Weltflucht, Wissensdurst, Unterhaltung – der 6. September ist der Lies-ein-Buch-Tag! Wir haben uns in den Bibliotheken nach Lektüre-Tipps umgehört und diese zusammengefasst. Viel Spaß beim Stöbern!
Nadine Thomas, Bibliothekarin in Glienicke, empfiehlt als eingefleischte Krimi-Tante „Meine Schwester, die Serienmörderin“ der afrikanischen Autorin Oyinkan Braithwaite: „In dem Buch wird herrlich erfrischend von der Beziehung zweier sehr unterschiedlicher Schwestern berichtet. Die ältere, unscheinbare Korede würde alles für die hübsche Schwester Ayoola tun. Und Ayoola weiß das leider nur allzu gut, beginnt die Geschichte doch gleich damit, dass sie ihre große Schwester darum bittet, wieder eine Leiche verschwinden zu lassen. Es geht um Eifersucht, Liebe und die Frage, ob man als Schwester wirklich alles verzeihen kann und darf.“

Albert Einstein und die Liebe

Veltens Bibliothekarin Karina Melerowicz legt Kindern den Klassiker „Das Sams und der blaue Drache“ von Paul Maar ans Herz. Herr Flaschenbier findet dort das kleine Wesen mit den feuerroten Haaren. Für Erwachsene hat sie „Frau Einstein“ von Marie Benedict im Gepäck, in dem Mileva Maric als eine der ersten Physik-Studentinnen in Zürich Albert Einstein lieben lernt. „Zusammen arbeiten die beiden an der Relativitätstheorie und erreichen schnell einen Bekanntheitsgrad – und doch ist sie bis heute eine Unbekannte.“
Oberkrämers Bibliotheksleiterin Jennifer Prahl regt an, „Das Haus der Frauen“ von Laetitia Colombani („Der Zopf“) zu lesen: „Ein Buch, das mich in diesem Jahr mitunter am allermeisten berührt hat! Es ist kein fröhliches Buch. Keines, das Du nach der letzten Seite zufrieden aus der Hand legen wirst. Ich hatte großes Mitgefühl für die Frauen. Eine sehr bewegende Geschichte die absolut empfehlenswert ist.“

Ein Muss für an DDR-Geschichte interessierte Leser

Ihrer Kollegin Claudia Adler, Bibliothekarin in Bötzow, hat es „Die Kamelien-Insel“ von Tabea Bach angetan. In der Bretagne findet Protagonistin Sylvia als Erbin einer Insel mit Kameliengärtnerei ihr Glück – und die Liebe. „Man beginnt zu lesen und möchte am liebsten gar nicht mehr aufhören“, so Claudia Adler. „Das Beste ist, dass dies der erste Teil einer Reihe ist und man sich nach der letzten Seite noch nicht von der Kamelien-Insel und ihrem Zauber verabschieden muss.“
Martina Becker aus der Fürstenberger Bibliothek sagt über ihren Lese-Tipp: „Das Buch ist ein Muss für alle, die sich für die Geschichte der DDR interessieren.“ Gemeint ist „Machandel“ von Regina Scheer. „Die Schicksale werden trotz des Detailreichtums sehr unaufdringlich geschildert. Wer in der Zeit in Berlin gelebt hat, weiß, dass es genauso war, wie Regina Scheer es in dem Buch beschreibt.“
Haben eine riesige Auswahl in der Oranienburger Bibliothek: Jennifer Bonk, Leiter Daniel Fehlauer und Sabine Hartmann
Haben eine riesige Auswahl in der Oranienburger Bibliothek: Jennifer Bonk, Leiter Daniel Fehlauer und Sabine Hartmann
© Foto: Marco Winkler
„Das Mädchen mit der Leica“ von Helena Janeczek hat Katja Wolf aus der Hennigsdorfer Bibliothek besonders gefallen: „Die Biografie über die Fotografin Gerda Taro ist eine spannende Reise durch Länder und Zeiten. Gerda Taro dokumentierte mit ihrem Lebensgefährten, dem Fotografen Robert Cappa, den Spanischen Bürgerkrieg und bezahlte diesen Einsatz mit dem Leben. Dieses Buch beschreibt den kurzen, aber faszinierenden Lebensweg einer Frau, die sich über viele Konventionen hinwegsetzte.“
Ein Sachbuch hat Oranienburgs Bibliotheksleiter Daniel Fehlauer dabei: „Die Casablanca‑Strategie: wie die Alliierten den Zweiten Weltkrieg gewannen“ von Paul Kennedy. „75 Jahre nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs gibt dieses Buch einen unheimlich spannenden Einblick, welche strategischen Schritte nötig waren, um dem Krieg in Europa die nötige Wendung zu verpassen. Vielen ist die Konferenz von Jalta sowie die nach Kriegsende stattfindende ‚Konferenz von Potsdam’ bekannt. Dass jedoch Roosevelt und Churchill bereits in Casablanca den Master-Plan schmiedeten, ist eher unbekannt.“
Redakteur Marco Winkler hat eine Stapel Empfehlungen dabei. Wer auf schräge Geschichten steht, sollte zu Peter Hoeg greifen!
Redakteur Marco Winkler hat eine Stapel Empfehlungen dabei. Wer auf schräge Geschichten steht, sollte zu Peter Hoeg greifen!
© Foto: Marco Winkler
Mitarbeiterin Sabine Hartmann hat ebenfalls Männer der Weltgeschichte als Tipp dabei. In „Zwei Herren am Strand“ von Michael Köhlmeier freunden sich Winston Churchill und Charlie Chaplin an. „Beide haben eine Gemeinsamkeit: sie leiden an Depressionen und versprechen sich, immer füreinander da zu sein. Das Buch ist spannend geschrieben, die Sprache ist sehr eindringlich und das Seelenleben der beiden Männer wird sehr feinfühlig beschrieben.“
Oranienburgs Kinderbibliothekarin Jennifer Bonk empfiehlt eine Dystopie für Jugendliche ab 14 Jahren: „Davor und Danach: Überleben ist nicht genug“ von Nicky Singer. In einer überbevölkerten Welt mit wenig Wasser und Nahrung muss Mhairis ums Überleben kämpfen. „Wenn du die Welt um dich herum vergisst, nicht mehr weißt, wer du selbst bist, sondern plötzlich das Leben eines Anderen lebst, dann weißt du, du hast ein verdammt gutes Buch erwischt“, so Jennifer Bonk über diesen Roman.
Zum Abschluss ein Tipp von mir: „Was man von hier aus sehen kann“ von Mariana Leky. Ein wunderbarer, oftmals rührender Roman über schrullige Dorfbewohner und ein Okapi, das im Traum den Tod ankündigt.