Kostenloser Schnitt
: Haare ab für krebskranke Kinder!

Die Oranienburger Friseurmeisterin Eileen Bohm sucht Menschen mit langer Mähne. Die Haare sollen gespendet werden, um daraus Perücken für krebskranke Kinder zu machen.
Von
Burkhard Keeve
Oranienburg
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Friseurmeisterin Eileen Bohm (34), genannt Leeny, mit zwei Zöpfen, die noch gebraucht werden.

Burkhard Keeve/MOZ

Zum Beispiel das Foto eines Mädchens mit Glatze. „Das hat mein Herz berührt“, sagt die 34-Jährige. Nach einer Chemotherapie waren dem Kind die Haare ausgefallen. Das Bild stammte von der Facebook-Seite „Haarspender“ aus Österreich. Das ist ein Verein, der lange Haare entgegennimmt, um daraus Echthaarperücken für Kinder, die an Krebs oder kreisrundem Haarausfall (Alopecia areata) leiden, herzustellen. Krankheiten, bei denen auch schon kleine Patienten nach und nach komplett ihre Haare verlieren.

Mindestens 30 Zentimeter

„Mädchen ohne Haare machen mich traurig“, sagt die Oranienburger Friseurmeisterin, die alle nur Leeny nennen. „Und die Krankenkassen übernehmen nicht immer die Kosten für Echthaarperücken“ (siehe Hintergrund). Also ran an die Schere, dachte sich Eileen Bohm. Seither macht sie Werbung bei ihren Kunden für die Haarspende. Auch auf der Internetseite des Vereins aus Österreich ist sie als Partnersalon zu finden. „Dadurch habe ich schon Kunden aus Berlin bei mir gehabt“, sagt die 34-Jährige.

Also statt wegwerfen, aufheben und spenden. Einzige Voraussetzung: Die abgeschnittenen Zöpfe für die Perücken müssen mindestens 30 Zentimeter lang sein.  "Hier saß ein kleines Mädchen, das unbedingt spenden wollte. Seine Mutter war traurig darüber, aber sie ließ sich nicht davon abbringen, Für sie war es leicht, sich zu trennen. ,Sie sind doch für ein anderes Kind’, hat es gesagt“, erinnert sich Friseurin Leeny. Die 34-Jährige steckt voller Haar-Geschichten. Vor drei Monaten kam ein frisch verheiratetes Pärchen in ihren Salon. Er wollte seine sehr langen Haare abschneiden lassen. „Der sah damit aber wirklich gut aus“, sagt Eileen Bohm. „Doch er wollte sie gerne spenden. Seine Frau war echt nervös, er war locker.“ Schließlich hat seine Frau ihm sogar selbst den langen Zopf dunkler Haare abgeschnitten. Sein Mut wurde belohnt. „Sie hat ihn danach ganz verliebt angesehen. Er sah mit kurzen Haaren nämlich noch besser aus. Echt klasse.“

Nach dem Schnitt macht Eileen Bohm gern noch „Heldenfotos“ für die Facebook-Seite. Aber nicht alle ihrer Haar-Helden wollen das. „Ein Mann hat das zum Beispiel abgelehnt. Er wolle einfach nur spenden. Auch das ist lobenswert“, findet die Friseurin. Bei einer Kundin musste sie eine Weile warten, bis sie emotional so weit war, sich vor die Kamera zu stellen. „Sie war total süß, so Mitte 20, etwas schüchtern und sehr freundlich“, sagt Leeny. Doch der Abschied von ihrer geliebten Langhaarfrisur muss die Kundin am Ende doch sehr mitgenommen haben. „Ich habe fast mitgeweint, so hat uns beide das bewegt.“ Nach einer Viertelstunde klappte es dann auch mit dem Bild. „Ihr waren die verheulten Augen egal.“

Mädchen lieben Elsa

Dann zeigt die Oranienburgerin einen kleinen Beutel, in dem sie einige lange Zöpfe ihre Kunden aufbewahrt. „Noch lohnt es sich nicht, sie nach Österreich zu schicken.“ Doch das soll sich bald ändern. Eileen Bohm hat sich zum internationalen Kinderkrebstag am Sonnabend, 15. Februar, eine besondere Aktion ausgedacht. "An diesem Tag schneide ich allen Spendern kostenlos ihre Haare, wenn sie mindestens 30 Zentimeter lang sind."  Vielleicht sind auch ganz lange blonde darunter. Denn die Mädchen würden derzeit sehr auf Frisuren stehen, wie sie Elsa trägt – die Eiskönigin. Das ist die Hauptfigur eines Computeranimationsfilms von Walt Disney Pictures.  „Alle Mädchen lieben Elsa, ob sie nun gesund oder krank sind.“

Wer am 15. Februar seine langen Haare spenden will, muss sich bei „Leenys Beauty“, Lehnitzstraße 2, in Oranienburg anmelden. Telefon: 03301 5785569. Der Schnitt ist aus Anlass des Kinderkrebstages kostenlos. Dieser internationale Tag wurde am 15. Februar 2002 ins Leben gerufen, um auf krebskranke Kinder und Jugendliche und deren Angehörige aufmerksam zu machen.

Das sagen die Krankenkassen zu den Perücken-Kosten

Die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) übernimmt die Kosten für eine Echthaarperücke bei einem krankheitsbedingten großflächigen Haarverlust, wenn eine Kunsthaarperücke aus medizinischen, nachgewiesenen Gründen nicht geeignet ist. Die Kostenübernahme erfolgt in Höhe vertraglich vereinbarter Preise. Die Kosten für eine Neuversorgung können dann übernommen werden, wenn die vorhandene Perücke auch unter Berücksichtigung vereinbarter Mindesttragezeiten (als Qualitätsmerkmal) für eine weitere Nutzung nicht mehr geeignet ist.

Die Barmer Ersatzkasse teilt dazu auf Nachfrage mit: In der Regel erfolgt die Versorgung durch Haarersatz aus Kunsthaar. Dieses wird heutzutage so gut angefertigt, dass es optisch kaum von Echthaar zu unterscheiden ist. Die Kosten für eine Echthaarperücke werden im Einzelfall übernommen, wenn aus medizinischen Gründen die Versorgung aus Echthaar erforderlich ist. Dies kann zum Beispiel bei allergischen Reaktionen auf Kunsthaar der Fall sein.⇥bu