Die neue Optik ohne Bäume ist ein Vorgeschmack auf noch deutlichere Veränderungen rund um den Bahnhof. An der Böschung zur S1 soll ab Herbst das neue Fahrradparkhaus gebaut werden. Auf zwei Etagen entstehen 1 000 Stellplätze, darunter auch abschließbare Boxen für Zweiräder. Eine breitere Treppe führt künftig zum S-Bahnsteig. Das Parkhaus soll den Anspruch Oranienburgs als fahrradfreundliche Stadt unterstreichen. Die bestehenden 370 Stellplätze links vom Empfangsgebäude der Bahn werden nach der Fertigstellung verschwinden. Der benachbarte Pavillon mit Gaststätte und Motorradladen wird abgerissen. Auf den frei werdenden Flächen entstehen neue Bushaltestellen. Gleichzeitig werden der Platz zwischen Bahnhof und Post sowie die Stralsunder Straße, auf der künftig Tempo 20 gilt, neu gestaltet. Das moderne Fahrradparkhaus wird die Ansicht des denkmalgeschützten Platzes jedoch am meisten verändern.
Ursprünglich sollte bereits ein ganzes Jahr früher mit dem Bau des Parkhauses begonnen werden. Nach Angaben des Stadtplaners gab es jedoch noch Abstimmungsbedarf mit der Bahn, die während der Bombensuche am Bahndamm bereits zahlreiche Bäume gefällt hatte. Weil die Bahn kein einziges Unternehmen ist, sondern aus vielen Gesellschaften besteht, sind die Verhandlungen oft langwierig. Das gilt auch für den Bau eines neuen Fußgängertunnels in Richtung Neustadt. Die vorhandene Unterführung mit Zugang zu den Bahnsteigen könnte dafür relativ einfach verlängert werden. Doch auch nach jahrelangen Verhandlungen sind sich Stadt und Bahn dazu nicht einig geworden. Das Problem: Die Bahn will sich nicht an den Kosten beteiligen. Der Stadt ist der Tunnel zu teuer. Fördergelder gibt es für den Bau nicht. Die Bahn konnte auf Anfrage nicht mitteilen, ob es dennoch irgendwann zum Tunnelbau kommen könnte.
Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke (SPD) klingt diesbezüglich nicht optimistisch. Dabei sei der Plan nach wie vor sinnvoll, sagt er. Denn der östliche Zugang zum Bahnhof und die Nutzung der ungenutzten Flächen des früheren Güterbahnhofs würden ganz neue Möglichkeiten ergeben und die platzbedingten Schwierigkeiten auf der Westseite des Bahnhofs mindern. "Die Flächen sind für die Bahn entbehrlich", sagt Laesicke. Außerdem seien alle früheren Baracken, die in anderen Städten meist noch ungenutzt und marode an ehemaligen Güterbahnhöfen stehen, wegen der Bombensuche auf den Bahnflächen längst abgerissen worden.
"Die Bahn könnte in Oranienburg ein Modellprojekt realisieren", schlägt Laesicke vor. Über die Ladestraße ist das Areal von der Bernauer sowie über die Dr.-Heinrich-Byk-Straße erreichbar. Schüler des OSZ, Besucher der Turm-Erlebniscity und der Gedenkstätte Sachsenhausen hätten deutlich kürzere Wege zum Bahnhof. Auch die Neustadt und die in der Speyerer Straße geplante neue Kita wären besser erreichbar. Auf den ungenutzten Bahnflächen wäre außerdem Platz für viele neue Pendlerparkplätze und weitere Fahrradabstellmöglichkeiten. Auch Busse könnten dort halten. Würde die Bahn alte Gleise abbauen, könnte der Tunnel entsprechend verkürzt werden.
Der begeisterte Bahnfahrer Hennig Schluß aus Oranienburg äußerte kürzlich auf Facebook die Idee, die Bahn könne die Bauarbeiten im Bahnhof doch nutzen, um dort die Tunnelverlängerung vorzunehmen. Das Innere des Bauwerks ist seit Sommer 2016 mit Bauplanen verhüllt. Die Bauarbeiten ruhen seit mehr als einem halben Jahr. Derzeit ist die Bahn nicht in der Lage mitzuteilen, wann die Arbeiten fortgesetzt werden können. Unter anderem mussten Statik und Materialien geprüft werden.
Der Vorschlag von Hennig Schluß stieß auf ein positives Echo. Die Idee der Fußgängerunterführung sei doch schon 30 Jahre alt, schrieb eine Oranienburgerin. Die Bürgermeisterkandidaten Jennifer Collin (SPD) und Heiner Klemp (Bündnis 90/Grüne) unterstützten den Vorschlag. Möglicherweise bringt der Wahlkampf wieder Bewegung in die Planungsdebatte.
Bislang sieht es jedoch eher so aus, als würde die Bahn ihre Flächen im Stadtzentrum nicht für eine sinnvolle Stadtentwicklung hergeben wollen. Dabei ist der frühere Güterbahnhof weitgehend ungenutzt. Im vergangenen Sommer wurde zum Beispiel Schutt von Bahnbaustellen auf großen Halden zwischengelagert. Die Gleise werden hin und wieder zum Abstellen von Güterwaggons genutzt. Erst kürzlich wurden am östlichen Rand alte Gleise durch neue ersetzt. Etwa in Höhe des möglichen Fußgängertunnels enden die neuen Schienen an einem neu angebrachten Prellbock.