Der Wettbewerb stand im Zusammenhang mit dem Kurt-Weill-Fest in Dessau. Das stand dieses Jahr unter dem Titel "Aufbruch: Weill und die Medien", und so wurde eine "Tweetfonie" geschrieben - komponiert von mehr als 50 Komponisten aus aller Welt und getwittert innerhalb eines Tages. Die passendsten Stücke wurden anschließend von einem Team von Komponisten für großes Orchester arrangiert. Die Uraufführung mit der Anhaltischen Philharmonie hat Anfang März in der Bauhaus-Stiftung stattgefunden.
Nadja Felscher hat drei Tweets eingereicht, und zwei davon wurden angenommen und bearbeitet. Dass ihre Melodien "Damals" und "Das blaue Klavier" dabei sein würden, damit hat sie nicht gerechnet. Sie habe das Konzert übers Internet verfolgt und sei überrascht gewesen, als sie ihren Namen eingeblendet sah und ihre Musikstücke orchestriert hörte. 150 Komponisten haben teilgenommen - 53 Kurzwerke waren im Konzert zu hören.
Die Borgsdorferin sitzt in ihrem kleinen Arbeitszimmer unterm Dach ihres Hauses und freut sich noch immer. Sie spielt die Stücke am Klavier an und dann zum Vergleich die Orchesterfassung auf Youtube. Der Unterschied ist frappierend: Sanfter und eingängiger klingt das Klavier. Die Streicher des Orchesters sorgen für Spannung.
"Ich habe mich gefreut, Teil dieser Aktion zu sein und fand total klasse, was daraus geworden ist", sagt Nadja Felscher. "Ein Ton ist verändert, einen halben Ton höher gesetzt worden", erklärt die Musikerin. "Damit wurde das ganze Stück viel dramatischer. Toll." Das zweite Arrangement sei ebenfalls ganz in ihrem Sinn bearbeitet worden. Hier freut es sie besonders, dass Kurt Weills eigener musikalischer Duktus hinter ihrer Musik ein wenig anklingt.
Die Tweets, mit denen sie im Konzert zu hören ist, sind kurze Auszüge, die sie früher komponiert hatte. Erfahrungen beim Komponieren hat die Musikerin schon lange, und ebenso passte das Thema perfekt zu ihr. Nadja Felscher hat an der Humboldt-Universität Musik in den Fächern Klavier, Trompete und Gesang studiert. Ihr erstes Staatsexamen habe sie damals zum Frühwerk von Kurt Weill geschrieben, sagt die 42-Jährige, die vor allem dessen Hinwendung zur Atonalität schätzt.
Die Künstlerin, die auch im Hohen Neuendorfer Kulturkreis in der Arbeitsgruppe "Schreibmut" Mitglied ist und Lesungen hält, hat eigene Texte vertont sowie Gedichte von Else Lasker-Schüler und Rainer Maria Rilke. Die Mutter dreier Kinder findet in ihrem Dachstübchen die nötige Ruhe, "stundenlang an den Melodien zu basteln", wie sie sagt. Die Kompositionen hält sie gleich im Rechner fest. Rilkes eingängiges Versmaß lasse sich übrigens leichter in Töne fassen als Lasker-Schülers sehr unterschiedliche Verse, verrät sie.
Nadja Felscher ist gerade dabei, ihren künstlerischen Radius auszudehnen und bei Liederabenden auch als Sängerin eigener Kompositionen aufzutreten. Regelmäßig ist sie bereits bei den Modenschauen der Hohen Neuendorferin Künstlerin Masha Lofft zu hören, aber auch bei Auftritten zwischen Berlin und Kremmen.
Unter Tweetfonie plus "damals" sowie "das blaue Klavier" sind Nadja Felschers Stücke auf Youtube nachzuhören. Näheres über die Künstlerin ist unter www.nadja-felscher.de zu erfahren.