Nirgendwo in Deutschland ist der Anteil der über 80-Jährigen so hoch wie in Brandenburg. Und 95 Prozent der Senioren leben zu Hause. „Mit dem Alter nehmen gesundheitliche Einschränkungen zu. Und mit jeder Einschränkung sinkt die Bereitschaft für Bewegung. Die Menschen ziehen sich noch weiter zurück. Es ist ein Teufelskreis, aus dem es viele nicht schaffen, auszubrechen“, sagt Ingrid Witzsche von der Akademie 2. Lebenshälfte. Die Folge seien Einsamkeit und Verlust von Selbstständigkeit.
Dass das ein Problem ist, haben Krankenkassen schon vor Jahren erkannt. Denn mit zunehmender Immobilität steigt auch das Sturzrisiko. Der Oberschenkelhalsbruch ist nicht nur eine häufige und schmerzhafte Verletzung im Alter, sondern für die Kassen eine kostspielige. Deshalb unterstützen die Kassen auch schon seit Jahren Seniorensportangebote. „Das Problem ist allerdings: Die Angebote werden vor allem von Menschen angenommen, die ohnehin noch recht mobil sind und sich fit halten wollen. Die schon Eingeschränkten aber kommen kaum“, sagt Ingrid Witzsche.
Die Akademie 2. Lebenshälfte und die AOK Nordost haben deshalb das Projekt „Lange mobil und sicher zu Hause“ entwickelt, das genau dieses Problem lösen soll. Die einfache Idee dahinter: Die Menschen müssen nicht zum Seniorensport gehen. Die Angebote werden ihnen zu Hause unterbreitet. Dafür werden mithilfe von lokalen Partnern, in Oberhavel ist das der Märkische Sozialverein, freiwillige Trainer gesucht und ausgebildet.
Die Ausbildung dauert sechs Tage je vier Stunden. Erklärt werden Alterserkrankungen, die Auswirkungen von Bewegung auf motorische und kognitive Fähigkeiten und Methoden zur Motivation von älteren Menschen. „Am Ende geht es auch nicht um Sport“. sagt Ingrid Witzsche. Es gehe auch um die kleinen Fähigkeiten, zum Beispiel wieder ein Glas stabil zu halten und sich sicher im Haushalt und auf der Straße zu bewegen. Die ehrenamtlichen Trainer arbeiten mit Karten, auf denen nicht nur die Übungen, sondern auch deren Effekte für Körper und Geist erläutert werden.
Die Geschäftsführerin des Märkischen Sozialvereins (MSV), Gabriela Wolff, ist angetan von der Initiative. „Im Ehrenamt liegt so viel Potenzial und Erfahrungswissen, das wir nutzen müssen.“ Zwar sei der MSV mit 81 freiwilligen Helfern im  Betreuungsdienst gut aufgestellt. Die Bewegungsunterstützung zu Hause biete der Verein bislang aber nicht an. Insofern freue man sich auf die neue Aufgabe.

Die Initiative

■ Das Projekt „Lange mobil und sicher zu Hause“ ist eine Initiative des Vereins Akademie 2. Lebenshälfte und der AOK Nordost. Es fördert Initiativen und Vereine bei der Entwicklung bewegungsorientierter Betreuungsangebote.

■ Ziel ist die Förderung von Bewegung der Menschen im hohen Alter, die zu Hause leben und sich aufgrund zunehmender Einschränkungen, Ängste und Einsamkeit nur noch wenig bewegen. Erreicht werden sollen mehr Lebensqualität im Alter sowie die Vermeidung von Pflegebedürftigkeit und Verletzungen durch Stürze.

■ In Oberhavel nimmt der Märkische Sozialverein die Initiative auf. Er sucht ehrenamtliche Helfer. Sie können sich unter 03301 6896960 melden.