Heute wird es dort tatsächlich nicht so ruhig zugehen wie sonst. Denn zu seinem 60.Geburtstag haben sich jede Menge Gratulanten angesagt.
Viele Weggefährten haben sich angesammelt, seit Marian Przybilla mit seiner Familie als Sechsjähriger von Polen nach Berlin gezogen ist, wo er zum Kindergarten und zum Canisius-Kolleg ging, wo er zum Knabenchor der St.-Hedwigs-Kathedrale gehörte. Vom nahen Bahnhof in dem oberschlesischen Dorf geprägt, haben ihn Züge und der Bahnverkehr immer fasziniert – wenn auch heute die tägliche Freude des Bahnfahrens durch Sperrungen getrübt ist und ihn dann doch in den alten Golf steigen lässt. Die Liebe zur Natur hat sich der Biologie- und Lateinlehrer aber bewahrt. Der Naturschutzturm, den er gemeinsam mit Helga Garduhn – die heute dort neben seinem auch ihren Geburtstag feiert – aus dem alten Grenzturm entwickelte, hat beide weit über die Grenzen des Kreises und Berlin hinaus bekannt gemacht. Aus dem öden Todesstreifen haben sie mit Generationen von Kindern und der Waldjugend eine Oase samt neu gepflanztem Wald geschaffen. Sogar das japanische Fernsehen hat darüber schon berichtet. Auch das Andenken an vier junge Maueropfer wird am Turm bewahrt.
Den dezenten Anstecker, der ihn als Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande ausweist, das er 1999 für sein soziales Engagement bekommen hat, trägt Marian Przybilla bei Pflanzungen im Hochzeitswald neben dem Turm und bei anderen feierlichen Anlässen durchaus mit Stolz. Auch den Berliner Naturschutzpreis hat er 2010 gerne entgegengenommen.
Als wären Lehrerdasein, Wald- und Naturschutz sowie ein Ehrenamt als Familienhelfer in Berlin-Tempelhof nicht Arbeit genug, beackert Marian Przybilla seit einigen Jahren auch das Feld der Politik. Inzwischen in Bergfelde zuhause, verbringt er für die Linke viele Abende in den Ratsstuben – zuweilen sarkastisch, oft mit Rückenschmerzen und fast immer Gummibären kauend ob des langen Nikotinentzugs. Für deutschen Rap, die bevorzugte Musik, bleibt da wenig Zeit, für schwere Kost wie Hector Berlioz noch weniger.
Ein anstrengender Beruf und Ehrenämter zuhauf, dazu manches Mal der Zwiespalt zwischen politisch sinnvollen Entscheidungen und dem Wunsch, ein guter Nachbar zu sein, es möglichst vielen recht zu machen: Erst kürzlich hat ihm sein Herz deutlich zu verstehen gegeben, dass das nichtmehr alles auf einmal geht, dass es auch schon 60wird. Das hat Marian Przybilla eine Zwangspause verschafft.
„Ich mach’ nur noch, was ich will“, hat er sich nun angewöhnt zu behaupten. Leichter gesagt als getan. Es ist ihm zu wünschen, dass das nicht nur ein Spruch ist, sondern wenigstens halbwegs stimmt und er achtsam mit sich umgeht. Schließlich wollen seine Gäste in zehn Jahren noch genauso mit ihm feiern wie heute.