Auch die älteren Zuschauer mochten sich am Sonntag nicht daran erinnern, wann es zuletzt einen Pflichtspiel-Vergleich zwischen den ersten Männer-Mannschaften von Birkenwerder und Hennigsdorf gegeben hat. „Nach der Wende auf keinen Fall“, war die einheitliche Meinung. Im Ligabetrieb war das in den drei zurückliegenden Jahrzehnten auch nicht möglich. Hennigsdorf war seit der Wende schlechtestenfalls in der Landesliga unterwegs, Birkenwerder spielt dort seit August erstmalig um Punkte.

Tom Schmidt unterläuft Eigentor

Am Sonntag war jedoch über weite Phasen nicht zu erkennen, welche der beiden Vereine eigentlich über die größere Fußball-Historie verfügt. Birkenwerder wirkte abgeklärter und schien nach knapp 20 Minuten auf der Siegerstraße zu sein. Da führten die Gastgeber vor gut 150 Zuschauern mit 2:0. Nach einer flachen Eingabe von Ron Haß unterlief Tom Schmidt in der fünften Minute ein frühes Eigentor. Dann war es Haß selbst, der nach einem langen Ball von Eric Stephan frei durchstartend einschob.

Platzverweis gegen Lucas Heidel

Das Spiel ließe sich ganz schnell zusammenfassen, bemerkte der Hennigsdorfer Trainer Niko Jose. „Wir produzieren ein Eigentor, unterlaufen dann einen langen Ball und bekommen eine dumme Rote Karte.“ Diese handelte sich in der 43. Minute Lucas Heidel nach einer Notbremse ein – nachdem er Sekunden zuvor die Riesenchance zum Torerfolg hatte. Seinen Schuss aus der zweiten Reihe hatte Fabio Tettenborn auf der Linie entschärft. „Wenn ich einen Tick weiter links stehe, habe ich Pech“, so der Spieler des BBC.

Christian Mimietz im Pech

So verhinderte der langjährige OFC-Spieler den Ausgleich, nachdem Sören Schubert in der 31. Minute wie aus dem Nichts zum Ausgleich getroffen hatte. Sein strammer Schuss war vom Pfosten an den Rücken von BBC-Keeper Christian Mimietz und von dort in da Tor gesprungen.

Ron Haß mit Doppelpack

„Dieses blöde Gegentor machte die Tür für Hennigsdorf ein bisschen auf“, stellte Tettenborn fest. Die Rote Karte für den Gegner habe seiner Mannschaft zwar in die Karten gespielt, insgesamt habe man aber zu wenig aus der Überlegenheit gemacht. Dennoch ergaben sich für Birkenwerder in Hälfte zwei einige Gelegenheiten, um das Ergebnis deutlicher zu gestalten: Tim Seidenspinner setzte das Leder nach einer Eingabe von Haß knapp neben den langen Pfosten (60.), Eric Stephan scheiterte mit einem Schuss aus halbrechter Position am gegnerischen Keeper (65.) und setzte Sekunden später einen Kopfball knapp über den Kasten. Besser machte es Haß, der in der 69. Minute per Kopfballtreffer das 3:1 besorgte.

Florian Glitza zufrieden

„Zwei, drei Buden mehr hätten wir machen können“, meinte Birkenwerders Trainer Florian Glitza nach der Partie. So viel verkehrt habe seine Mannschaft nicht gemacht. „Ich fand schon, dass wir stärker waren. Der Ball lief ganz ordentlich.“
Gänzlich unzufrieden war aber auch sein Gegenüber nicht. „Wir laden den Gegner zu den Toren ein“, bemängelte Jose. Nach den beiden ersten Gegentreffern seien seine Schützlinge aber gut zurückgekommen. „Wir haben uns im System sehr gut verhalten. Die Jungs haben füreinander gearbeitet und erspielten sich gute Chancen.“ Am Ende sei die Niederlage unnötig gewesen.

Fünf Niederlagen in sieben Spielen

Nach der fünften Niederlage im siebten Saisonspiel finden sich die Hennigsdorfer auf dem viertletzten Tabellenplatz wieder. Birkenwerder hat nun zwei Punkte mehr und ist Neunter - nachdem zuletzt von einigen Seiten schon Schmarzmalerei betrieben worden sei, berichtet Florian Glitza. „Nun haben wir aber ein paar Plätze gut gemacht und haben noch das Nachholspiel zu bestreiten. Wir sind mittendrin und machen uns keinen Kopf.“