Der Vorsitzende des Zentralrats der Sinti und Roma in Deutschland, Romani Rose warnt die CDU vor einer Zusammenarbeit mit der AfD. Das völkische Denken in demokratischen Parteien Europas würde zu einer Spaltung der Gesellschaft und in direkter Linie zurück zu den Ideologien der Nationalsozialisten führen, sagte Rosi, in einer las Video aufgezeichneten Rede anlässlich des Jahrestags des sogenannten Auschwitz-Erlasses.

Unbegreifliche Zusammenarbeit

Alljährlich erinnern Sinti und Roma im Dezember in der Gedenkstätte Sachsenhausen an die Vertreibung, Deportation und Ermordung der Sinti und Roma in Deutschland und Europa. Jedes Jahr hält Romani Rose politische Reden und flammenden Appellen. In diesem Jahr sagte er: „Wir dürfen es nicht zulassen, dass diese Ideologie nun wieder Einzug in unsere Parlamente hält.“ Es sei unbegreiflich, dass es in Sachsen-Anhalt Überlegungen gebe, gemeinsam mit den Stimmen der AfD eine parlamentarische Mehrheit zu erhalten oder wenn sich in Thüringen ein Politiker einer demokratischen Partei mit Hilfe der AfD zum Ministerpräsidenten wählen lasse.
Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) unterstützte diesen Ansatz. „Wir müssen uns zur Wehr setzen gegen jede von Rassismus und Rechtsextremismus.“ Rechtes Gedankengut werde in der Öffentlichkeit und selbst in Parlamenten geäußert, es gebe alltäglichen Rassismus. Woidke erinnerte an deren schlimmsten Auswüchse: an die NSU-Mode und die rechtsradikalten Terroranschläge von Halle und Hanau. Es sei deshalb gut, dass sich die Bundesregierung mit einem entsprechenden Beschluss zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Rassismus bekannt habe.
Stiftungsdirektor Axel Drecoll legte am Mittwoch am Gedenkort Station Z die Kränze des Zentralrats und des Ministerpäsidenten zum Gedneken ab. In seiner Videobotschaft sagte Drecoll, es sei „ausgesprochen besorgniserregend, dass Diskriminierung und Diffamierung von Sinti und Roma und anderen Minderheiten nach wie vor an der Tagesordnung sind“. Drecoll rief dazu auf, aufzuklären und die Erinnerung an die NS-Verbrechen an den Sinti und Roma wachzuhalten.

Tote im Lager Sachsenhausen

Von diesen schrecklichen Schicksalen erzählt auch die Gedenkstätte Sachsenhausen. „Das KZ Sachsenhausen war für mehr als tausend Sinti und Roma ein Ort von Terror, Misshandlung und Tod. Viele von ihnen mussten in den brutalsten Arbeitskommandos, wie etwa im nahegelegenen Klinkerwerk, Zwangsarbeit leisten. Zahlreiche Menschen kamen hier zu Tode“, sagte Drecoll.
Die Beiträge zum Jahrestag sind abrufbar auf den Kanälen Facebook, Instagram, und Youtube der Gedenkstätte Sachsenhausen, sowie über Facebook und Youtube des Zentralrats.

Hunderttausende Tote


Am 16. Dezember 1942 unterzeichnete der Reichsführer SS Heinrich Himmler den sogenannten „Auschwitz-Erlass“, der die Deportation von Sinti und Roma aus ganz Europa in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau anordnete – unter ihnen mehr als 10.000 deutsche Sinti und Roma aus dem damaligen Reichsgebiet.

Insgesamt wurden im besetzten Europa mehrere Hunderttausend Sinti und Roma in Konzentrationslagern oder durch Einsatzgruppen der SS ermordet. Im Konzentrationslager Sachsenhausen waren mehr als 1.000 Sinti und Roma inhaftiert