Plock! Pfffffffffft! Etwas Schadenfreude kommt auf, wenn Heide Bauer dieses Geräusch hört. Plock! macht es, wenn ein großer Lkw-Reifen platzt und Pffffffft! wenn sich Luft unter Hochdruck einen Weg nach draußen sucht. „Das ist weithin zu hören“, sagt die 77-Jährige. „Einige hat es schon erwischt.“ Dass sich ihr Mitleid in Grenzen hält, liegt auf der Hand. Sie betreibt einen Pferdehof, etwas versteckt im Löwenberger Land, genauer in Grundmühle.
Ein paar Häuser zwischen Feld und Flur, die ein paar hundert Meter abseits der Bundesstraße 96 liegen. Jener Verkehrsader, die sich gerade bei Berufspendlern und Ortsansässigen unbeliebt macht, weil sie noch bis mindestens 23. Oktober rund um Teschendorf gesperrt ist.

Verbote für LKW nutzen nichts

Doch mit der Umleitung setzt auch die Hochstunde der motorisierten Auskenner ein, die jeden Schleichweg nutzen, sei er noch so schlecht oder verboten. Wie in Grundmühle. Von der B96 aus ist der Ort über eine schmale, asphaltierte Straße gut passierbar. Anlieger haben freie Fahrt, Lkw dürfen nicht rein. Darauf verweist schon ein Schild an der Bundesstraße. Das hindert Schleichweg-Profis mit ihren 40-Tonnern aber nicht. Sie wollen nur ohne große Umwege nach Teschendorf kommen. Bis zum Plock!Pfffft!

Ein Baumstumpf als Mahnmal

Denn hinter dem Pferdehof von Heide Bauer fängt ein unbefestigter Waldweg an. Breit genug ist er. Wenn nur diese enge Linkskurve nicht wäre und dieser Baumstumpf, der mittlerweile wie ein Mahnmal aussieht. Mit Lackspuren, abgerissenen Planenresten und zerfetzten Spanngurten. „Die Lkw bleiben hier hängen“, sagt Heide Bauer und zeigt auf die Baumruine. Aber auch der Weg wird „plattgefahren“, ärgert sich die 77-Jährige, die sich kaum traut, mit ihren beiden Hunden derzeit hier Gassi zu gehen. „Ich kann nicht mehr einfach in die Brennesseln hüpfen. Daher habe ich jetzt immer meine knallrote Jacke an.“ Denn erschwerend hinzu komme, „dass hier nicht im Schritttempo gefahren wird, sondern gefühlt wie bei der Rallye Paris-Dakar – vor allem Motorradfahrer“, so Heide Bauer.

Hund bereits angefahren

Besonders dramatisch sei es an den Wochenenden. Junge Leute mit kleinen Kindern und Hunden seien nach Grundmühle gezogen, die dann im Ort anzutreffen sind. „Ein Hund wurde schon angefahren“, sagt Heide Bauer. Zum Glück sei nichts passiert, der Autofahrer habe sofort gebremst und habe alles geregelt. „Aber es zeigt, wie gefährlich die Situation hier bei uns ist“, sagt Heide Bauer. „Ich habe ja eigentlich nichts dagegen, wenn sie hier langfahren, nur langsamer bitte“, appelliert sie. Schleichen also.