Stiftungsdirektor Axel Drecoll sagte, dass nicht vergessen werden dürfe, dass die Opfer vor ihrer Inhaftierung ein normales Leben führten. Ihr Schicksal zeige, was passieren könne, wenn in Kategorien wie Freund, Feind, politischer Gegner und Fremde gedacht wird. Dass sich daraus dementsprechende Handlungen ergeben könnten. Für die Opfer fing es in den 1920er-Jahren mit sprachlichen Diffamierungen und Diskriminierungen an. Ab 1933 wurde daraus die systematische Anwendung von Gewalt, die in einem Vernichtungskrieg mündete. Alles beginne mit dem wirksamen Gift der Sprache, zitierte Drecoll Victor Klemperer.
Mit Blick auf Halle, Angriffe auf Schutzsuchende, Diffamierungen Andersdenkender und auf die Sprache in politischen Debatten sei das Erinnern deshalb aktuell und wichtig. "Wir sollten diese Entwicklung mit Sorge beobachten und uns entschieden dagegenstellen", so Drecoll über die aktuelle politische Lage.
Die Gedenkstätte sei ein Lernort für die Gesellschaft, sagte der Vorsitzendes des Sachsenhausen-Komitees Andreas Meyer. Sie sei kein deutscher, sondern ein europäischer Ort.