"Wir werden nach diesem Abend gemeinsam festlegen, welchen Kandidaten wir unterstützen und zur Wahl empfehlen", legte der Linken-Fraktionsvorsitzende im Stadtparlament, Reiner Tietz, die Messlatte für das Schaulaufen in Meyhöfers Gasthaus gleich zu Anfang ziemlich hoch.
Umso mehr verwunderte es, dass nur drei der vier zur Wahl antretenden Bewerber sich bei den Linken um Zustimmung bemühen wollten. Mit dem parteilosen Kremmener Ortsvorsteher Eckhard Koop fehlte zudem ausgerechnet der Kandidat, der im Stadtparlament in einer gemeinsamen Fraktion mit den Linken sitzt. Koop ließ mitteilen, dass er nur aus reinen Terminschwierigkeiten - er sei schließlich Selbstständiger - der kurzfristig erfolgten Einladung nicht folgen könne.
Die verbliebenen drei Bewerber stellten in einer ersten Runde zunächst sich selbst und dann die Eckpunkte ihres Wahlprogramms den rund 30 erschienenen Bürgern vor. Der amtierende Bürgermeister Klaus-Jürgen Sasse, der erneut für die SPD antritt, verwies auf seine langjährige Amtserfahrung als Pluspunkt gegenüber seinen Mitbewerbern. Als zukünftige Schwerpunkte für Kremmen nannte er unter anderem den verstärkten Radwegebau, den Ausbau der alternativen Energien ohne Ausbau der Windkraft sowie die bessere Ausstattung der Freiwilligen Feuerwehren.
Der jüngste Kandidat, der Staffelder Ortsvorsteher Sebastian Busse, warb mit dem Slogan "modern, flexibel, belastbar" für sich. Der CDU-Bewerber, der seit 2015 Mitglied und zugleich Fraktionsvorsitzender in der Stadtverordnetenversammlung ist, gab als vorrangige Ziele an, mehr Bürgernähe und mehr Transparenz schaffen zu wollen. Zudem regte er unter anderem ein Jugendparlament, ein beitragsfreies Kitajahr und die Förderung von Tagesmüttern an. Auch die Unterstützung der Kremmener Vereine solle verbessert werden.
Arthur Förster, der für die Wählervereinigung UWG/LGU antritt, verwies auf seine langjährigen Erfahrungen als Gemeindevertreter und Hohenbrucher Ortsvorsteher. Der Bau der Radwege Sommerfeld/Hohenbruch und Ludwigsaue/Beetz lägen ihm besonders am Herzen. Außerdem wolle er das leer stehende Kremmener Klubhaus wieder zum Zentrum des gesellschaftlichen Lebens machen.
Genau diese - nach vielen Querelen in der Stadtverordnetenversammlung - auf Eis liegende Sanierung des Klubhauses war auch eine von sieben Forderungen der Linken, zu denen die Kandidatenrunde Stellung nehmen sollte. Alle drei Befragten verwiesen auf die nötige Zustimmung des Denkmalschutzes und die nur damit mögliche Förderung der millionenschweren Sanierung des Klubhauses.
Etwas kontroverser ging es bei der ansonsten oftmals von ähnlichen bis identischen Meinungen geprägten Runde beim Thema Integration von Flüchtlingen zu. Während Bürgermeister Sasse noch einmal die von ihm initiierte und nicht unumstrittene Wohnanlage an der Berliner Straße verteidigte und Integration als "Herzensangelegenheit" bezeichnete, beklagte Arthur Förster, dass Deutschland Probleme ausbaden müsse, die "die Großmächte schaffen". Er würde es lieber sehen, wenn die Flüchtlinge "wieder in ihre Heimat ziehen und dort in Ruhe und Frieden leben könnten".
Am Ende der Veranstaltung fragte ein Bürger nach, ob denn "der Bewerber Koop von der Linken nun gar keine Chance bekommen würde". Reiner Tietz teilte daraufhin mit, dass dem Kandidaten schriftlich die Möglichkeiten gegeben werden soll, seine Standpunkte darzulegen.