Mit einer Spezialmaschine bohren Mitarbeiter der Lindower Tiefbaufirma Albert Schulz in gut einem Meter Tiefe rund 100 Meter lange Löcher horizontal unter den Straßen der Siedlung. Mit dem Bohrgestänge wird bei dessen Rückfahrt anschließend ein blaues Kunststoffrohr durch das Bohrloch gezogen. Deshalb schauen an mehreren Stellen der Dorfstraße derzeit solche Rohrenden aus dem Boden. Sie werden später miteinander verschweißt, so dass zunächst ein komplettes Rohrsystem von gut drei Kilometern Länge in Bernöwe entsteht.
Parallel dazu wird die circa 5,5 Kilometer lange Überlandleitung durch den Wald nach Zehlendorf verlegt. „Erst wenn dieses Netz dann gespült ist und das eingeleitete Trinkwasser nach allen erforderlichen Untersuchungen hygienisch einwandfrei ist, werden die Hausanschlüsse gebaut“, sagt NWA-Vorsteher Matthias Kunde. Diese Reihenfolge sei durch gesetzliche Bestimmungen vorgegeben. „Daran haben wir uns zu halten“, so Kunde.
Das Brunnenwasser, mit dem sich die Einwohner von Bernöwe bisher versorgen, ist zum Teil erheblich mit Ammonium, Mangan, Nitrat und Nitrit belastet. Die Grenzwerte der Trinkwasserverordnung werden zuweilen erheblich überschritten. Die Brunnen dürfen schon seit Jahren nur mit Sondergenehmigungen des Kreisgesundheitsamtes betrieben werden.
Seit Jahren bemühte sich der NWA um Fördermittel für eine Trinkwasserleitung nach Bernöwe – allerdings immer vergeblich. Solange wurde auch an verschiedenen Konzepten gearbeitet, wie die rund 100 Dauerbewohner und die circa 300 Nutzer von Wochenendgrundstücken in der Siedlung am kostengünstigsten mit einwandfreiem Trinkwasser versorgt werden könnten.
„Wir realisieren hier die optimale Variante, die alles in allem 430 000 Euro kostet und von der Verbandsversammlung einstimmig verabschiedet wurde. In Bernöwe beginnt damit ein neues Wasserzeitalter“, sagt Kunde. Kostendeckend ist das für den NWA jedoch nicht. „Dennoch sind wir der Überzeugung, dass wir den Bernöwern helfen müssen, endlich in den Genuss von unbedenklichem Trinkwasser zu kommen“, spricht er von einem solidarischen Verhalten, dem sich der Verband verpflichtet fühle.
Sorgen, die Bernöwer kürzlich bei einer Einwohnerversammlung äußerten, entkräftet Matthias Kunde. Der Wasserdruck werde auch in Bernöwe völlig ausreichend sein. Denn die Leitungsanbindung in Zehlendorf liege allein schon rund zehn Meter höher als die Hähne der Abnehmer in der Siedlung am Oder-Havel-Kanal. Außerdem handele es sich um eine normale Druckleitung.
Der Vorsteher geht zudem davon aus, dass die Gebühren für Trinkwasser durch das Vorhaben in Bernöwe nicht steigen werden. Für einen Kubikmeter Trinkwasser berechnet der NWA derzeit 1,05 Euro netto. Hinzukommt die Mehrwertsteuer von sieben Prozent. „Mit diesem Tarif gehören wir zu den fünf preiswertesten Verbänden im Land Brandenburg“, versichert Kunde.
Neben der Mengengebühr erhebt der Verband eine Grundgebühr. Auch ein Beitrag für den erstmaligen Anschluss an die zentrale Trinkwasserversorgung wird fällig. Der liegt bei 0,89 Euro pro Quadratmeter der anrechenbaren (aber nicht der tatsächlichen) Grundstücksfläche. Auch die Herstellung des Hausanschlusses ist von den Nutzern zu tragen.
Nach Auskunft des Verbandsvorstehers seien 1000 Euro als Gesamtkosten für den Anschluss an die Trinkwasserversorgung schon viel. Bei der zentralen Schmutzwasserentsorgung seien bisher höchstens 3000 Euro an Kosten pro Anschluss angefallen, versucht der Vorsteher Sorgen der künftigen Nutzer zu nehmen.
„Wem diese Summen auf einen Schlag noch zu hoch sind, der sollte mit uns reden, uns glaubhaft nachweisen, dass er das nicht leisten kann. Dann finden wir immer einen Weg, dies über Raten abzustottern“, versichert Kunde. Von mehr als11000 NWA-Anschlussnehmern hätten bisher nicht mal100 eine solche Regelung in Anspruch genommen.