Nach dem schmackhaften Stück Ziegenkäsekuchen und frischen Kaffee aus blauen Tassen der Veltener Töpferei Malenz verabschiedete sich Uwe Feiler von seinen Gastgebern. Der parlamentarische Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsminister und CDU-Bundestagsabgeordnete für Oberhavel hatte noch einen anderen Termin. Doch der Vormittag und die Mittagspause in der abseits gelegenen Ziegenkäserei vom Karolinenhof in Kremmen gehörten dem Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL).

Moorbauern fehlt Unterstützung

Dessen Geschäftsführer, Jürgen Metzner, war eigens aus Bayern angereist, um gemeinsam mit dem Landschaftsförderverein Oberes Rhinluch (LFV) und dem Landwirtepaar Juliane und Sebastian Petri aus Kremmen für ihre Sache zu werben: Für eine größere Anerkennung und Unterstützung von Landwirtschaft in Regionen mit Mooren. Immerhin sieben Prozent landwirtschaftlicher Flächen sind Moore in Deutschland. Doch nicht nur die Bauern, die diese schwer zu bewirtschaftenden Böden in Oberhavel und Ostprignitz-Ruppin beackern, wollen raus aus der Nische. „Landwirtschaft im Moment bedeutet: Ich produziere, Milch, Fleisch, Getreide“, sagt Jürgen Metzner vom DVL.

Aus Landwirten sollen Natur- und Klimaschützer werden

„Doch Landwirtschaft ist viel mehr: Naturschutz, Klimaschutz, Landschaftspflege und Produzent“, so Metzner. Das Problem dabei sei, dass Natur- und Klimaschutz sowie die Landschaftspflege nicht gewinnorientiert funktioniert und trotzdem kaum „als gesellschaftliche Leistung“ gesehen, geschweige denn honoriert würden“, sagt Metzner. Niemand könne derzeit die Frage beantworten, welchen Wert solche Leistungen haben. „Dabei sind das eigentlich unsere Zukunftsbetriebe“, ist der DVL-Geschäftsführer sicher. „Unsere Aufgabe ist es, den Landwirten zu zeigen, was sie auf nassen Mooren produzieren können“, so Metzner. Hochgestecktes Ziel ist es, aus möglichst vielen Bauern Natur-, und Klimaschützer sowie Landschaftspfleger zu machen.

Geerntet wird Urwiesenheu

Als Paradebeispiel vor Ort wurde der Moorhofer Gründlandhof im Oberen Rhinluch in Kremmen besucht. Hier bewirtschaften Juliane und Sebastian Petri 250 Hektar, davon 130 ökologisch und 120 konventionell. Die Flächen sind ehemals entwässerte Moore, die wieder unter Wasser liegen. Sie verkaufen zum Beispiel Urwiesenheu. Sie haben gezeigt, dass sich „die Landwirtschaft dem Moor anpassen muss und nicht umgekehrt“, sagt Jana Albrecht vom Landschaftsförderverein Oberes Rhinluch.

159 Millionen Euro fließen bis 2023 in den Moorschutz

„Wir wollen das Moor als Kulturlandschaft erhalten und trotzdem eine Perspektive haben, um davon zu leben“, sagt Sebastian Petri. Die Moorhofer haben viele Ideen, wie sie die Biomasse Moor verwerten können, zum Beispiel für eine Biomasseheizung oder als Kunststofflieferant. Doch den innovativen Ansätzen müssen Gesellschaft und Politik noch folgen, sonst scheitert alles am Geld.
Dafür ist auch Uwe Feiler eingeladen worden. „Moorschutz ist auch unserem Hause wichtig“, sagt der Staatssekretär von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU). Ab 2021 fließen bis 2023 jährlich 53 Millionen Euro in den Moorschutz. Was davon in Kremmen und dem Oberen Rhinluch hängen bleibt, ist ungewiss. Feiler: „Wir wollen aber sehen, was mit dem Geld passiert.“