Der Lübbenauer war 16 Jahre alt, als er inhaftiert wurde, und damit jünger als der Enkel, der ihn zu der Veranstaltung begleitete. In klaren Worten, bewegt, aber ohne Groll, sprach Günter Wetzlaugk über die Haftbedingungen, die viele seiner Mitinhaftierten das Leben kosteten. Altstrelitz, wo der Jugendliche sieben Monate gefangen war, sei dabei sogar noch schlimmer gewesen, sagte Wetzlaugk, durften die Gefangenen dort doch noch nicht einmal den einen Raum verlassen, in dem sie eingesperrt waren. Es gab weder Waschgelegenheit noch Toiletten. "Das Schlechteste im Leben ist, wenn man nur die Zeit totschlagen kann", sagte der 90-Jährige lebhaft. "Denn Zeit ist neben der Gesundheit das Wichtigste, das wir haben." In Sachsenhausen habe es zunächst auch nichts zu tun gegeben, doch nach Jahren sei er schließlich durch den Umstand, dass er im Lager das Stricken erlernt hatte, in eine Arbeitsbaracke gekommen. "Ich möchte, dass das Gedenken lange aufrecht erhalten wird, dass wir weiter über diese Zeit reden", wünscht sich Günter Wetzlaugk. "Wir sprechen ja auch noch über den Alten Fritz oder den Siebenjährigen Krieg."
Im sowjetischen Speziallager Nr. 7 in Sachsenhausen waren zwischen 1945 und 1950 etwa 60 000 Menschen aus mehreren Nationen inhaftiert. Daran erinnerte Stiftungsdirektor Dr. Axel Drecoll. Aufgrund der unmenschlichen Lebensbedingungen überlebten 12 000 von ihnen diese Haft nicht. Teilweise im Stundentakt seien die Toten in Massengräbern verscharrt worden, so Drecoll. Durch Videoaufzeichnungen mit ehemaligen Häftlingen, Gespräche und Diskussionen sowie durch die mitgeteilten Erlebnisse von Zeitzeugen wie Günter Wetzlaugk erhielten die Toten wieder ein Gesicht.
15 Kränze wurden am Ende von Politikern und Organisationsvertretern niedergelegt. Dazu legten private Besucher Blumengebinde am Gedenkstein ab.