Die Emil-Büge-Straße nimmt Form an. Wenn im kommenden April die ersten Mieter in die sechs neuen Woba-Häuser in der Weißen Stadt ziehen, fahren sie von der Walther-Bothe-Straße auf die neue Erschließungsstraße. Die Bordsteine stehen schon. Für Baufahrzeuge ist die neue Route ab sofort tabu.
Bauarbeiten in der Weißen Stadt von Oranienburg

Immobilien Bauarbeiten in der Weißen Stadt von Oranienburg

Auf einer der größten Baustellen der Stadt läuft derzeit alles wie am Schnürchen, berichtet die Projektleiterin Marianne Kordecki. Während in den sechs Häusern des ersten Bauabschnitts der Innenausbau voran geht, wurden die Bauflächen des zweiten Bauabschnitts bereits vorbereitet. Die Grundleitungen von Strom, Wasser und Abwasser liegen. Die beiden Flächen, auf denen am 15. und 16. September zwei Baukräne errichtet werden, sind befestigt. Anfang Oktober soll der Grundstein in die Fundamentplatte gelegt werden. Alle notwendigen Aufträge konnten noch rechtzeitig ausgelöst werden.

Es wird schneller gebaut

Bürgermeister Alexander Laesicke (parteilos) hatte per Eilentscheidung die Woba dazu ermächtigt, ihren Wirtschaftsplan zu ändern. Ursprünglich waren für den zweiten Bauabschnitt in diesem Jahr 800 000 Euro eingeplant. Weil die Arbeiten zügiger vorangehen, werden schon zwei Millionen Euro benötigt. Wer die Baustelle auf den drei Baufeldern beobachtet, sieht, wie schnell dort gearbeitet und die frühere Brache verändert wird. Parallel zur Emil-Büge-Straße, die im zweiten und später auch im dritten Bauabschnitt zunächst nur als Baustraße ausgeführt wird, haben die Stadtwerke neue Fernwärmeleitungen verlegt.
Für den Straßenbau hat die Stadt Firmen beauftragt. Woba, Stadtwerke und Stadtverwaltung würden auf der Großbaustelle gut zusammenarbeiten, lobt Marianne Kordecki. Die Projektleiterin gibt ihren Job zum Monatsende dennoch ab. Eigentlich müsste sie längst einen Nachfolger einarbeiten, doch die Woba sucht noch für die Neubesetzung. Marianne Kordecki hat aus Unzufriedenheit gekündigt. Seit sich die Holding in Auftragsvergaben auf der Woba-Baustelle einmischte, lief manches nicht mehr so rund, sagt sie. Streit gab es um die Auftragsvergabe zur Bauwärme. Woba-Chef Bernd Jarczewski sollte deshalb den Hut nehmen, was bekanntlich scheiterte und letztlich auch mit dazuführte, dass sich jetzt ein Untersuchungsausschuss mit der Holding beschäftigt.

Blockheizkraftwerk in der Weißen Stadt

Die Bauwärme für den ersten und zweiten Bauabschnitt kommt künftig über die neuen Fernwärmeleitungen und wird im Heizkraftwerk an der Kremmener Straße produziert. Für die künftigen Mieter entsteht aber ein eigenes kleines Blockheizkraftwerk in der Weißen Stadt, zu der auch noch ein dritter Bauabschnitt gehört, der erst nach 2022 entstehen soll. Statt des ursprünglich vierten Bauabschnitts entsteht an der Walter-Bothe-Straße später noch eine neue Grundschule.
Erschlossen wird das neue Wohngebiet über die Emil-Büge-Straße, die über zwei Zufahrten von der Walther-Bothe-Straße erreichbar ist. Außerdem gibt es für Fußgänger, Radfahrer und die Feuerwehr eine Verbindung zur Julius-Leber-Straße.

Benannt nach einem KZ-Häftling


Emil Büge (1890 – 1950) verfasste als Autor unter anderem Kriminalromane und verdiente sein Geld als Reklamefachmann, bis er 1939 ins KZ Sachsenhausen deportiert wurde. Als Hilfskraft in der Kommandantur machte Büge heimlich Abschriften aus den Akten, die die Willkür und Brutalität von Gestapo und SS, Einzelschicksale von Häftlingen und die Vernichtung ganzer Häftlingsgruppen dokumentieren, heißt es über Büge auf Wikipedia.

Demnach nahm ich Büge in der Nacht vom 12. zum 13. November 1950 das Leben. Zuvor war ihm vom Bayerischen Versorgungsamt der Status des politisch Verfolgten und die damit verbundene Rente entzogen worden. Acht Jahre später wurde Büge rehaibilitert. Die Stadt Oranienburg ehrt den Verstorbenen nun mit einer Straße.