Der alte Portalkran wurde demontiert und zerlegt. „Das waren etliche Kilo Stahl“, sagt Mario Hoffmann. Der Lehrer des Eduard-Maurer-Oberstufenzentrums arbeitet mit seinen Auszubildenden, die im dritten Lehrjahr den Beruf des Metallbauers lernen, eine Woche lang in der Gedenkstätte Sachsenhausen. An der alten Häftlingswäscherei ist der Kran verschwunden, mit dem zu DDR-Zeiten Kohlen in den Keller gebracht wurden. Das historische gebäude wurde damals als Heizhaus für die Gedenkstätte genutzt.

Arbeiten in Sachsenhausen werden dokumentiert

Nach dem Abbau des Krans haben die Auszubildenden das Fundament neu gegossen, um den Kellerschacht wieder richtig verschließen zu können. 20 Auszubildende, die Metallbauer, Maler und Trockenbauer lernen, sind in der Projektwoche dabei. Außerdem beteiligen sich erstmals Azubis der digitalen Mediengestaltung. Sie dokumentieren die Arbeit mit Fotos und Texten. Lehrern und Azubis gefällt der Einsatz am historischen Ort. „Wir kommen wieder“, sagt Lehrer Roland Stelzer.

Seit 1994 kommen Azubis aus Bremen

Seit 1994 kommen Auszubildende vom Schulzentrum an der Alwin-Lonke-Straße in Bremen jedes Jahr zum Arbeitseinsatz in die Gedenkstätte, seit 1998 beteiligt sich das Hennigsdorfer Oberstufenzentrum. Die Lehrer aus Bremen wollten Lehrlingen, die zum Teil wenig über die deutsche Geschichte wussten, die Vrebrechen der NS-Zeit vermitteln. Gerne berichteten sie dabei von Schülern, die in der Gedenkstätte Sachsenhausen ihre rechtsextreme Gesinnung ablegten.
Zu arbeiten gibt es auch jedes mal genug. In diesem Jahr wurde die Erneuerung einer Abdeckung auf der Lagermauer fortgesetzt. Vor der Häftlingswäscherei werden Kantensteine neu gesetzt. Im Industriehof wird ein altes Geländer von Rost befreit und neu gestrichen. Ein paar Meter weiter haben die Metallbauer die alten Gittertore, mit denen der riesige Kartoffelbunker verschlossen ist, aufgearbeitet.

Tore wurde von Häftlingen gebaut

Vasco De Nobile arbeitet mit Schleifmaschine und Schutzbrille an dem verrosteten Tor, das einst vermutlich von Häftlingen gebaut wurde. „Wenn man sich vorstellt, unter welchen Bedingungen die Häftlinge arbeiten mussten, macht einen das schon nachdenklich“, sagt der Auszubildende im dritten Lehrjahr, der sich nun mit der Geschichte des Ortes auseinandersetzt. Die Systematik, mit der mehr als 200.000 Menschen im Lager umgebracht worden seien, habe ihn erschüttert. „Wenn man durch Brandenburg fährt, kann man überall Äcker finden, auf denen Menschen in Kriegen und Schlachten umgekommen sind. Hier aber wurden Menschen systematisch ermordet“, sagt Vaso De Nobile.

Schockierende NS-Verbrechen

Nach dem, was sie in Sachsenhausen erfahren haben, wollen sie auch das ehemalige Vernichtungslager Auschwitz besuchen, sagen die Metallbau-Azubis. Vasco De Nobile will mit Freunden darüber sprechen, was er in Sachsenhausen gelernt hat. Wie schockierend die NS-Verbrechen waren, das hat auch Jerry Mattes erst am Ort der Täter erfahren. Erschüttert habe ihn dabei auch, wer mitgemacht und sich als Sadist im Lager betätigt habe. Für Hadi Rezaie, der aus Afghanistan nach Deutschland gekommen ist, war vieles, was er in den Ausstellungen gelesen und gesehen hat, völlig neu. Es seien auch in der Geschichte Afghanistans Völkergruppen umgebracht worden. Doch das Ausmaß der Ermordung in den Konzentrationslagern habe ihn schockiert.
Die Auszubildenden seien sehr nachdenklich geworden, sagt Mario Hoffmann. Einige hätten mit ihm über das sprechen wollen, was sie in den Ausstellungen der Gedenkstätte erfuhren. Die Projektwoche „Lernen und Arbeiten im ehemaligen KZ Sachsenhausen“ wird als erfolgreiches Bildungsprojekt in diesem Jahr erstmals vom Brandenburgischen Kulturministerium gefördert.