Glücklich sei sie nicht nur wegen des eigenen Erfolges. "Wir sind mit drei Hennigsdorfer Frauen zur WM gefahren und haben alle eine Medaille geholt. Das gab es noch nie", freut sich die 41-Jährige, die seit 1986 auf der Matte steht und nach vielen Jahren beim JC Samura Oranienburg den Weg zum HJV fand. In der Gruppe habe man "trainiert wie die Verrückten". In den vergangenen fünf Monaten standen vier Einheiten pro Woche an. "Die Erfolge kommen also nicht von ungefähr."

Große Ziele

Fast 1200 Teilnehmer hatten sich zu den Titelkämpfen der Altersklassen ab 30 Jahre eingefunden. "Das war die höchste Zahl aller Zeiten", berichtet Glenz.  So seien für die Hennigsdorferinnen zumindest jeweils drei Kämpfe garantiert gewesen. Ausgetragen wurde die Meisterschaft "in einem großen weißen Zelt in der Wüste".  Darin habe es keine Klimaanlage gegeben. "Die Bedingungen waren schon krass. Das Warmmachen konnten wir uns sparen." Was lustig klingt, war bitterer ernst. Der Trainer habe wirklich gesagt, dass auf das sonstige Programm vor Kämpfen aufgrund der Bedingungen verzichtet werden soll.
Marokko trat bislang nicht als große Judo-Nation in Erscheinung. "Von unserem Sport haben sie eigentlich keine Ahnung. Sie haben sich das Event erkauft. Die Junioren-WM findet dort unter den gleichen Bedingungen statt", so Glenz­ – die betonte, dass die Organisation genial gewesen sei. "Alles lief sehr professionell ab."
Nach Plan lief es für Simone Glenz auch schon im Frühjahr, als sie erfolgreich die Prüfung zum 3. Dan ablegte. Den zweiten Dan hatte die Weltmeisterin von 2012 vor einigen Jahren aufgrund ihrer Verdienste um den Judosport verliehen bekommen. Insgesamt können zehn Grade erworben werden. Vom Braungurt geht es über Schwarzgurte mit einer unterschiedlichen Anzahl an Streifen bis zum Rotgurt. Weißgurte (elfter und zwölfter Dan) werden nur an Verstorbene verliehen. "Die Anforderungen sind in der Dan-Prüfungsordnung klar geregelt." Die aktuelle Prüfung, die sich über dreieinhalb Stunden erstreckte, bestand aus drei Teilen mit Theorie und Praxis sowie einer Kata-Vorführung. "Da wird dir nichts geschenkt, aber es bringt dich weiter, da du mehr Judo-Verständnis bekommst." Beim vierten Dan, den die frühere Sportschülerin in drei Jahren angehen kann und will, werde es noch einmal präziser.
Zunächst würde es aber andere Ziele geben, betont Glenz. "Nächstes Jahr will ich noch mal voll angreifen." Mit Medaillen bei WM und DM sei 2019 ein tolles Jahr gewesen – doch die Oranienburgerin will mehr. 2015, das sei ihr Jahr gewesen. Als deutsche Judo-Meisterin holte die dreifache Europameisterin in ihrer Altersklasse Gold bei der Europameisterschaft, triumphierte bei den European Master Games und wurde Vize-Weltmeisterin. Trotz der jüngsten Erfolge stehe sie noch nicht wie damals auf der Matte. "Ich bin noch nicht so locker wie damals." Kein Wunder: Im Sommer 2016 erlitt Glenz einen Unfall. Folge: Verletzung der Außenbänder und Meniskusriss. Einige Monate später riss sich die Athletin das Kreuzband. "Insgesamt hat es mich anderthalb Jahre gekostet, das Ganze wieder heilen zu lassen."
In diesem Jahr kehrte Simone Glenz endgültig zurück. Für das kommende Jahr ist viel geplant. In Krakau will sie bei der WM dabei sein, auf Kreta bei der EM. "Medaillen zu holen, ist immer mein Ziel. Judo ist ein Kampfsport, da will man sich messen." Glenz träumt davon, 2021 noch einmal an den Master Games teilnehmen zu können. "Das sind für die Sportler der Ü 30 quasi die olympischen Spiele. Da will ich hin. Ich bin ein Mensch, der immer mit Zielen durch das Leben geht."

Katja Jank verpasst Finale knapp

An der WM der Veteranen Ü 30 nahmen 51 Nationen teil. Allein aus Deutschland kämpften in Marrakesch 47 Männer und 30 Frauen.
Die Hennigsdorferinnen bereiteten sich intensiv vor. "Wir freuen uns sehr über diese Erfolge nach monatelangen Schindereien."
Simone Glenz wurde Zweite. Nach Siegen gegen Französinnen stand die 41-Jährige im Finale der Klasse bis 63 Kilo gegen die Portugiesin Andreia Cavalleri, die einst Profi war und an drei Olympischen Spielen teilnahm. "Ich habe im Finale leider nicht aufgepasst", gibt die Oranienburgerin selbstkritisch zu. Sie verlor mit zwei Waza-ari.
Anke Heidrich (Altersklasse F 4) errang in der Klasse bis 57 Kilo nach vier Kämpfen im Pool-System Bronze.
Katja Jank (F 2) musste sich in der Klasse bis 57 Kilo (sieben Teilnehmerinnen) lediglich im Halbfinale geschlagen geben. Zuvor gab es zwei Siege. "Den Kampf um den Finaleinzug zu verlieren, ist bitter." Bronze war für die Frau aus Hennigsdorf, die erst im Januar wieder komplett in den Trainings- und Wettkampfbetrieb einstieg, ein toller Erfolg. red