Ulla Kielczynski hat ihre am Computer erstellten Bilder großflächig auf Folien drucken lassen. Die Kunst wirkt umso plakativer. Am blauen Gartenschuppen ist eins der Objekte ein Hingucker. An der Terrasse in Oranienburgs Süd hängt das von fröhlichen Formen und Farben bestimmte Bild „Optimismus“.
„Ich habe ein Paradox für mich aufgelöst“, sagt die Künstlerin. Jahrelang habe sie nur am Computer gearbeitet, auf die Verwendung von Plastik bewusst verzichtet. Nun aber sehe sie nicht mehr ein, dass sie im kleinen Maßstab die Umwelt schonen solle, während die Industrie sich im großen Maßstab nicht daran halte.

Plastik im Meer und auf den Feldern

Ulla Kielczynski nennt den Verpackungsmüll, Plastik in den Ozeanen und die hunderte Meter langen Folienbahnen auf Spargel- und Erdbeerfeldern im Frühjahr. „Und das nur, um die Saison zu verlängern“, ärgert sie sich. Es gebe vieler solcher Beispiele. Eines habe sie besonders entsetzt. Tropische Regenwälder würden abgeholzt für Rinderherden. Das Leder des Viehs würde für die Innenausstattung deutscher Luxuskarossen verwendet. Es gibt viele weitere Beispiele von Verschwendung, Zerstörung und Vermüllung. „Ich sehe nicht mehr ein, dass ich mit einer Tupperdose in den Bioladen gehen soll, um Verpackungen zu sparen“, sagt die 56-Jährige.
Viele Umweltprobleme und die Warnungen vorm Klimawandel seien doch Jahrzehnte alt. „Jute statt Plastik, hieß es schon schon in den 80er-Jahren“, erinnert sich die Niedersächsin, die vor 20 Jahren mit Mann und Kindern aus Berlin nach Oranienburg zog. „Heute stehen wir praktisch schon mit den Füßen im Wasser, merken es nur nicht“, sagt sie. Doch der Anstieg des Meeresspiegels würde jüngere Generationen bereits betreffen.

Lustlosigkeit überwunden

Ulla Kielczynski hat die pandemiebedingten Einschränkungen genutzt, um mehr über sich und ihre Kunst nachzudenken. Natürlich habe sie ein schlechtes Gewissen, wenn sie nun wieder Folien verwende. Aber mit der Neuorientierung habe sie auch eine Lustlosigkeit überwunden. Gleichzeitig könnten die wetterfesten bedruckten Folien auch draußen aufgehängt werden. Wer weiß, wann wieder Ausstellungen in geschlossene Räumen stattfinden können? In der vergangenen Woche hat sie dann einige Folien auf dem Außengelände des Oranienwerks aufgehängt.

Kein Platz im Oranienwerk

Tatsächlich fällt die kommende, die zehnte Artroom-Ausstellung des Kunstraums im Oranienwerk aus. Der Grund ist aber eine andere Nutzung der Galerie. Der Koch Christian Haferkorn eröffnet dort in der Vorweihnachtszeit ein Pop-Up-Restaurant.
Stattdessen werden die Bilder beteiligter Künstler ab 15. Oktober in den Schaufenstern des früheren A-Z-Ladens in der Bernauer Straße gezeigt, auch von Ulla Kielczynski. „Die Woba hat uns die Räume erneut unkompliziert überlassen“, sagt die Vereinsvorsitzende Christiane Grintzewitsch. Schon den vergangenen Jahren wurde der leere Laden wiederholt zum Kunstschaufenster.

Schaufenster der Kunst

Bis zum 30. Dezember sollen alle drei Wochen die Bilder wechseln. Passanten können sie von der Straße aus betrachten. Eine Feier zum fünfjährigen Bestehen des Vereins wird es nicht geben. „Wer weiß, was wir im kommenden Jahr machen können“, sagt Christiane Grintzewi.

Artroom entfällt


Die Bilder von Ulla Kielczynski entstanden durch eine Zusammenarbeit mit dem Holzschnitt-Künstler Abel Dewitz.

Online übernahm die Oranienburgerin einzelne Druckelemente und ergänzte sie. Entstanden sind dabei die Bilder „Optimismus“, „Hoffnung“ und „Enthusiasmus“.

Der Verein Kunstraum Oranienwerk hat seine 10. Artroom-Ausstellung abgesagt. Stattdessen wird wechselnde Kunst im Schaufenster gezeigt.

Beteiligt sind neben Ulla Kielczynski auch Ulrike Schmidt, Angelika Leopold, Magdalena Gewies, Martina Witting- Greth,Pauline Markholz, Gabi Kosche und Klaus- Dieter Metz. kd