Einige Kommunalpolitiker von damals sind heute noch dabei: In den 1990er-Jahren hatten sich die Stadtverordneten für die freie Trägerschaft entschieden, um eine große Vielfalt an Konzepten zu erreichen. Die Fraktionen Linke und CDU hatten nun einen Antrag eingebracht, wonach die Verwaltung prüfen sollte, ob es möglich wäre, alle oder einige Kitas wieder selbst zu betreiben. Die Linke sieht dabei den Bildungsauftrag eher bei der öffentlichen Hand, wie Dr. Sylvia Scholz ausführte. Die CDU wollte ergebnisoffen prüfen, so Dr. Raimund Weiland.
Befragte Eltern sind zufrieden
Der Sozialausschuss und der Finanzausschuss haben am Donnerstag in gemeinsamer Sitzung getagt und sich über das Gutachten informieren lassen. Christoph Trumpp von der B & G Management und Kommunalberatung aus Dresden legte ausführlich dar, dass das bisherige Prinzip der freien Träger durchaus funktioniert. Eltern- und Kitaausschüsse wurden mit eingebunden. Etwa die Hälfte der ausgegebenen Elternfragebögen sei beantwortet worden, so Trumpp. "Unterm Strich steht eine sehr hohe Zufriedenheit der Eltern." Sie wünschten sich demnach vor allem Kontinuität und keine Veränderungen der Strukturen.
Betriebsüberlassungsverträge mit freien Trägern aufzulösen, habe vor Gericht wenig Chancen, so Trumpp. Er sieht allerdings auch keine Notwendigkeit dafür. Eher sollte die Stadt versuchen, die Verträge über Änderungen der Finanzierungsrichtlinie anzupassen. Grundsätzlich könnte die Stadt beim Neubau einer Kita diese selbst betreiben. Eine Mischform aus freien Trägern und kommunalen Einrichtungen sei aber wegen des Aufwandes nur dann empfehlenswert, wenn mindestens drei Kitas kommunal wären. Trägervielfalt ist aber auch wegen der Vielfalt des Angebots laut Sozialgesetzbuch 8 die zu bevorzugende Form.
Den Versuch einer Träger-Kündigung hat die Stadt einmal vergeblich unternommen. Die Verwaltung hatte versucht, den Vertrag mit dem Träger der Kita "Pusteblume" im Stadtteil Hohen Neuendorf aufzulösen. Das Verfahren ist noch nicht beendet, das Oberverwaltungsgericht hatte aber vorerst die Kündigung untersagt, um das Kindeswohl zu schützen. Die Kita stehe im Bedarfsplan der Stadt. "Kontroversen zwischen den Einrichtungen und Kommunen liegen in der Natur der Sache", sprach Christoph Trumpp auch aus Erfahrung mit anderen Kommunen. Er riet dazu, regelmäßige Gespräche mit Einrichtungsleitern und Trägern zu führen und Rollen neu zu verteilen. Ein ganzheitliches Energiemanagement, beispielsweise die zentrale Vergabe der Hausmeister und Reinigung, könne zur Wirtschaftlichkeit beitragen, und auch die Träger sparten damit Verwaltungskosten ein. Auch einige Beschwerden könnten vermieden werden. Dass die Kita-Platzvergabe allein bei der Stadt liege, sei nicht allen Eltern bewusst. Viele wendeten sich mit Anfragen an die Einrichtungen. Die Stadt werde künftig eine eigene Plattform für die Vergabe zur Verfügung stellen, kündigte Sozialfachbereichsleiter Sebastian Kullack an. "Die Platzvergabe ist für die Eltern ein riesiges Thema", erklärte auch Claudia Lübke vom Verein Impuls. Die pädagogischen Ansätze der Trägergesellschaften werde im Gutachten wenig beachtet, merkte sie an, dabei sei dieser auch für die Finanzierung wichtig.
Neue Ausschreibung
Es liegt eine Kündigung vonseiten eines Trägers vor: Das Evangelische Jugend- und Fürsorgewerk (EJF) wird die beiden Bergfelder Kitas ab Mitte 2021 nicht mehr betreiben. Bedauerlich, dass damit der einzige kirchlich orientierte Träger die Stadt verlasse, fand Raimund Weiland.
Der Linken-Antrag, diese Kitas kommunal zu führen, empfahlen die Fachgremien den Stadtverordneten nicht. Die Trägerschaft werde in einem zweistufigen Verfahren mit Teilnehmerwettbewerb und ausgewählten Bewerbern neu ausgeschrieben, informierte Sebastian Kullack, wobei die Einrichtungen zusammen oder einzeln vergeben werden können. Eine Fachjury aus je zwei Vertretern der Elternschaft pro Einrichtung, zwei Mitarbeitern pro Kita, einem Vertreter pro Fraktion und zwei Mitarbeitern der Verwaltung soll Kriterien festlegen. Dass EJF-Mitarbeiter dabei sind, sei ausdrücklich gewollt, so Kullack. Bei einem Betriebsübergang würde das Personal zumindest für die erste Zeit übernommen.

Vielfältige Kita-Landschaft


Hohen Neuendorf hat eine vielfältige Kita-Landschaft. Unter den aktuell zwölf Kitas sind kleine Einrichtungen, aber auch solche für mehrere hundert Kinder. Auch die Konzepte und die Trägerstruktur sind vielfältig. Manche Träger sind bundesweit tätig, andere regional.Zurzeit gibt es 2 152 Kita-Betreuungsplätze in der Stadt. Dazu kommen 167 weitere Plätze bei 34 Tagespflegepersonen. Durch Zuzug besteht perspektivisch Bedarf an mindestens einer weiteren Kita. Die Ausweitung kostenfreier Kita-Jahre kann auch zu einem erhöhten Bedarf an Plätzen führen. hw