten politischen Niederlagen, wie der Ingenieur bekennt: „Ich habe viele Pläne gehabt.“ Vereinzelt habe er sich wohl durchsetzen können, dennoch bezeichnet er die Zeit als schwierig und nervenaufreibend.

Herzensprojekt Heidekrautbahn

Im Rückblick sei er dennoch zufrieden über das, was er erreichen konnte, bilanziert Werner Haberkern. „Wir haben viel auf den Weg gebracht.“ Hierzu zählt er nicht zuletzt die Reaktivierung der Heidekrautbahn-Stammstrecke, für die er in der Gemeindevertreterversammlung dem zuständigen Ausschuss vorstand. „Das war wirklich ein Herzensprojekt von mir“, sagt er stolz. „Jetzt sollen aber mal die Jüngeren ran.“

Berlin, Mühlenbecker Land, Barnim, Oberhavel

Nachfolger stehen bereits fest

Die Entscheidung, sein Mandat während der laufenden Legislaturperiode zurückzugeben, begründet Haberkern mit einem „ruhigen und sauberen Übergang“. Seine Fraktion, die Freien Wähler, soll nicht erst im Vorfeld der nächsten Kommunalwahl Neubesetzungen klären müssen. Tatsächlich sind die Lücken bereits gefüllt. Neuer Fraktionsvorsitzender wird Claus Schwartzer. Und die Mühlenbecker Rechtsanwältin Astrid Koch rückt als Gemeindevertreterin nach.
Seine, nun ehemaligen, Fraktionskollegen bestanden am selben Abend auch auf einer ordentlichen Verabschiedung. Ganz um das mit wohlmeinenden Worte sicher nicht arme „Brimborium“, wie Werner Haberkern es nennt, dürfte der langjährige Kommunalpolitiker also doch nicht herumgekommen sein. Vielleicht wurde ihm immerhin der Blumenstrauß erspart.