„Er war ein Ausnahmekünstler, ein großer Tiefstapler, ein Stiller, ein Knurrhahn“, sagt Galerist Andreas Christoph Schneider. „Ach, ich freu mich auf die Ausstellung über Horst Baudisch.“
Es ist alles für die Vernissage am kommenden Sonnabend vorbereitet. Im Garten stehen Tische und Stühle bereit. Der große Raum der Galerie Waldhof ist ordentlich aufgeräumt, damit die Gäste Platz haben und Abstand halten können. Gut, dass zu dieser Werkschau keine großen Statuen gehören: Horst Baudisch, der 2015 in Lehnitz gestorben ist, war zwar ein sehr vielseitiger Künstler, der auch Plastiken und ganze Spielplätze schuf. Aber die stehen draußen, meistens in Berlin. Lediglich eine kleine Holzfigur hat Horst Baudischs Frau als Leihgabe mitgebracht. Alles andere findet dicht an dicht an allen Wänden der Galerie Waldhof Platz.

Vieleckige Schiffe und Jazz-Kapellen

Da sind zum einen die Ölgemälde, die oft stark an Lyonel Feiningers gläsern wirkende, expressionistische Kirchen und Kathedralen erinnern. In Horst Baudischs eigenem Stil formen sich farbige Drei-, Vier- und Vielecke und spitze Winkel zu Schiffen, Häusern, sogar zu bunten Hochzeitsgesellschaften und zu dynamischen Musikkapellen, denn seine musikalische Richtung war der Jazz. Zum anderen sind Handdrucke von Holzschnitten, Zeichnungen, Grafiken und Radierungen zu sehen. Es ist die erste Ausstellung, die sein grafisches Werk in diesem Umfang zeigt. Seine Frau hat viele Zeichnungen und kleinformatige Werke aus seinem Nachlass zutage gefördert und Schneider zur Verfügung gestellt.

Landschaft und Literatur als Motive

Einmal im Jahr Hiddensee musste sein. Entsprechend findet sich die Insel im Werk abgebildet. Motive fand der Künstler auch in der Literatur: Brechts „Legende vom toten Soldaten“ hat er mehrfach bildlich in Szene gesetzt, die Schöne und das Biest sind als gezeichnete Akte feingliedrig zart umgesetzt. Auf mehreren Gemälden und Zeichnungen findet sich ein Flöte spielender Pan, und auch das Gedicht vom Erlkönig hat er mehrmals interpretiert, unter anderem im Selbstporträt. Fast wie eine Signatur findet sich eine schlanke, weiß gekleidete Frau auf einigen Bildern. Seine Frau stand ihm des Öfteren Modell, die beiden Söhne ebenfalls. Mit feiner Ironie klampft Wolf Biermann vom klotzig wirkenden Holzschnitt: „O Gott, lass doch den Kommunismus siegen“.

Prädikat „Verdienter Erfinder“

Zugleich hatte Baudisch ein Berufsleben als Ingenieur, und als solcher war er ein Erfinder und Tüftler: 30 Patente hat er angemeldet, darunter auch eines für ein Klappfahrrad mit ausladendem Lenker. Ein Geschirr in Bauhaus-Optik hat er ebenso entworfen wie einen multifunktionalen Traktor. Der Ministerrat der DDR verlieh ihm den Ehrentitel „Verdienter Erfinder“

Mitbegründer der Friedrichshagener Bilderkneipe

Horst Baudisch wurde 1938 im Sudetenland geboren. Seine künstlerischen Einflüsse holte er sich an der Burg Giebichenstein in Halle. Er lebte und arbeitete lange Zeit als Künstler in Berlin, wo er Ende der 1970er-Jahre Mitbegründer der Friedrichshagener Bilderkneipe war, so Galerist Andreas Schneider. „Die war damals mit wechselnden Ausstellungen ein Leuchtturm der Kunst, abseits des staatlichen Kunstbetriebs, aber eine Zeitlang geduldet.“

Zurückhaltender Zeitgenosse

Der Galerist selbst hat Horst Baudisch Anfang der 1990er-Jahre in Oranienburg kennengelernt. Seither war Baudisch ein häufiger, zumeist stiller, zurückhaltender Gast in den Galerien, die Schneider zeitweise auch in Hohen Neuendorf und Oranienburg betrieb. Die beiden wurden zu einer Art Weggefährten. Andreas Schneider hat schon mehrfach Ausschnitte aus Baudischs Werken präsentiert. „Er war ein toller Typ, aber er hat sich nie in den Vordergrund geschoben“, sagt Schneider, und es ist ihm anzumerken, wie stolz er darauf ist, diese Retrospektive präsentieren zu können. Er geht davon aus, dass er den Ausnahmekünstler Horst Baudisch am Sonnabend etwa hundert Gästen näherbringen wird.

Die Vernissage findet am 12. September um 17 Uhr in der Galerie Waldhof, Am Walde 9, in Birkenwerder statt.