Windräder im Wald - es ist ein Thema, das die Emotionen hochkochen lässt. Das wird am Sonnabendvormittag auf dem Kremmener Marktplatz schnell klar. Der Landschaftsförderverein Oberes Rhinluch hatte dazu aufgerufen, sich zu einer Protestaktion zusammenzufinden und gegen den Regionalplan der Regionalen Planungsgemeinschaft Prignitz-Oberhavel zu demonstrieren, der im Kremmener Raum zwei Windeignungsgebiete im Schleuener Wald zwischen Beetz und Neuendorf sowie bei Staffelde vorsieht.
"Alles wird zerstört von einigen Leuten, die Profit machen wollen. Die Relationen stimmen einfach nicht", ärgert sich Gabriele Dallinger-Stille. Es gehe nicht nur um Windräder im Wald, sondern auch darum, dass dann Trassen gebaut werden und breite Straßen angelegt werden müssten. "Das verscheucht die Tiere", ist sich Gabriele Dallinger-Stille sicher. Während der Veranstaltung werden von Rednern, aber auch unter den Teilnehmern, weitere Punkte angeführt, die gegen den Bau von Windkraftanlagen sprechen: Brandgefahr im Wald durch die Windkraftanlagen, Vertreibung vieler geschützter Tierarten, Verschandelung der Natur, Verlust der Artenvielfalt in der Region. Sebastian Partzsch, Vorsitzender des Landschaftsfördervereins Oberes Rhinluch wies auch darauf hin, dass das vorgesehene Windeignungsgebiet im Wald bei Staffelde die Kranichvorkommen beeinflussen könne. So führten die Zugrouten von Kranichen und Gänsen über das Waldgebiet, beziehungsweise an dessen Kanten zum Kranichschlafplatz Linum sowie zu Nahrungsplätzen. Partzsch fordert deshalb die Streichung der beiden Windeignungsgebiete durch die Regionale Planungsgemeinschaft Prignitz-Oberhavel.
Er gibt auch zu bedenken: "Werden die Windräder gebaut, hat das sicher auch negative Folgen für den regionalen Einzelhandel. Unsere regionale Wertschöpfung und der Tourismus werden beeinträchtigt, Arbeitsplätze gehen verloren, Immobilienpreise sinken." Dass auch Touristen den Regionalplan mit Sorge betrachten, verdeutlicht der Landschaftsförderverein später, als er Auszüge von Zuschriften vorliest. "Als Touristin ist es für mich ein Unding, dieses Naturschutzgebiet zu zerstören", schreibt unter anderem eine Frau aus Bayern.
Sebastian Partzsch überreicht Bürgermeister Klaus-Jürgen Sasse (SPD) anschließend symbolisch die Unterschriften, die der Verein im Vorfeld gegen den Regionalplan gesammelt hatte, mit der Bitte an Bürgermeister und Verwaltung, den Protest in die Entscheidungspolitik zu tragen. Fast 800 Menschen hatten Postkarten unterschrieben und dem Verein zugeschickt. Ob das bei der Entscheidung zu den Windeignungsgebieten berücksichtigt wird, bleibt abzuwarten. Auch wenn Bürgermeister Sasse sich gegen die Pläne ausspricht, die abschließende Entscheidung trifft die Regionalversammlung, in der Sasse neben seinen Amtskollegen aus der Prignitz, Ostprignitz-Ruppin und Oberhavel nur eine Stimme hat. In den kommenden Monaten wird nun darüber beraten, alle Stellungnahmen zum Projekt werden gelesen und abgewogen. Insgesamt wurden aus den Landkreisen 2 000 eingereicht. Auch der Landschaftsförderverein hat eine ablehnende Stellungnahme geschrieben.
Egal, wie die Entscheidung ausfällt, Edith Szezekocki möchte ein Zeichen setzen und schnappt sich zwei Schilder mit der Aufschrift "Keine Windräder in unserem Wald!", die zuvor Demonstranten gehalten hatten. Die Schilder will sie nun in ihrem Garten aufstellen. Für die Frau aus Neuendorf ist das selbstverständlich. Durch ihren Protest möchte sie Anlagen in Wäldern verhindern. "Man darf nicht nur in der Zeit leben, man muss auch was tun", sagt sie.