Für viele Außenstehende ist vor allem Miguel Unger einer der Spieler, welcher im Kader des Fußball-Brandenburgligisten Oranienburger FC Eintracht den Unterschied ausmachen kann. Fehlt er, kommt auch dem Team aus der Kreisstadt ein großes Stück fußballerische Qualität abhanden. Zuletzt hatte der OFC ganze eineinhalb Jahre auf die Dienste des 25-Jährigen verzichten müssen. Seit dem Pflichtspielauftakt in die neue Saison steht Miguel Unger jedoch wieder auf dem Platz. Es sei ein tolles Gefühl, sagt er. „Ich habe sofort gemerkt, was ich davor vermisst habe.“

Ende der Leidenszeit

Als sich Miguel Unger im März 2019 das Kreuzband im linken Knie riss, wusste er, was in den kommenden Monaten auf ihn zukommen würde. In den Jahren zuvor hatte er sich bereits nach zwei Leistenoperationen, einem Handgelenkbruch und daran anschließende, teils sehr lange Zwangspausen auf den Platz zurückkämpfen müssen. Viel harte Arbeit liegt auch diesmal hinter Miguel Unger. Diese sei jedoch notwendig gewesen, um heute sagen zu können, „dass mit dem Knie wieder alles in Ordnung ist. Gefühlt war es jetzt für mich das 300. Comeback. Bei noch einem Kreuzbandriss bin ich aber wohl raus. Irgendwann wird das einfach zu viel.“

Fast nur positive Signale

Die Zeit, in welcher coronabedingt fußballerischer Stillstand herrschte, nutzte Miguel Unger, um zu laufen. „Das habe ich noch nie so viel getan und war wahrscheinlich deshalb auch noch nie so fit“, gibt der 25-Jährige mit einem Lachen zu. Deshalb hatte Unger auch wenig Bedenken, sich wieder ins Getümmel auf dem Spielfeld zu werfen. Einzig im ersten Testspiel gegen Optik Rathenow „war es noch ein etwas komisches Gefühl. In den weiteren Vorbereitungspartien hatte ich die Probleme mit dem Knie aber schon wieder vergessen“.
Und das gute Gefühl hält beim Spieler des OFC Eintracht nach wie vor an. „Nach den Pokal- und Ligaspielen hat es im Knie wieder etwas gezwickt.“ Unger stuft dies jedoch nicht als Beschwerden, sondern unter der Rubrik „normal“ ein. „Mein Körper war eineinhalb Jahre lang keiner Wettkampfbelastung ausgesetzt gewesen.“

Es bleibt beim Alten

Miguel Unger zählt zu jener Gattung Fußballer, welche in aller Regelmäßigkeit offensiv ihre technische Klasse aufblitzen lässt und damit auch oft im Mittelpunkt von intensiven Duellen steht. Wird er seinen Spielstil ändern, um vielleicht Zweikämpfen und damit weiteren Verletzungen aus dem Weg zu gehen? Er selbst sagt entschieden nein. „Ich mache so weiter und muss einfach damit leben, dass ich auch auf die Socken bekomme“, sagt er. „Wenn ich all das, was ich bisher gemacht habe, ändern würde, könnte ich mein Spiel einfach nicht mehr spielen.“
Seinen eigenen Pflichtspielauftakt bilanziert Unger mit den Worten „ganz gut. Ich bin zufrieden mit den bisherigen Leistungen und denke auch, dass niemand im Verein darüber enttäuscht ist, was ich gezeigt habe. Mir ist es wichtig, deutlich zu machen, dass es die richtige Entscheidung war, an mir festzuhalten. Das in mich gesetzte Vertrauen möchte ich unbedingt zurückzahlen“.

Alles andere als einfach

Am Sonnabend empfängt der Oranienburger FC Eintracht den SV Grün-Weiß Lübben. „Gegen diesen Gegner zu spielen war schon immer eklig“, sagt Miguel Unger. Einzuschätzen, was auf seine Mannschaft zukomme, sei daher schwierig. Den Sieg peile seine Mannschaft im Heimspiel logischerweise dennoch an.
Klappt das tatsächlich, hätte der OFC einen ordentlichen Start in die Brandenburgliga-Saison 2020/2021 hingelegt. Auch Miguel Unger würde dann eine solche Bewertung vornehmen. Die vier Punkte seien okay. „Beim 5:3 gegen Altlüdersdorf waren wir aber gerade zu Beginn der Partie katastrophal schlecht. Dass sind allerdings die Duelle, die wir gewinnen müssen, weil wir die bessere Mannschaft sind. Beim 2:2 in Frankfurt wäre am Ende auch ein Sieg möglich gewesen. Dort werden aber auch noch andere Teams mit einem Unentschieden zufrieden sein“, sagt er.