Seit mehreren Jahren fühlen sich die Anlieger der Gedenkstätte allerdings durch den Ansturm hunderttausender Besucher – und vor allem durch lärmende und dieselnde Reisebusse – in ihrer Lebensqualität massiv beeinträchtigt. Die Anwohnerinitiative (AWI) "Gedenkstätte Sachsenhausen - Gedenken im Einklang mit dem Leben" will die Busse aus dem Wohngebiet verbannen und fordert grundsätzlich eine andere Zuwegung und Änderungen bei der Besucherlenkung.
Das Thema ist inzwischen längst ein Dauerbrenner der Kommunalpolitik. Auch die hiesigen Landtagsabgeordneten haben dazu Fragen an die Landesregierung gerichtet und Kulturministerin Manja Schüle (SPD) zu einem Vor-Ort-Termin nach Oranienburg eingeladen. Einen Katalog mit neun Fragen zum Thema hatte die städtische CDU-Fraktion am 23. April an den Bürgermeister gerichtet und erwartet, dazu in der Stadtverordnetenversammlung am vorigen Montag Antworten zu bekommen.
Doch Bürgermeister Alexander Laesicke (parteilos) vertröstete Christian Howe, den nachfragenden CDU-Fraktionsvize, dass die Beantwortung noch in Arbeit sei. Und um Missverständnissen vorzubeugen, habe er Gedenkstättenleiter Dr. Axel Drecoll die Stellungnahme der Stadt vorgelegt, um daran gegebenenfalls noch Ergänzungen vorzunehmen. Für den Bürgermeister ist das kein ungewöhnlicher Vorgang. So wurde  unter anderem nach Ergebnissen des Ideenwettbewerbs für ein neues Besucherzentrum gefragt. Dazu könne er gar nichts sagen, weil die Stadt diesen Vorgang nicht kenne. "Dann ist es doch nur gut, wenn wir vom Leiter der Gedenkstätte dazu Auskunft bekommen und das den Stadtverordneten dann mitteilen können", so Laesicke. In den nächsten Tagen soll die Stellungnahme der Gedenkstätte vorliegen und die Beantwortung aller Fragen durch die Stadt und die Gedenkstätte bekanntgemacht werden.
Die AWI ist mit diesem Vorgehen indes ganz und gar nicht einverstanden. "Für uns stellt sich das so dar, dass Herr Laesicke den Stadtverordneten eine durch die Gedenkstätte zensierte Beantwortung der Fragen vorlegen will", sagt deren Sprecher Christian Wollank. "Es ist schon ein bedenklicher Vorgang, dass ein Bürgermeister nicht in der Lage oder nicht willens ist, die an ihn gerichteten Fragen von seiner Verwaltung beantworten zu lassen. Gegenüber dem Bürger schafft das kein Vertrauen", beklagt sich Wollank.
Laesicke weist diese Kritik scharf zurück. Es sei völlig abwegig, in diesem Zusammenhang von Zensur durch die Gedenkstätte zu sprechen. "Uns geht es hier um Sachlichkeit, die auch zeigen soll, dass wir die von der AWI genannten Probleme sehr ernst nehmen und an einer Lösung großes Interesse haben", sagt er.
Fakt sei aber auch, dass das Thema komplizierter ist, als es sich viele vorstellen. Deshalb seien künftig noch stärkere Anstrengungen aller Beteiligten notwendig, um Bewegung in die Angelegenheit zu bringen, sagt Laesicke. Das habe er in einem Brief auch Kulturministerin Manja Schüle mitgeteilt und sie gebeten, sich selber noch stärker in diesen Prozess einzubringen. "Nochmals, uns geht es hier um Sachlichkeit unter Berücksichtigung der Interessen aller", sagt Laesicke. Es zeichne sich aber auch ab,  dass das seine Zeit brauche.

Fragenkatalog der CDU-Fraktion

Ob die Stadt Oranienburg an der Ausschreibung des Ideenwettbewerbs für ein neues Besucherzentrum für die Gedenkstätte Sachsenhausen beteiligt wurde, will die CDU unter anderem wissen.

Auch nach den Ergebnissen dieses Wettbewerbs wird gefragt und ob der geplante Standort des Besucherzentrums im Hinblick auf die Besucherlenkung und die Interessen der Anwohner geeignet ist.

Wie bewertet der Bürgermeister die Absage der Kulturministerin, sich stärker in den Prozess und die Findung nach einer Lösung einzubringen? So lautet eine weitere Frage.

Schließlich will die CDU-Fraktion wissen, wie und wann ein Vor-Ort-Termin des Bauausschusses mit der Anwohnerinitiative realisiert werden kann. bren