Mit diesem umfangreichen Planwerk, welches im Auftrag der Stadt vom Planungsbüro Ludewig aus Birkenwerder erarbeitet wurde, wollen die Stadtverordneten weiterhin Einfluss auf die Bestimmung von potenziellen Windeignungsgebieten im Stadtgebiet Kremmen nehmen. Sie begeben sich damit bewusst in Konflikt zum Regionalplan "Freiraum und Windenergie" der Regionalen Planungsgemeinschaft Prignitz-Oberhavel. Dieser, bereits mehrfach nach gerichtlichen Beanstandungen überarbeitete Regionalplan weist aktuell für das Gebiet Kremmen zwei Windeignungsgebiete aus: das Gebiet 34 Beetz-Neuendorf und das Gebiet 35 am Autobahndreieck Havelland in der Nähe von Staffelde.
Der am Donnerstag befürwortete Kremmener Vorentwurf lehnt diese beiden Windeignungsgebiete ab. Die Fläche bei Beetz-Neuendorf sei für die Aufstellung von Windenergieanlagen ungeeignet, weil Horststandorte des Seeadlers und des Schwarzstorches beeinträchtigt würden. Zudem würde die Planfläche 34 rund sieben Hektar "alten Laubwaldbestand mit hoher ökologischer Funktion" beinhalten. Das Windeignungsgebiet 35 wird im Kremmener Teilflächennutzungsplan ausgeschlossen, weil hier unter anderem ein zu geringer Abstand zum europaweit größten Kranichrastplatz im Kremmener Luch mit bis zu 130 000 Kranichen gegeben sei.
Die Abgeordneten befinden sich mit dieser Ablehnung in guter Gesellschaft. Bereits im Mai 2016 hatte der Landschaftförderverein Oberes Rhinluch (LFV) auf dem Kremmener Markplatz 787 Unterschriften gegen diese geplanten Windeignungsgebiete an Bürgermeister Klaus-Jürgen Sasse (SPD) übergeben.
Stattdessen schlägt nun der am Donnerstag diskutierte Kremmener Plan vor, zwei alternative Bereiche als Untersuchungsgebiete zur Windkrafteignung zu benennen. Diese seien laut Planerin Anke Ludewig deswegen gewählt worden, weil dort die geringsten Beeinflussungen von Natur und Mensch zu erwarten seien.
Es handelt sich dabei zum einen um ein Gebiet beiderseits der Hohenbrucher Straße, nördlich der ehemaligen Deponie Germendorf. Zum anderen könnte untersucht werden, ob ein Bereich der Beetzer Heide für die Errichtung von Windkraftanlagen geeignet wäre. Hier verweist die Studie des Planungsbüros darauf, dass es sich um eine Waldfläche mit überwiegend Kiefernkulturen handelt. Zudem sind große Teile der Beetzer Heide einst militärisch genutzt worden und deshalb teilweise unbewaldet.
Bei der an die Vorstellung des Planwerks anschließenden Diskussion monierte Christoph Brunner (BfB) die Größe des potenziellen Windeignungsgebietes Beetzer Heide. Wenn man dort eine Fläche von 400 Hektar ausweise, würde das bedeuten, dass bis zu 40 Windkraftanlagen erbaut werden könnten. Das aber wäre aus seiner Sicht unvertretbar. Anke Ludewig verwies allerdings darauf, dass in Brandenburg laut Gesetz jede Kommune zwei Prozent ihrer Fläche für die Windenergie-Nutzung zur Verfügung stellen müsse. Eine drastische Verkleinerung der Fläche in der Beetzer Heide würde bedeuten, dass man andere, schützenswertere Flächen anbieten müsste. Allerdings wolle man eventuell zu errichtende Windkraftanlagen in der Höhe auf 150 Meter begrenzen. Zudem seien eher 20 statt 40 Anlagen realistisch.
Bürgermeister Klaus-Jürgen Sasse verwies darauf, dass man den eigenen Teilflächennutzungsplan benötige, um mit der Regionalen Planungsgemeinschaft "auf Augenhöhe" diskutieren zu können. Zudem sei mit der Auslegung der Planunterlagen eine frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit an der weiteren Entscheidungsfindung gewährleistet.