Zugegeben: Die Vertreter unserer Zeitung lassen anfangs jede sonst selbstverständliche Unparteilichkeit außer Acht und feuern lauthals den Kollegen Jürgen Liebezeit an, der zur Verstärkung auch seine Familie und Sportfreunde mitgebracht hat. Er entwickelt Ehrgeiz und kann sich im Verlauf des Kandidaten-Entscheidungsspiels tatsächlich erheblich steigern. Einen Basketball mittels Tennisbällen über eine 15 Meter lange Bahn zu treiben, ist die Aufgabe, und Jürgen erreicht dabei wie später beim Zuschauervoting einen durchaus achtbaren dritten Platz.
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Dass er damit den Einzug als Gegner Paul Aurins trotzdem verpasst hat, nimmt der leidenschaftliche Journalist so gelassen wie sportlich fair. "Da habe ich auch keine Gelegenheit, mich zu blamieren", erklärt er fröhlich und drückt für den Rest des Abends Michael Fiedler die Daumen. Der hat es schwer gegen seinen Kontrahenten Paul Aurin, aber der hellwache Liebenwalder macht es dem Hohen Neuendorfer auch nicht leicht. Vor allem auf sportlicher Ebene kann er punkten.
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Unglaublich, was sie alles wissen! Anhand von Jingles und Firmenlogos, die nur in Ansätzen zu hören und zu sehen sind, kommen moderne Lehrer wie Aurin und Fiedler mehr oder weniger mühelos auf "Nokia" oder (wen???) "nvidia" (einen Hersteller von Grafikprozessoren für Rechner). "Zurück in die Zukunft" sagt ihnen dagegen gar nichts - heimlich fühlen sich einige Zuschauer, die den 80er-Jahre-Film kennen, ziemlich alt.
Weiß heben sich riesige Bälle vom schwarzen Nachthimmel ab, von oben beobachtet von einer Drohne. Ein neues Spiel auf dem Sportplatz, bei dem die beiden jeweils in einem riesigen Ball steigen und sich fangen müssen, bringt beide an ihre Grenzen. Die Zuschauer verfolgen es warm und bequem sitzend von drinnen. "Ich glaube, das war extrem anstrengend", vermutet Bürgermeister Steffen Apelt. Er sei andauernd auf den Kopf gefallen, sagt ein in diesem Moment sichtlich erschöpfter Paul Aurin.
Gekonnte musikalische Einlagen verschaffen den Spielern zwar kurzen Pausen, aber es bleibt aufregend und das Tempo ist hoch. Marie-Curie-Gymnasiallehrer Rüdiger Becker gibt gar nicht erst vor, die schwierigen Wissensfragen, die er den jungen Kollegen stellt, selbst beantworten zu können. Kurz geht es um schwarze Löcher, Gravitationswellen und Kochen mit Stickstoff.
Wenn acht Näherinnen in acht Minuten acht Knöpfe annähen, wie viele schaffen dann 16 Näherinnen in 16 Minuten? Überlegen, Buzzer drücken, 32. Ach so, ja. Wann eilte Juri Gagarin erstmals ins Weltall? 1961. Jürgen Liebezeit weiß das. Aber er wird ja nicht gefragt. Wann erhielt "unsere" Marie Curie den Nobelpreis für Chemie? Oh, 1911, peinlich, nicht gewusst. Per Smartphone können sich die Zuschauer an einem Schätzspiel beteiligen.
Im Laufe eines langen, unterhaltsamen und teilweise spektakulären Abends braucht Moderator Fabian Lindemann zunehmend Geduld, weil beide Spieler immer wieder akribisch Kleinigkeiten nachfragen, vorzeitig loslegen möchten, über den roten Druckknopf nörgeln.
Zwischendurch kippt die Stimmung im Saal zugunsten von Michael Fiedler. Ganz ohne Panne geht die aufwendige Show auch nicht über die Bühne - es ist eben alles live. Die Software eines Spiels stürzt ab und kann nicht wieder hochgefahren werden. Das setzt auch einen längst geübten Moderator wie Fabian Lindemann unter Stress und sorgt kurz für Ratlosigkeit im Team. Ein uraltes, bekanntes, durch und durch analoges Spiel, das zu später Stunde die grauen Zellen noch einmal (über)fordert, beendet weit nach Mitternacht den spannenden Abend: Kofferpacken. Weil Michael Fiedler ungenau antwortet, gewinnt Paul Aurin und packt seine Geldkoffer wieder ein - bis zum nächsten Mal.