Riesenerfolg für Oranienburger Filmemacher: Das Flüchtlingsdrama „Borga“ ist beim Max-Ophüls-Filmfestival mit vier Preisen ausgezeichnet wurden. Das teilte der Südwestrundfunk (SWR) am späten Samstagabend mit. Co-Regisseur des Streifens von York-Fabian Raabe war der Oranienburger Eric Golub, Aufnahmeleiter Sebastian Ebert aus Lehnitz.

Bester Film, bester Hauptdarsteller

Die deutsch-ghanaische Produktion „Borga“ wurde als „Bester Spielfilm 2021“ ausgezeichnet. Zudem gewann er den Publikumspreis und lag auch bei der ökumenischen Jury vorn. Darüber hinaus wurde Eugene Boateng als Associate Producer und Hauptdarsteller von "Borga" mit dem Preis für den gesellschaftlich relevanten Film ausgezeichnet.
„Es ist der absolute Wahnsinn“, zeigte sich Eric Golub nach der Preisverleihung, die am Samstagabend als Online-Event stattfand, von den gleich vier Preisen überwältigt: „Das gab es unseres Wissen nach noch nie auf dem Max-Ophüls-Festival. Die Begründungen der Jury und der Publikumspreis zeigen sowohl, dass es ein unterhaltsamer und guter Film ist, aber auch einer mit hoher gesellschaftlicher Relevanz.“

Aufgewachsen auf Elektroschrotthalde

Im Mittelpunkt des Films steht Kojo aus Accra, der ein Borga werden will. So werden in Ghana Landsleute genannt, die es im Ausland zu etwas gebracht haben und ihrer Familie in der Heimat zu Wohlstand verhelfen. Kojo, der auf einer Elektroschrotthalde aufgewachsen ist, folgt seinem Traum nach Deutschland, muss dort aber feststellen, dass das Leben als reicher Borga eher Mythos als Realität ist. Gleichzeitig thematisiert der Film den sorglosen Umgang der Europäer mit ausgedienten Elektrogeräten, der in Afrika unzählige Kinder auf den Deponien vergiftet.
„Die Macher*innen von „Borga“ scheinen zu wissen, zu spüren und zu erleben: So wie wir bisher gelebt, geliebt und gearbeitet haben, geht es nicht weiter“, begründete die Jury ihre Entscheidung für den Preis für den besten Spielfilm. „In einer epischen Erzählweise, ohne Angst vor Schönheit und mit Empathie für sämtliche Figuren, spricht der Film eine ganz besondere Einladung aus: mithilfe eines unerhörten Narrativs – einer konsequent Schwarzen Perspektive im deutschen Kino nach Antworten zu suchen." In der Begründung für den Preis als relevantester Film heißt es: „Warum berührt der Film ,Borga’ auf außergewöhnliche Weise? Es sind nicht nur die Bilder, die Geschichte selbst oder die präzisen Aussparungen darin. Außergewöhnlich ist die genaue Arbeit an der Glaubwürdigkeit der Darstellung, die Eugene Boateng seinem Team zur Verfügung stellt. Durch die Augen Kojos wird seine Sicht auf die Welt spürbar. Ohne jede Bewertung. Er ist die Identifikationsfigur, der Handelnde und nicht wie so oft im Kino des Weißen Blicks der Fremde oder Andere.
Ob und wann der Film nach dem Corona-Lockdown ins Kino kommt, ist noch unklar. Durch den Erfolg beim Filmfestival dürften die Verleiher den Streifen jetzt aber auf dem Zettel haben. Im Fernsehen wird er vermutlich im kommenden Jahr gezeigt. Der SWR und Arte sind Koproduzenten des Filmes.