Als ihre Heimat von der italienischen Armee besetzt wurde, schloss sich Dana Valic einer Befreiungsfront an und war im Widerstand aktiv. Nach ihrer Verhaftung 1942 wurde sie vom Militärgericht zu zehn Jahren Haft verurteilt. 1944 folgte die Deportation ins einstige Konzentrationslager Ravensbrück. Später kam sie ins Außenlager Grüneberg. „Es war sehr fürchterlich, im Lager waren nur Skelette“, wurde sie in einem Protokoll, dass nach der Befreiung entstand, festgehalten.
Die Frauen seien für alles geschlagen worden: falsch gebundenes Kopftuch, kaputte Holzschuhe, aufbewahrte Nähnadeln. Hinzu kam der Hunger. „Drei Jahre ohne Vitamine, ohne Gemüse, ohne alles“, so Dana Valic. Sie musste mit der Chemikalie Acetol Hülsen besprühen, durch die ätzende Flüssigkeit und frische Feilspäne ging sie nach ihrer täglichen Zwölf-Stunden-Schicht mit blutigen Fingern nach Hause. Dreimal war die heute 96-jährige Dana Valic nach der Befreiung in Deutschland.
Ihre Geschichten sind es, die das landesweite Jugendprojekt Überlagert aufspürt. Eine weitere ist die von Danuta Hilkner, die sich an viele Tote und Verletzte im Barackenlager erinnert. Ihre Erzählungen sind noch drastischer als die von Dana Valic. So berichtet sie von einer deutschen Frau, der der Kopf abgerissen wurde, von Selbstmorden, Menschen, die ertränkt wurden, von Essensentzug und Hunden, die auf die Häftlinge gehetzt wurden - und von fünfstündigem Strafe-Stehen. „Von 400 Frauen blieben am Ende 20 aufrecht stehen, die restlichen lagen ohnmächtig auf dem Boden.“
Die Zuhörer in der Alten Schule waren gebannt von den Schicksalen, die sich vor mehr als 70 Jahren in unmittelbarer Nachbarschaft abspielten. „Wir hoffen, einmal Briefe von damals in den Händen halten zu können“, so Pfarrerin Ruth-Barbara Schlenker, die sich schon seit Jahren mit der Thematik des Außenlagers beschäftigt. Parallel entstand vor einiger Zeit das Jugendprojekt.
Teilnehmer Tony Sieg machte am Sonntag auf die Arbeitsgruppen aufmerksam, die es in Grüneberg gibt. „Wir konnten schon einige Schicksale aufspüren“, sagte er. Eine Journalistin will noch in diesem Jahr einen Film über Grünebergs NS-Vergangenheit schreiben.