Wie geht es Ihnen kurz vor dem Auftritt in Oranienburg?
Mir geht es vor dem Auftritt wie nach dem Auftritt. Ich bin sehr nervös. Ich bin ein Lampenfiebermensch, der eigentlich nach über 30 Jahren darüber hinweggekommen sein sollte. Dem ist aber nicht so. Ich habe nach wie vor Lampenfieber, und manchmal leide ich auch darunter. Ich denke mir, hör doch mal auf damit, aber es geht nicht. Ich bin immer noch aufgeregt. Aber ich freue mich drauf. In dem Moment, wenn ich auf die Bühne gehe, ist es vorbei, dann ist das pure Energie und wahrscheinlich muss das so sein.
Haben Sie eine besondere Beziehung zu Oranienburg und den Menschen dort?
Ich freue mich auf jedes Konzert. Aber die Location in Oranienburg ist natürlich ein Traum, dieses Schloss und der große Platz davor und die vielen Menschen, die mich und meine Musik aus ganzem Herzen annehmen.
Sie spielen in der Provinz, aber auch in großen Hallen und Stadien. Was macht für Sie den Unterschied?
Für mich gibt es gefühlt keinen Unterschied. Ob es jetzt Berlin ist oder Oranienburg oder andere kleinere Städte, wo ich vor 5 000 Leuten spiele, das ist mir völlig egal. Ich weiß auch nicht, ob ein Auftritt in der Mercedes-Benz-Arena imageträchtiger ist. Mir ist wichtig, dass die Menschen kommen, meine Konzerte voll sind und sich zu diesem unfassbar menschlichen und generationsübergreifenden Event entwickeln. Das zählt für mich. Und wenn ich dann noch eine Location habe wie das Schloss Oranienburg, ist das schöner als eine große Mehrzweckhalle.
Vor etwa 30 Jahren hatten Sie mit "Verdammt, ich lieb dich" Ihren ersten großen Erfolg. Kurz davor ist die Mauer gefallen. Nehmen Sie bei Ihren Konzerten Unterschiede wahr zwischen Ost und West?
Nein, überhaupt nicht. Für mich ist das so was von eins geworden. Ich bin ein begeisterter Tageszeitungsleser. Jeden Morgen nehme ich mir eine Stunde für die Zeitung, einen Cappuccino und ein Nutellabrot. Ich bin manchmal erstaunt, was ich da lese, denn ich sehe keinen Unterschied. Für mich ist das eine Nation. Es gibt Unterschiede bei den Dialekten und vielleicht in der Mentalität. Manche kommen etwas schneller aus sich heraus und feiern früher, andere brauchen etwas länger. Das ist der einzige Unterschied, den ich im Publikum erlebe. Wenn ich in Städte  in den alten oder neuen Bundesländern komme, spüre ich keinen Unterschied.
Sie mussten in Ihrer Karriere auch Tiefpunkte verkraften. Wer oder was hat Ihnen dabei geholfen?
Ich musste durch einen großen Haufen Scheiße, für den ich nichts konnte, außer dass ich leichtgläubig und dumm war. Aber Dummheit schützt vor Strafe nicht. Jeder Mensch, der da draußen ist, möchte einen guten Job machen. Und jeder will so wenig Probleme wie möglich haben. Das unterscheidet mich überhaupt nicht von allen anderen Menschen. Ich werde oft von Selbstständigen angesprochen, weil meine Pleite halt so laut war. Aber die Geschichte hat Gott sei Dank ein Happy End gefunden.
Was raten Sie Menschen, die in einer Krise sind?
Ich würde ihnen raten, sich zu fragen, ob das, was sie tun und getan haben, wirklich das ist, was sie wollen und worauf sie Bock haben. Wenn sie "ja" sagen, dann sage ich: "Fang`von vorne an!" Ich bin überzeugt, dass ein Mensch, der seinen Job gerne macht, ihn auch gut macht. Wenn man sich aber zu etwas gezwungen fühlt, weil man vielleicht etwas mehr Geld verdienen kann, wird man unglücklich. Jeder Mensch hat ein Talent und etwas, das ihm Spaß macht. Und wenn er das gefunden hat, soll er das durchziehen, und dann wird er gut.
Sind Sie von Ihren Eltern unterstützt worden?
Klar. Natürlich bin ich unterstützt worden. Ich bin aber auch behütet worden. Mein Vater hat gesagt, dass er mich finanziell unterstützt, wenn ich den Plan B durchziehe. Plan B war  das Studium für Lehramt, die Notbremse sozusagen, wenn ich mit meinem Traum als Musiker keinen Erfolg haben würde. Er wollte, dass ich eine Alternative habe, und das war ein toller Deal.
Wann haben Sie gemerkt, dass Sie den Plan B nicht brauchen?
Ich hatte das mit meinem Vater besprochen. Als ich drei Jahre lang mit der Musik mehr Geld verdient hatte, als ich als Lehrer je verdienen hätte können. Da war dann Sicherheit da, und wir waren uns einig, dass ich das Studium sein lassen kann.
Was für Pläne haben Sie für die nächste Zukunft?
Ich habe einen einzigen Plan, und der ist, gesund zu bleiben, um meinen Lebenstraum, den ich mir selbst verwirklicht habe, möglichst lange zu leben. Ich liebe diese Zeit, wenn ich zur Show komme, wenn ich hinter der Bühne stehe und sehe, wie die Menschen hereinkommen, wenn ich mein Beruhigungsbier gereicht bekomme und höre: Matthias, noch 25 Minuten. Ich liebe es, wenn das Adrenalin steigt. Manchmal schaue ich dann hoch zu den Lampen und denke: Danke, lieber Gott, die hängen nur für mich. Das ist unfassbar schön.
Das Konzert beginnt am Sonnabend, 7. September um 20 Uhr im Schlosshof. Karten sind in den Geschäftsstellen unserer Zeitung zum Preis von 47,90 Euro zu haben.

Tickets

Karten für das Konzert sind in den Geschäftsstellen unserer Zeitung zum Preis von 47,90 Euro zu haben.