Nassar passt perfekt ins Anforderungsprofil des FSV. Und das "nicht nur, weil er schon höherklassig gespielt hat", sagt Sandig, der mit dem Abbruch der vergangenen Saison auch seinen Abschied von der Trainerbank bekanntgab. Der neue Coach verfüge trotz seiner jungen Jahre über reichlich Erfahrung und wisse, wie die heutige Spielergeneration ticke.
Aus Spaß wurde Ernst
Die Chance, in Germendorf anheuern zu dürfen, bezeichnet Deion Nassar als "mega. Als klar wurde, dass es tatsächlich etwas wird, dass ich eine solch ambitionierte Männermannschaft betreuen kann, war meine Freude riesig." Trotzdem holte er sich noch einmal Zweitmeinungen ein. Er habe mit Vater André und Hans Oertwig, aktuell Trainer beim SV Altlüdersdorf, über die neue Aufgabe gesprochen und "beide haben gesagt, dass ich es machen soll".
Entstanden war der Kontakt zum FSV "aus einem Jux  heraus. Ich habe den Bericht über die Germendorfer Suche nach einem Trainer in der Zeitung gelesen und dann mit meinem Kumpel Maximilian Tomazic in der Mittagspause geschrieben. Er steht dort im Tor und wir haben herumgescherzt, wie es wäre, wenn ich Trainer werden würde". Im Anschluss nahm das Thema an Fahrt auf und der Wechsel an die Seitenlinie des Kreisligisten konkrete Formen an.
Schwerer Abschied
Seine sportliche Rückkehr nach Oberhavel machte sich Deion Nassar jedoch alles andere als einfach. Zu sehr hätten ihn die vergangenen zwei Jahre beim SV Babelsberg 03 geprägt, um wortlos den Verein zu verlassen. Deshalb verabschiedete sich der 25-Jährige am Montag bei seinen Jungs. "Ich hatte eigentlich für die kommende Saison zugesagt und stand im Wort", sagt Nassar, der für die zweite Männermannschaft in der Landesliga selbst die Schuhe schnürte und zuletzt als Chef- (U14) und Co-Trainer (U15) im Nachwuchsbereich arbeitete. "Durch Corona haben wir mit der U15 die Regionalliga gehalten. Wir haben Erfolge gefeiert und Niederlagen verkraften müssen. Es war einfach eine intensive Zeit, aus der ich brutal viel mitgenommen habe. Babelsberg ist ein toller Verein mit einem guten Umfeld."
Logische Konsequenz
Vor allem aus privater Sicht sprach in den vergangenen Wochen und Monaten jedoch immer mehr für eine Veränderung. Deion Nassar wird ab Oktober die Polizeischule in seiner Heimatstadt Oranienburg besuchen. Durch den Umzug sei der Abschied aus Babelsberg auch eine Entscheidung für die Familie gewesen, sagt der Vater eines Kindes. "Jetzt habe ich kurze Wege."
Altersproblem?
Mit seinen 25 Jahren kann Deion Nassar im Trainergeschäft durchaus als sehr jung bezeichnet werden. Etliche Spieler im Kader des FSV Germendorf sind um einiges älter. Die Frage, ob dies Schwierigkeiten bereiten könnte, beantwortet der Oranienburger mit: "Ich hoffe nicht, dass das eine Rolle spielt. Ich will nach Leistung bewertet werden und nicht nach meinem Alter. Unser Ziel wird es sein, guten Fußball zu spielen."
Dass es gelingen wird, auf dem Platz attraktive Auftritte abzuliefern, davon ist Deion Nassar überzeugt. Denn bei vielen Spielern wisse er, auf wen er sich einlasse. "Ich kenne schon einige Jungs. Das wird mir den Einstieg sicher leichter machen. Sie wissen, dass ich fußballverrückt bin." Vater André und auch er selbst trainierten den einen oder anderen Germendorfer bereits im Nachwuchs des OFC Eintracht.
Eigene Laufbahn
In seiner eigenen Laufbahn als Spieler stand Deion Nassar im Männerbereich für die Oranienburger Mannschaften, von der Brandenburgliga bis zur Kreisklasse sowie für Landesligist SV Babelsberg 03 II auf dem Platz. Mit der neuen Aufgabe in Germendorf hat sich der Fokus jedoch vom Geschehen auf dem Spielfeld zu dem auf der Trainerbank verschoben. Dass er aber irgendwann selbst noch einmal ein Trikot überstreifen wird, möchte Deion Nassar zumindest nicht ausschließen. "Natürlich habe ich Lust, Fußball zu spielen. Die Landesliga würde ich mir auch noch zutrauen. Ich muss allerdings schon allein für die Ausbildung bei der Polizei wieder um einiges fitter werden." Den Spielertrainer Deion Nassar wird es dagegen beim FSV Germendorf nicht geben, "höchstens, wenn mal Not am Mann sein sollte".