Über die Kästen anlaufen, weit abspringen, an der obersten Sprosse der Wand festkrallen: Nicht umsonst heißt diese Übung Cat Leap (Katzensprung). Eine weitere ist "Tic tac": Schnell wird über einen Kasten mithilfe der Wand der Körper in eine andere Richtung geschwenkt. Beim "Twister" nutzen die Mädchen und Jungen geschickt die Holme eines Stufenbarrens für eine 180-Grad-Drehung. Balance und schnelles Hüpfen auf den dünnen Holmen ist an einer weiteren Station gefragt. Mit Matten sind die Geräte abgepolstert. Die meisten Fünftklässler schaffen das alles leichtfüßig. Manche gucken erst skeptisch, und trauen sich dann doch. "Toll! Ganz prima!", heißt es dann von den Großen. Das wichtige Abrollen über die Schulter, wobei das Gesicht mti dem Arm geschützt wird, üben die Kinder auch. 18 Zehntklässler mit ihren Sportlehrern Franziska Däderich und Marius Bachmann sind für diesen Vormittag in die Nachbargemeinde gekommen. Die Kooperation mit der Waldgrundschule besteht schon seit einigen Jahren. Zum Abschluss gibt es einen Durchlauf an allen Stationen hintereinander wie bei einer Verfolgungsjagd.
Parkour ist die sportliche Kunst, Hindernisse so schnell und so kreativ wie möglich zu überwinden - auch im öffentlichen Straßenraum wird von den sogenannten Traceuren buchstäblich alles übergangen, besprungen, umrundet und als Turngerät genutzt, was gerade im Weg herumsteht. "Wir wollen natürlich nicht erreichen, dass die Schüler demnächst vom Garagendach springen", sagt Waldgrundschulleiter Holger Mittelstädt, der sich mit Gesamtschulleiterin Kathrin Voigt das Treiben in der Sporthalle ansah. "Aber die Kinder bekommen mal eine ganz andere Sicht auf die Sportgeräte." Als SPD-Stadtverordneter fügt er hinzu: "Wenn der Kistenplatz fertig ist, werden wir endlich einen Spielplatz haben, der auch für Ältere geeignet ist, auch für Parkour. Ich würde mir sowieso viel mehr Plätze und Parks mit Fitnessgeräten wünschen. Sowas am Wasserturm wäre doch traumhaft."
"Es ist toll, wie die Schüler von den Schülern lernen", sagt Franziska Däderich. "Das ist für alle eine gute Sache." So sieht es auch Laura. "Erst habe ich mich nicht getraut", sagt die Grundschülerin. "Aber dann haben mir die Zehntklässler geholfen, und jetzt macht's richtig Spaß."
"Ich finde Parkour im Sportunterricht gut. Auf der Straße würde ich es aber eher nicht machen", sagt der Zehntklässler Philipp Wilke. Aber er hat am Dienstag festgestellt, dass ihm auch das Unterrichten liegen könnte. "Sportlehrer wäre eigentlich ein cooler Beruf."