Ein weiteres Etappenziel beim Bau der Klärschlammvererdungsanlage hat der Trink- und Abwasserzweckverband (TAV) Liebenwalde geschafft. Die vier Becken oder Beete (da diese später mit Schilf bepflanzt werden) auf dem gut drei Hektar großen Gelände hinter dem Verwaltungsgebäude auf dem Betriebsgelände der Kläranlage sind fertig, zumindest von den Ausmaßen her. Sie messen gut 100 mal 50 Meter. Was noch besser ist und TAV-Geschäftsführerin Jana Trampe freut: "Bislang liegen die Bauarbeiten voll im Zeitplan. Deshalb gehen wir davon aus, dass die Anlage wie geplant Anfang bis Mitte Sommer in Betrieb gehen kann." Glück hätte der TAV insofern gehabt, so die Chefin, dass noch vor der Corona-Krise alle Bestellungen für Baumaterial ausgelöst werden konnten und diese auch schon geliefert wurden. Dazu gehören unter anderem die Spezialfolien, die verhindern werden, dass Flüssigkeit aus den Beeten ins Grundwasser gelangen kann. Sie werden nun im nächsten Arbeitsabschnitt eingebaut.
Rund 2,3 Millionen Euro kostet die der Bau der Anlage, der mit 1,6 Millionen Euro über den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (Efre) gefördert wird. "Es ist eine Investition in die Zukunft", so die TAV-Geschäftsführerin. "Die Anlage ist so ausgelegt, dass erst in zehn Jahren erstmals Erde entnommen werden muss. Das gibt uns genügend Zeit, um uns für die Zukunft aufzustellen." Zwei Aspekte sind ihr dabei wichtig: der Umwelt- und Klimaschutz sowie die Stabilität der Abwassergebühren.
Verdunstung des Wassers
Die Wälle sind gut zwei Meter hoch. In die Becken wird nun die Spezialfolie gelegt. Sie ist zum einen undurchlässig, damit weder Wasser noch irgendwelche Substanzen in das Grundwasser gelangen können, zum anderen sogar nagetierfest, damit sie nicht durch Tiere zerstört werden kann.
Die Funktionsweise der Vererdungsanlage ist simpel. Dem Klärschlamm, also jenem Material, das nach der Reinigung bislang als Dünnschlamm auf die Felder ausgebracht wurde, wird in der Anlage das Wasser entzogen. Übrig bleibt ein Gemisch, das von der Konsistenz her Blumenerde ähnelt. Zunächst wird der Klärschlamm in die Beete eingeleitet. Ein großer Teil des Wassers wird über eine Drainage (ein Rohrleitungssystem) abgezogen und der Kläranlage wieder zugeführt. Der Rest verbleibt in der Vererdungsanlage, in der sich außerdem Schilfpflanzen befinden. Diese nutzen einerseits die im Klärschlamm vorhandenen Nährstoffe und unterstützen zusätzlich die Verdunstung des Wassers.
Die im Boden der Beete vorhandenen Mikroorganismen sorgen für die weitere Zersetzung, bis schließlich das der Blumenerde ähnliche mineralisch-organische Erdgemisch übrig bleibt. Ein sehr wohl gewollter Nebeneffekt ist, dass das Gemisch stickstoffarm ist, und damit keine Konkurrenz zu Stickstoffdünger darstellt.
Ausgelegt ist der Prozess auf mindestens zehn Jahre, womit sich für den TAV der Bau neuer Sammelsilos für den Klärschlamm erledigt. Außerdem entfällt die kontinuierliche Abfuhr des Klärschlammes, was dem Klimaschutz dient (weniger Fahrten, weniger Spritverbrauch). Wie am Ende die weitere Verwertung der Klärschlammerde erfolgt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Denkbar wäre eine Ausbringung in der Landwirtschaft oder alternativ eine Verbrennung.