Seit einigen Monaten schwebte über dem Landesklasse-Aufsteiger Einheit Zepernick so etwas wie der Nimbus der Unbesiegbarkeit. Die Eintracht aus Bötzow setzte dem jedoch am vergangenen Wochenende mit einem klaren 3:0 (0:0)-Erfolg ein Ende und sorgte damit für lange Gesichter beim selbsternannten Top-Team aus dem Barnim.
Zepernick hatte speziell das Transferfenster im Sommer intensiv dazu genutzt, den eigenen Kader qualitativ mit höherklassig erfahrenen Spielern aufzuwerten. Bötzow störte das allerdings wenig. „Wir haben gezeigt, was auch ohne die ganz großen Namen, dafür aber mit dem nötigen Teamgedanken möglich ist“, sagt Eintrachts Trainer Marco Meißner. „Es war in einem hochklassigen und schnellen Fußballspiel ein verdienter Sieg. Die galligere Mannschaft hat gewonnen.“

Gäste-Trainer bedient

Vor allem letzteren Punkt wollte Zepernicks Coach Lucio Geral nicht mit seinem Trainerkollegen aus Bötzow teilen. Auch er sprach zwar von einem Erfolg für den Gastgeber, welcher völlig in Ordnung ging. Mit seiner eigenen Elf ging er jedoch mangels Einstellung hart ins Gericht. „Ich hoffe, dass der eine oder andere jetzt wach wird und sieht, dass auch in der Landesklasse jedes Spiel mit 0:0 beginnt, dass wir alles investieren müssen und dass es nicht reicht, dass man individuell vielleicht besser aufgestellt ist“, sagt Lucio Geral.

Pleite wenig überraschend

Die Niederlage habe sich aber  angebahnt, findet Zepernicks Trainer. „Gegen Bötzow war viel Selbstgefälligkeit drin, eine gewisse Routine. Nach dem Motto: ,Wir packen das sowieso.’ Wir waren mit dem Ball zu statisch, zu behäbig, es fehlte die Leidenschaft. Wir haben uns zu wenig gewehrt, haben zu viel mit uns machen lassen.“
Deshalb kündigt Geral, der mit der Einheit in der Sommervorbereitung unter anderem den Gewinn des Kreispokals der abgebrochenen Saison 2019/2020 feiern durfte, nun Konsequenzen an. „Wer nicht begreift, dass wir immer Vollgas geben müssen, der wird es in der Zukunft schwer haben, unter die ersten Elf zu rutschen. Da habe ich in der Vergangenheit oft Milde walten lassen, aber spätestens seit dem vergangenen Samstag ist das anders. So möchte ich nicht noch einmal verlieren. Das hat sich überhaupt nicht gut angefühlt.“

Defensiv alles abgerufen

Bei den Bötzowern war das logischerweise anders. Der in dieser Deutlichkeit für viele überraschende Erfolg fühlte sich sogar richtig gut an. „Natürlich war das etwas Besonderes“, unterstreicht Marco Meißner die Wertigkeit dieses Heimerfolges. „Wir haben in diesem Aufeinandertreffen viel abrufen müssen. Vor allem defensiv. Meine Mannschaft hat gezeigt, wie viel Potenzial in ihr steckt.“
Dass es jedoch nicht immer gelingt, genau dieses Potenzial abzurufen, ist  ein bekanntes Thema bei der Eintracht. Er kenne das andere Gesicht seiner Mannschaft, sagt Meißner, der aber auch betont, sich über die Rahmenbedingungen im Klaren zu sein. „Wir haben kein Druckmittel und winken nicht mit Geldscheinen umher. Wenn es beispielsweise einen Geburtstag innerhalb der Familie gibt, dann kann es eben sein, dass der betreffende Spieler nicht da ist.“

Leistungsbereit und konzentriert

Bötzow setzt ohnehin seit Jahren auf die Trumpfkarte Zusammenhalt und eine für Meißner unverzichtbare Selbstreflexion. Ein Beispiel: Nach dem mit einem 0:6 beim VfB Gramzow heftig verpatzten Start in die Saison setzte sich das Team sofort an einen Tisch. „Seither sind die Jungs extrem leistungsbereit und konzentriert“, sagt Marco Meißner, der nun am Sonnabend am liebsten den vierten Liga-Sieg in Serie folgen lassen würde. „Die Partie beim FSV Forst Borgsdorf wird zeigen, wie konstant wir jetzt tatsächlich sind. Am Ende des Tages dürfen wir unseren Gegner überhaupt nicht unterschätzen, sonst ist es nichts mehr wert, dass wir gegen Zepernick gewonnen haben.“