Stürmisch waren die Zeiten, als der Verein vor exakt einem viertel Jahrhundert in Oranienburg ins Leben gerufen wurde. "Alle mussten sich quasi über Nacht mit einem ganz neuen Rechtssystem auseinandersetzen", erinnert sich Schelletter, der als junger Berliner Rechtsanwalt genauso zu den Gründungsmitgliedern zählt wie Christine Melerowicz-Engelmann, die sich kurz danach als Rechtsanwältin in Oranienburg niederließ. Beide stehen seit 25 Jahren an der Spitze des Vereins, Schelletter als Vorsitzender und Christine Melerowicz-Engelmann als seine Stellvertreterin.
Welche Rechte haben Mieter? Aber auch welche Pflichten? Was ist bei Mieterhöhungen zu beachten, was bei der Abrechnung von Betriebskosten? "Das war für Hauseigentümer anfangs ein ziemlich undurchsichtiges Gesetzesdickicht. Wir haben als Verein dabei geholfen, es transparenter und verständlich zu machen", sagt Schelletter. Für große Unsicherheiten sorgten zu Beginn der 1990er-Jahre zudem eine Fülle von Rückübertragungsansprüchen. Zu den Sprechstunden bildeten sich damals oft lange Schlangen vor der Geschäftsstelle. "Denn der Beratungsbedarf war einfach riesig."
Die sieben Gründungsmitglieder blieben nicht lange unter sich. Ihre Zahl wuchs in den ersten Jahren des jungen Vereins rasant. Inzwischen zählt der Haus- und Grundeigentümerverein Oranienburg 323 Mitglieder und ist damit einer der stärksten im Landesverband. Sie kommen aus dem gesamten Altkreis Oranienburg. Einzelne Mitglieder seien aber auch in Bayern und im Ruhrgebiet zu Hause. "Weil sie im Südkreis von Oberhavel Wohnungen besitzen, gehören sie unserem Verein an", sagt Schelletter. Er stellt aber sofort klar, "dass wir keine Vereinigung von Spekulanten sind". Zwei bis vier Wohnungen stünden durchschnittlich im Eigentum der Vereinsmitglieder. Das seien alles solide und bodenständige Leute, die nicht mit der Not anderer Geschäfte machen wollten.
"Unsere kontinuierliche und solide Arbeit hat uns stark gemacht", ist der 56-jährige Vorsitzende überzeugt. Mit den Sorgen, Nöten und Fragen der Mitglieder habe sich der Vorstand immer intensiv und konkret beschäftigt. Für kompetente Beratung zu den Themen Mietrecht, Betriebskosten, steuerrechtliche Fragen sowie zum Nachbarschaftsrecht und zu öffentlich-rechtlichen Problemen stünden seit Anbeginn an verschiedene Vorstandsmitglieder ehrenamtlich zur Verfügung. Diese Spezialisierung habe sich bewährt. Der Grundsatz gelte nach wie vor. Denn der Gesetzgeber schlafe nicht und komme ständig mit neuen Bestimmungen und Vorschriften, die meist auch immer spezieller würden.
Öfters kämen jetzt Fragen zu Vorsorgevollmachten und Patientenverfügungen aus der Mitgliederschaft. "Wir helfen, wo wir können. Es hat mir immer Spaß gemacht und ist eine große Freude zu sehen, wenn die Mitglieder von unserer Beratung profitieren", so Schelletter, der stolz darauf ist, dass der Mitgliedsbeitrag unverändert ist. Aus 120 DM seien lediglich 61 Euro geworden. "Ich würde mich freuen, wenn wir mit dem Wachstum Oranienburgs Schritt halten können. Für junge und neue Mitglieder ist der Verein immer offen".
Wie eine große Familie fanden sich am Freitag immerhin 160 Mitglieder zur Festveranstaltung mit Wildschweinessen im Gasthof Niegisch ein. Statt Beratung stand Geselligkeit an. Die wird auch bei gelegentlichen Ausflügen oder Besichtigungen gepflegt - "eine gewachsene Gemeinschaft eben", wie Schelletter betont.
Die Geschäftsstelle des Haus- und Grundeigentümerverein Oranienburg befindet sich in der Dr. Heinrich-Byk-Straße 1, Telefon 03301 201490. Sie wird von Heidrun Wagner geleitet. Geöffnet ist dienstags von 8 bis 19 Uhr und mittwochs von 8 bis 15 Uhr. Beratungssprechstunden finden dienstags von 17 bis 19 Uhr statt.