Wer oft in den Straßen Oranienburgs unterwegs ist, hat die beiden sicher schon gesehen. Ronny (vollständiger Name der Redaktion bekannt) und Great sitzen am Rand des Einkaufszentrums oder gehen langsam und ein bisschen schwerfällig durch die Stadt. Kinder sind vor allem neugierig auf den großen Hund. Die Deutsche Dogge nimmt es freundlich hin, wenn sie Ronny fragen: „Beißt der?“ und sich dann trauen, ihren großen Kopf zu streicheln.
„Ohne den Dicken geh ich nirgends hin“, sagt Ronny entschlossen. Hund und Mensch als beste Freunde, bei ihm ist das so. Great ist etwa sieben Jahre alt, und seine Gelenke sind nicht die besten, deshalb tobt er nicht so ausgelassen wie andere Hunde. Aber er trägt ordnungsgemäß seine Hundemarke, wurde vom Amtstierarzt begutachtet, ist geimpft und gechipt. Futter gibt es genug, vor Kälte schützt ihn eine Hundedecke, und sein Mensch ist ständig bei ihm. Dass der – auch wegen ihm - Probleme hat, davon weiß Great nichts.

Zimmer in der WG ist Ende des Jahres weg

Ronny ist 33. Er hat keine Arbeit, lebt von Grundsicherung und auf der Straße – fast. Noch hat er ein Zimmer in einer Vierer-Wohngemeinschaft, bezahlt vom Jobcenter. Die Mitbewohner hat er sich nicht ausgesucht, und sie ihrerseits haben sich ihn und seinen großen Hund nicht ausgesucht. Eine Weile sei das einigermaßen gut gegangen, sagt er. Einer sei inzwischen ausgezogen. Irgendwann hätten die zwei anderen Mitbewohner aber angefangen, ihn und seinen Hund zu bedrohen und zu mobben, so nennt er es. Schließlich habe er Angst um sein Tier gehabt und sei einfach weggegangen. Das war im September. In die Wohnung will er nicht zurück. Das Futter für Great darf er im Zoohaus Strate lagern.
Nun trinkt Ronny sein Bier auf der Straße und schlägt manchmal in einer unbeobachteten Ecke der Stadt für die Nacht ein Zelt auf. Bei einer Freundin, einer „Kumpeline“, hatten der Mann und sein vierbeiniger Begleiter ganz gelegentlich ein Dach über dem Kopf, zumal natürlich auch Corona ein Problem ist. Das Zimmer in der WG ist zum Ende des Jahres weg, weil Wohngeld nicht gezahlt wird, wenn derjenige, der es bezieht, nicht an seiner Meldeadresse wohnt.

Seine Betreuerin hält Kontakt zu ihm

Anke Vulturius, Ronnys amtlich bestellte Betreuerin, hält regelmäßig Kontakt zu ihm – und zu den Behörden, zum zuständigen Jobcenter, zur Vermieterin der WG. Anke Vulturius will verhindern, dass Ronny auch noch Mietschuldner wird, denn das würde die Abwärtsspirale nochmal weiterdrehen. Eine andere, kleinere Wohnung zur Verfügung zu stellen oder eine gütliche Lösung zu finden, sah sich die Vermieterin nicht in der Lage, sagt sie. Auch Übergangsvarianten wie Pension, Zeltplatz oder Pferdehof, die Anke Vulturius angefragt hat, funktionieren nicht, weil keiner den Hund mitaufnehmen will.

Kindheit und Jugend in Heimen

Ronny stammt aus dem Norden des Landkreises. Sie waren sechs Geschwister, seine Mutter und eine Schwester leben heute in einem Heim, die meisten anderen haben selbst schon mehrere Kinder und deshalb keinen Platz für ihn und Great. Seine Kindheit und Jugend hat Ronny in Heimen verbracht, eine Ausbildung zum Koch hat er abgebrochen. „Ich gehöre eher in einen Stall als hinter den Herd“, sagt er über sich. Einmal hat er, vermittelt über ein Heim, als Jugendlicher bei einem Landwirt in Frankreich gewohnt und gearbeitet. „Encore un peu“, sagt er überrascht auf die Frage, ob er noch Französisch kann. „Noch ein bisschen.“ Die Zeit dort an der Schweizer Grenze sei nicht schlecht gewesen, die Arbeit auf dem Land habe ihm zumindest gefallen. Aber irgendwann sei er dann zurückgekommen, und längerfristig habe es mit einer Arbeit nie geklappt. Obdachlos sei er als Erwachsener früher schon mal gewesen, sagt er. In eine Obdachlosenunterkunft kann er nun aber ebenfalls nicht, denn dorthin könnte sein Hund nicht mit.

Hoffnung auf ein Weihnachtswunder

„Vielleicht findet sich doch etwas, wo sich beides verbinden lässt, Arbeit auf dem Feld oder in einem Garten und Wohnen mit Hund“, hofft nun Hohen Neuendorfs Pfarrer Volker Dithmar auf ein kleines Weihnachtswunder für Ronny und Great. Er hat den Mann und seinen Hund kennengelernt, als der mal für die Kirche eine Arbeit auf dem Außengelände miterledigt hat. Greats „Winteranzug“ und ein Sack Hundefutter ist deshalb auch ein Geschenk der Kirchengemeinde.
Kleine Wohnungen seien im Landkreis „Goldstaub“, bei den Wohnungsbaugesellschaften nachzufragen sei so gut wie aussichtslos, sagt Anke Vulturius, die auch das versucht hat. Einzig in Hohen Neuendorf habe sie es geschafft, ihn überhaupt auf eine Warteliste setzen zu lassen. Aber er würde auch überall in Oberhavel leben können, sagt Ronny, „Hauptsache, was Festes für mich und den Dicken“.

Hilfeangebote sind bei Anke Vulturius unter Postfach 670241, 10207 Berlin, willkommen.