Jeweils kurz vor und kurz nach der Pause hatte sich Dennis Wulff vom TuS 1896 Sachsenhausen den Ball auf halblinks zurechtgelegt, und jeweils klingelte es im Tor des Oranienburger FC Eintracht. Einmal ließ Christopher Groll den Ball über den Scheitel rutschen (43.), das andere Mal nickte Kapitän Andor Müller völlig frei ein. Es waren genau die Szenen, welche das Stadtderby der Fußball-Brandenburgliga letztlich entscheiden sollten.

Spielerisch überschaubarer Fußball beim Stadtderby

Dass Sachsenhausen zwei Standardsituationen reichten, um die Partie mit 2:0 (1:0) für sich entscheiden zu können, war Dennis Wulff nach dem Schlusspfiff logischerweise völlig egal. „In den vergangenen Jahren suchen wir doch vergebens nach einem Derby, welches fußballerisch hochklassig war“, sagte er angesprochen auf die spielerische Qualität der Partie. Für ihn wichtiger: „Wir arbeiten im Training an den Standards. Und endlich hat es mal wieder gut funktioniert. Diese beiden Tore haben uns im Derby viel Last genommen.“

Erste Chance für den Oranienburger FC

Denn der Oranienburger FC Eintracht war besser ins Derby gestartet und hatte in der 10. Minute durch Alex Popescu die große Chance zur Führung. Nach einem langen Ball auf Linksaußen hatte der Gästespieler im Laufduell zwar Sachsenhausens Kevin Höpfner abgeschüttelt, allerdings dann auch aus spitzem Winkel rechts vorbeigeschossen.
Dass dies eine der wenigen großen Gelegenheiten in dieser Partie bleiben sollte, ahnten zu diesem Zeitpunkt nur die wenigsten der 650 Zuschauer im Elgora-Stadion.

Zu wenig für eine Wende

Die nächste gefährliche Szene war nämlich dann bereits der Treffer von Christopher Groll. „Kurz vor der Halbzeit haben wir das Tor natürlich gerne mitgenommen“, sagte er. „Für uns war das ein wenig auch wie der Dosenöffner. „Als Andor das wichtige 2:0 nachgelegt hat, haben wir dann gar nichts mehr zugelassen und konnten das Derby entspannt runterspielen.“ Das sah auch Oranienburgs Trainer so. Enis Djerlek gratulierte dem TuS und musste anerkennen, „dass es am Ende von uns zu wenig war, um dem Spiel eine Wende zu geben“.
Für Sachsenhausen ist damit eine Serie von zuletzt drei Niederlagen in Serie in der Brandenburgliga Geschichte. Hinzu kam eine Niederlage im Landespokal gegen Krieschow. Dies sei keine einfache Zeit gewesen, gesteht Dennis Wulff. „Vier Spiele in einem Monat zu verlieren ist schon wie ein harter Schlag auf den Hinterkopf. Der Sieg ist daher jetzt Balsam für die Seele. Wir konnten vor allem mal wieder unseren Fans etwas zurückgeben. Diesen Sieg im Derby habe ich aber vor allem auch unserem Trainer Torsten Thiel gegönnt. Es ist schön, dass wir diesen Erfolg auch für ihn holen konnten.“
Und jetzt? Gibt dieses 2:0 gegen den Stadtrivalen den Sachsenhausenern neue Kraft für die anstehenden Aufgaben? Wulff ist sich sicher, dass dies genau so sein werde. „Solch ein Sieg macht richtig viel mit uns. Ein Derby ist wie das Oberhavel-Masters im Winter. Auch daraus können wir immer sehr viel Schwung mitnehmen.“
Stimmen
Miguel Unger, OFC: „In der ersten Halbzeit waren wir besser. Die Sachsenhausener haben aber aus ihrer Sicht genau zum richtigen Zeitpunkt das erste Tor gemacht. ,Grolli’ macht das richtig stark. Nach der Pause war der TuS clever und wir haben uns letztlich zu doof angestellt. Im Endeffekt war es ein Derby mit sehr wenigen Chancen.“
Torsten Thiel, Trainer TuS: „Vor der Pause war es ein zähes Spiel auf Augenhöhe. Eigentlich wollten wir früh draufgehen und für ein Überraschungsmoment sorgen. Dass das nicht zu sehen war, lag daran, dass bei uns das Pressing gefehlt hat. Der Standard zum 1:0 war überragend und kam für uns zum richtigen Zeitpunkt.
Martin Pilz, TuS: „Wenn wir am Ende zwei Tore mehr schießen als der Gegner, ist der Sieg auch verdient. Der OFC hatte eine Chance aus spitzem Winkel. Insgesamt haben wir etwa 25 Minuten gebraucht, um uns zu sortieren. Eigentlich wollten wir früh anlaufen. Danach hat das dann aber besser funktioniert. Wir haben defensiv gut gestanden und uns den Sieg erarbeitet.“
Enis Djerlek, Trainer OFC: „Glückwunsch an den TuS Sachsenhausen. Spielerisch war es aber ein ganz schlechtes Derby. Die Hundertprozentige von Alex Popescu müssen wir nutzen. Der erste Treffer vom TuS war absolut glücklich, beim zweiten haben wir richtig gepennt.“